Laufen als Glückskeks

Ein Lauf mit Dr. Eckart von Hirschhausen

Mediziner und Bühnenkünstler Dr. med. Eckart von Hirschhausen hält Laufen für die beste Droge. Das Interview.

Dr. med. Eckart von Hirschhausen vor der Kathedrale von Palma

Mit Dr. med. Eckart von Hirschhausen: "Es gibt kaum eine bessere „Droge“ als das Laufen."

Bild: Ralf Graner

Mit Dr. med. Eckart von Hirschhausen sprach Runner's-World-Redakteur Urs Weber.

Trainingstagebuch
Strecke: Palma, Promenade
Wetter: sonnig, 19 Grad
Distanz: 10 Kilometer
Zeit: 66 Minuten
Tempo: 6:36 min/km

Sie schreiben über Glück, Sie sind Mediziner, Sie sind Bühnenkünstler – Sie sollten also alle Zugänge zum Glück kennen: Warum laufen Sie dann?

Es gibt kaum eine bessere „Droge“ als das Laufen. Es braucht keine Vorbereitung: Ich muss nicht irgendwo ganz speziell sein um das zu tun. Ich schwimme zum Beispiel auch gerne – aber da braucht man halt immer ein Schwimmbecken dazu, oder einen See in der Nähe! Laufen geht immer, ich kann morgens zum Bäcker laufen, ich kann die Treppen hoch laufen, ich kann aber auch um den Schlachtensee laufen. Und dann, der eigentliche Grund fürs Laufen: Ich bin noch nie nach dem Laufen nach Hause gekommen und habe mich schlechter gefühlt als vorher.

Also das Phänomen ist ja: Wir sind eklatant schlecht darin, unsere eigenen Gefühle vorherzusagen. Und ein großes Missverständnis bei dem Wort „Glück“ ist, dass man sich die Zeitachse, in der man glücklich sein will, schlecht vorstellt. Ein banales Beispiel: Wenn ich auf der Couch sitze und denke: ich hätte jetzt die Möglichkeit eine Stunde Sport zu machen, ich könnte aber auch eine Stunde Fernsehen gucken und mir dabei eine 500ml-Packung Häagen Dasz-Eis reinpfeifen – dann ist mein Glückszentrum sehr unmittelbar an dem Eis und an dem Fernsehen gucken interessiert. Was daran liegt, dass wir uns das sofort vorstellen können.

Ich bin dann im Moment glücklich, aber das momentane Glück hat einen hohen Preis, nämlich, dass ich danach unglücklicher bin. Weil ich darauf nicht stolz bin, auf das, was ich hingekriegt habe. Niemand ist stolz, wenn er sich eine ganze Schokoladentorte reingepfiffen hat. Und beim Laufen ist es genau umgekehrt: Laufen braucht erst einmal einen Anlauf, im wahrsten Sinne des Wortes, ich muss mich aufraffen. Und nachher bin ich stolz, dass ich das geschafft habe. Das heißt, das Glück kommt hinterher! Und deswegen erfordert Laufen die mentale Disziplin, sich zeitlich in die Zukunft zu projizieren, und sich zu sagen: in einer Stunde wird es mir besser gehen als jetzt, auch wenn der Weg dahin beschwerlich ist.

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