Interview

Ein Lauf mit Gunnar Tietz

Früher Leistungssportler, heute Sommelier im "Hotel Palace" in Berlin. Gunnar Tietz läuft heute Marathon und fährt jeden Tag 40 km mit dem Fahrrad.

Trainingstagebuch
Strecke: Tiergarten
Ort: Berlin
Wetter: bedeckt, 17 Grad
Distanz: 12 Kilometer
Zeit: 60 Minuten
Tempo: 5:00 min./km

Als laufender Sommelier sind Sie ja die Traumzielgruppe des Medoc-Marathons. Sind Sie den schon mal gelaufen?

Gunnar Tietz: Das wollen meine Freunde und ich schon seit drei Jahren. Leider liegt er immer drei Wochen vor dem Berlin-Marathon. Außerdem haben wir hier im Hotel Palace ab September das stärkste Geschäft, da ist es für mich schwierig wegzukommen.

Und der Berlin-Marathon ist in Ihrem Kalender ein fixes Datum?

Gunnar Tietz: Ja, ich habe zwar mal eine Zeitlang ausgesetzt, aber seit vier Jahren wieder Blut geleckt.

Ihre Bestzeit liegt bei hochrespektablen 2:48 Stunden …

Gunnar Tietz: … natürlich auch in Berlin gelaufen. Das war 1996. Aber mein momentanes Marathonniveau liegt bei ca. drei Stunden.

Sie kommen vom Leistungssport?

Gunnar Tietz: Ja, ich habe zehn Jahre lang Hindernislauf gemacht und eine Sportklasse des SC Brandenburg besucht – zu der übrigens auch Katrin Krabbe und Astrid Kumbernuss gehörten. Wir haben nach dem Abitur dann noch weiter gemacht. Für Europa hat es bei mir gereicht, auf Weltniveau musste ich aber erkennen, dass die Kenianer eine halbe Stadionrunde schneller waren. Als dann die Mauer fiel, hat sich auch bei mir im Kopf etwas bewegt und ich habe den Leistungssport aufgegeben.

Was hat Sie dann zum Wein gebracht?

Gunnar Tietz: Ein Zufall. Nach dem Mauerfall suchte ich eine Lehrstelle in der Hotellerie. Da bin ich bei Peter Frühsammer gelandet, damals Europas jüngster Sternekoch, der mir gleich die besten Weine der Welt vorstellte. Keine Basics, nur Grand Crus. Da habe ich mein Herz verloren …

… obwohl Sie vorher noch nie ein Glas Alkohol getrunken hatten?

Gunnar Tietz: Genau. Im Fördersystem der DDR war das genau so wenig erwünscht wie Rauchen. Naja, danach habe ich mich in das Thema Wein vertieft. Jetzt mache ich das seit 23 Jahren – und die Erfolge sind wie eine Lawine auf mich eingestürzt.

Welche Ihrer vielen Auszeichnungen ist Ihnen am wichtigsten? Der „Sommelier des Jahres“ von Gault Millau?

Gunnar Tietz: Der Ritterschlag war es, 2012 von den 100 besten Köchen Deutschlands zum „Sommelier des Jahres“ gewählt worden zu sein. „Gault Millau“ hat vielleicht das höchste Image, aber die Auszeichnung der Köche hatte schon etwas Herausragendes. Etwas Besonderes war es auch, für den Staatsbesuch von Barack Obama im Juni die Weine besorgen zu dürfen. Gar nicht so einfach: Es sollten die gleichen sein, die John F. Kennedy vor 60 Jahren nach seiner Mauerrede getrunken hat.

Wie viele Weine dürfen Sie pro Woche probieren?

60 bis 100. Da muss man diszipliniert sein. Die meisten spucke ich natürlich wieder aus.

Sie sind darüber jedenfalls nicht zum Alki geworden?

Gunnar Tietz: Nein, ich achte sehr auf meinen Körper – und der Sport hilft mir dabei. Neben dem Lautraining fahre ich jeden Tag 40 Kilometer mit dem Fahrrad. Und in den ersten drei Monaten des Jahres trinke ich gar keinen Alkohol.

Können Sie zum Abschluss einem Wein-Laien noch sagen, wie man einen guten Tropfen erkennt?

Gunnar Tietz: Man sollte entweder einen Weinhändler seines Vertrauens finden – oder lernen, Etiketten zu lesen. Es ist eigentlich ganz einfach. Steht der Jahrgang drauf, die Rebsorte, der Erzeuger? Wenn man sich dazu Kriterien erarbeitet und dann noch bedenkt, dass es unter sechs Euro keinen guten Wein in der Flasche geben kann, ist man schon auf einem guten Weg.

Haben Sie einen Lieblingswein?

Gunnar Tietz: Ja, ich bin ein Fan des Pinot Noir, des Spätburgunders. Die Weine von Romanée-Conti taugen sogar als Geldanlage.

Überall auf der Welt, wo es Wein gibt, waren Sie schon mal. Was ist Ihre Lieblingslaufstrecke?

Gunnar Tietz: Das größte Erlebnis für mich mit Laufschuhen war es vielleicht, den Tafelberg zu Fuß hoch zu gehen – laufen schafft man nicht. In Neuseeland bekommt man aber auch Gänsehaut, wenn man bei Nebel durch eine Szenerie wie aus dem „Herrn der Ringe“ läuft. Da sage ich einfach nur: „Danke, dass ich diesen Job machen darf!“

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