Laufender Vorstandschef

Ein Lauf mit Giovanni Liverani

Giovanni Liverani war früher Leistungssportler. Jetzt läuft der Vorstandschef der Generali-Versicherung aus ganz anderen Gründen. Aus welchen, verriet er uns im Interview.

Ein Lauf mit Giovanni Liverani (2)

Trotz Vorstandsposten nimmt sich Giovanni Liverani regelmäßig Zeit zum Laufen.

Bild: Sebastian Arlt

Trainingstagebuch
Strecke: Isarhochufer
Ort: München
Wetter: Sonnig, 26 Grad
Distanz: 10 Kilometer
Zeit: 54:30 Minuten
Tempo: 5:25 min/km

Sie kennen sich mit dem Laufen ja bestens aus, waren als junger Mann als Leistungssportler erfolgreich…
Giovanni Liverani: Als Jugendlicher habe ich wie alle anderen erst Fußball oder Basketball gespielt, aber schnell gemerkt, dass ich dabei vor allem im Laufen meine Stärken hatte. Also bin ich zur Leichtathletik gewechselt, die damals in meiner Heimat Italien sehr populär war. Aber das Laufen alleine war mir bald zu langweilig, und erst als ein Freund mich zum Orientierungslauf brachte, hatte ich meinen Sport gefunden.

… und Sie haben an internationalen Meisterschaften teilgenommen!
Giovanni Liverani: Ja, ich bin für die Nationalmannschaft gestartet und habe auch an Weltmeisterschaften teilgenommen, was allerdings beim Orientierungslauf einfacher ist, als in der klassischen Leichtathletik.

Was hat Sie am Orientierungslauf gereizt?
Giovanni Liverani: Die Kombination aus athletisch-körperlichem und mental-geistigem Anspruch. Laufen und Denken gleichzeitig, das war’s, was mich gereizt hat. Und man muss beides sehr schnell tun. Und man muss Entscheidungen treffen: Muss ich rechts oder links? Ist es besser, auf direktem Wege den steilen Anstieg zu nehmen oder den flacheren Umweg? Eine sehr anspruchsvolle Herausforderung.

Sie haben sehr früh auch beruflich Karriere gemacht, gehörte das Laufen da weiterhin zu Ihrem Lifestyle dazu?
Giovanni Liverani: Zu Beginn meines Berufslebens habe ich die Prioritäten anders gesetzt, der Beruf hatte eindeutig Vorrang, es schien mir die Zeit für den Sport zu fehlen. Es gab dann eine Lebensphase, in der ich so gut wie keinen Sport getrieben und dreißig Kilo zugenommen habe. Zum Glück hat sich dann mit Mitte Dreißig wieder das Bedürfnis gemeldet, etwas für meinen Körper bzw. für mich tun zu wollen. Doch der Wiedereinstieg war nicht leicht.

Gab es da einen konkreten Moment, in dem Sie gesagt haben ‚Jetzt muss ich wieder etwas tun!‘?
Giovanni Liverani: Ich hatte mich spontan zur Teilnahme an einem Lauf in Triest angemeldet, zur Teilnahmezulassung gehörte auch eine Gesundheitsbescheinigung, also suchte ich eine Ärztin auf, in dem Glauben, dass es ein Kinderspiel sei, das Attest zu erhalten. Diese war offen und ehrlich zu mir und sagte: Herr Liverani, es gibt bei Ihnen ein paar gesundheitliche Risikofaktoren: 1. Sie sind mit Mitte dreißig nicht mehr jung, doch daran können Sie nichts ändern, dieses Risiko wird sich Jahr für Jahr erhöhen. 2. Sie sind zu dick. Das wiederum ist steuerbar. 3. Sie sind beruflich erfolgreich und haben eine junge Familie, da benötigen Sie ein Ziel und einen Plan, dass Sie die Prioritäten auch wieder ein Stück weit mehr auf Ihre Gesundheit legen. Das war eindeutig und da habe ich begonnen, wieder regelmäßig zu laufen.

Und wie haben Sie wieder begonnen?
Giovanni Liverani: Ganz ohne Stress. Mit Zielen, aber erreichbaren Zielen. Und ich habe langsam begonnen, sowohl was das Tempo betraf, wie auch die Häufigkeit. Erst nur zweimal pro Woche, dann dreimal und so weiter. Am wichtigsten war mir die Regelmäßigkeit. Und die Motivation war klar: ich mache das, um meine Lebensqualität zu verbessern und aus Verantwortung für meine Familie, die den Anspruch auf einen gesunden Vater hat.

Jetzt sind Sie 52 Jahre alt, sehen topfit aus, geht es Ihnen weiterhin beim Laufen mehr um den Gesundheitsaspekt, oder auch darum, mal eine Auszeit für sich zu haben?
Giovanni Liverani: Es geht um Beides. Aber besonders wichtig ist es mir tatsächlich, dass ich beim Laufen klare Gedanken fassen kann. Ich bin beim Laufen sehr kreativ und bekomme unterwegs viele gute Ideen, treffe auch Entscheidungen, deshalb bevorzuge ich es auch, alleine zu laufen.

Gab es auch schon wirklich wichtige Entscheidungen, die Sie tatsächlich beim Laufen gefällt haben?
Giovanni Liverani: Als Vorstandsvorsitzender einer international agierenden Versicherung muss man natürlich viele Entscheidungen fällen, darunter sind oft auch schwierige und manche sind auch beim Laufen gefallen.

Und wie oft kommen Sie zur Zeit zum Laufen?
Giovanni Liverani: Seltener als ich es mir wünsche, aber öfter als es unter reinen gesundheitlichen Gesichtspunkten nötig wäre.

Nehmen Sie auch noch an Laufwettkämpfen teil?
Giovanni Liverani: Ab und zu, aber nicht sehr oft. Zuletzt mit einer Staffel von Mitarbeitern beim München-Marathon. Wunsch wäre es, irgendwann auch mal wieder einen Halbmarathon zu laufen – wenn es die Zeit für die Vorbereitung zulässt.

Mit dem neuen Bonusprogramm der Generali Vitality belohnt Ihre Versicherung sportliche Aktivität mit einem Beitragsnachlass, müssen Sie deshalb auch mit gutem Vorbild voranlaufen?
Giovanni Liverani: Ich laufe, weil ich meine Lebensqualität hier und jetzt verbessern will, woran natürlich auch eine Versicherung wie die unsrige ein Interesse hat. Ich laufe aber nicht, um Vorläufer einer Versicherung zu sein, sondern weil ich weiß, dass es mir gut tut. Und natürlich tut es anderen ebenfalls gut. Der Bonus ist der Anreiz, ein bisschen gesünder zu leben, durch, zum Beispiel, das Laufen…

Und Sie erfassen die sportliche Aktivität durch die Activity-Tracker, die die meisten Läufer inzwischen sowieso nutzen?
Giovanni Liverani: Ja, heute gibt es technische Möglichkeiten, die es vor drei bis fünf Jahren noch nicht gab und speziell unter den Läufern gibt es auch positive Erfahrungen mit der Erfassung ihrer Laufdaten, die Vorbehalte überflüssig machen.

Seit diesem Jahr engagieren Sie sich als Hauptsponsor beim München-Marathon. Auch weil in der Stadt der Deutschland-Hauptsitz Ihrer Versicherung ist?
Giovanni Liverani: Nein, der Hauptsitz hat damit weniger zu tun, als dass dies grundsätzlich der erste Schritt einer Kommunikationsstrategie bzw. -offensive und Sponsoringinitiative ist. München ist der Start, ein Test auch, und wenn das Engagement erfolgreich ist, dann wollen wir es auch auf andere Veranstaltungen in anderen Städten erweitern.

Wie sah das konkret aus?
Giovanni Liverani: Wir wollten nicht nur unsere Fahnen rund um den Marathon hissen, sondern haben gemeinsam mit dem Veranstalter vor dem Event auch Sportprogramme und -ideen umgesetzt, die echte Gesundheitsvorsorge bewirken sollen. Dazu gehörte zum Beispiel die Aktion „Lauf mit“, die Menschen auf ihren ersten 10-km-Lauf oder ersten Marathon vorbereiten half.

Und vermutlich waren auch viele Mitarbeiter Ihres Unternehmens in München am Start?
Giovanni Liverani: Ja, der Aufruf zur Teilnahme war ein voller Erfolg! Hunderte Mitarbeiter nahmen auf den verschiedenen Distanzen am Event teil. Und wir hatten auch eine Vorstandsstaffel am Start. Und… nicht ich hatte die Idee dazu, sondern man hat sie an mich herangetragen.

Ein Lauf mit ...:

Ein Lauf mit Jamie-Lee Kriewitz