Profifußballer in Hamburg

Ein Lauf mit Dennis Diekmeier

Dennis Diekmeier, seit sieben Jahren rechter Verteidiger des HSV, liebt das Laufen seit seiner Jugend.

Dennis Diekmeier

Dennis Diekmeier gilt als einer der schnellsten Spieler der Liga.

Bild: Marcus Vogel

Trainingstagebuch
Strecke: Niendorfer Gehege
Ort: Hamburg
Wetter: Nieselregen, 1 Grad
Distanz: 4,8 Kilometer
Zeit: 30 Minuten
Tempo: 6:15 Min./km

Wir sind hier im Niendorfer Gehege, das ist ja gewissermaßen bei dir vor der Haustür.
Stimmt. Ich kann von zu Hause loslaufen, mache eine schöne Runde, 30, 40 oder 50 Minuten, je nachdem, wie viel Zeit ich habe.

Wie regelmäßig machst du das?
In der Saison nicht so oft, weil jeden Tag Training ist. Aber gerade im Sommer laufe ich gern abends noch eine Runde zum Runterkommen, ganz locker und entspannt – so wie wir jetzt (Tempo 6:15 Min./km). In der Vorbereitungszeit oder in der Winterpause laufe ich fast jeden Tag. Bevor wir in den Urlaub gehen, kriegen wir einen Laufplan mit, der vom Fitnesstrainer auf der Basis des Laktatwerts individuell erstellt wird.

Wie sind deine Werte im Vergleich zum Rest der Mannschaft?
Ich bin eigentlich immer oben mit dabei. Dadurch, dass ich schon immer, also seit meiner Jugend gern laufe, habe ich eigentlich immer einen guten Ausdauerwert.

Was für Tempovorgaben macht der Plan?
Wir laufen nach dem Puls. Der Plan umfasst regenerative, extensive und intensive Läufe. Da muss man dann 45 Minuten mit dem Puls x laufen oder bei den Intervallen drei oder vier Minuten den Puls und dann drei oder vier Minuten den. Und daran halte ich mich. Da schwankt natürlich das Tempo. Aber eigentlich laufe ich immer gern schnell. Ich bin ja auch schnell auf dem Platz, deswegen liebe ich es schnell zu laufen.

Du bist ja auch ein ausgeprägter Vorfußläufer.
Stimmt. Viele lachen darüber, weil ich auch beim Fußball den Sprint nur auf dem Ballen mache. Aber das ist eben mein Laufstil, und ich mag ihn. Allerdings muss ich zugeben, dass dadurch öfter mal meine Waden fest werden.

Wie kommt es, dass du so schnell bist? Ist das Training oder Veranlagung?
Ich war schon immer der Schnellste, in der Schule, im Fußballverein, und bin immer drangeblieben. In der Jugend bin ich früh vom TSV Verden zu Werder Bremen gewechselt. 14 war ich da, glaube ich. Bremen hatte damals eine wirklich gute Jugendarbeit. Die hatten einen eigenen Sprinttrainer, mit dem habe ich gern zusammengearbeit und habe mir sehr zu Herzen genommen, was er gesagt hat. Ich war schon schnell, aber man muss auch an seinen Stärken weiter arbeiten und sich noch einen Tick verbessern. Im Profifußball ist Sprinttraining aber fester Bestandteil des Trainings.

Hast du schon mal an Wettkämpfen teilgenommen?
Früher in der Jugend, ja, Schulwettkämpfe und so. 800-Meter-Läufe habe ich geliebt …

Und, hast du gewonnen?
Klar! An meine Zeiten kann ich mich aber nicht mehr erinnern. Auch 100 Meter und so. Ich habe schon überlegt, wie ich das rauskriegen könnte, weil es mich echt interessiert, wie fit ich damals war, so mit 15 oder 16.

So wichtig scheint es dir dann aber doch nicht zu sein.
Nein, Fußball ist ganz klar die Eins. Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Das ist das Beste, was es gibt. Laufen, Tennis, Badminton mache ich gern zum Ausgleich. Andere spielen Playstation. Das kann ich gar nicht. Ich bin einer, der immer Energie hat, immer Lust, etwas zu unternehmen. Das Laufen ist für mich Entspannung, etwas, das ich wirklich gerne mache.

Läufst du allein?
Meistens ja. Da hast du Ruhe, machst die Stöpsel in die Ohren.

Was für Musik hörst du?
Ganz ehrlich? Es glaub mir immer keiner, aber ich höre Schlager. Ich bin Wolfgang-Petry-Fan.

Läufst du immer mit Musik?
Nein, wie ich Lust habe. Wenn man ohne Musik läuft, denkt man natürlich mehr nach, auch über Fußball: Was können wir verbessern, woran liegt’s? Wenn du mit Musik läufst, konzentrierst du dich mehr auf die Musik. Manchmal finde ich es aber auch schön, einfach mal die Ruhe zu genießen. Zu Hause mit drei Kindern ist natürlich immer was los.

Dann bist du froh, dem Trubel zu entkommen.
Nein, gar nicht. Ich bin Familienmensch. Ich liebe den Trubel. Ich liebe es, wenn zu Hause was los ist. Aber es kommt oft vor, dass ich mich am Ende des Tages so fühle, dass ich denke: Ach komm, ich geh noch eine Runde laufen. Das mache ich wirklich regelmäßig.

Bist du ein Technikfreak?
Gar nicht. Ich sitze nicht vorm PC oder vor der Playstation. Wenn ich zu Hause bin, liebe ich es, mit den Kindern was zu machen, mit denen zu spielen oder rauszugehen, auf den Spielplatz, in den Tierpark oder in den Heidepark. Ich finde es einfach schöner, was zu unternehmen, als zu Hause vor der Glotze zu sitzen.

Seit wann bist du in Hamburg? Du bist der dienstälteste Spieler beim HSV, stimmt’s?
Genau. Vorher war ich anderthalb Jahre in Nürnberg, und dann kam ich zum HSV. Das ist jetzt meine siebte Saison hier, also habe ich schon ein bisschen was mitgemacht. Aber Hamburg ist natürlich super, ich fühle mich wohl hier. Natürlich ist es im Moment sehr schwer, weil der Verein einfach nicht dorthin gehört, wo wir im Moment stehen. Und wir wollen natürlich mit aller Macht probieren dass wir da unten rauskommen. Aber die letzten zwei, drei Spiele machen ja Mut, und da müssen wir dranbleiben und weiter Gas geben.

Hast du immer schon rechter Verteidiger gespielt?
Damals in Bremen war ich Stürmer, ganz rechts vorn. Aber dann hat mich der Trainer, Mirko Votava, umgeschult und mich zum rechten Verteidiger gemacht. Am Anfang habe ich gedacht: Was ist denn jetzt los? Ich weiß gar nicht, was ich da machen muss. Aber er hat immer zu mir gesagt: Glaub mir, glaub mir, bei deinem Tempo ist das die richtige Position für dich. Am Anfang war es wirklich schwer für mich, mich damit zurechtzufinden. Aber irgendwann habe ich es angenommen, und ein halbes Jahr später war ich Jugendnationalspieler, und es ging alles ruck, zuck. Anderthalb Jahre später war ich Profi, so gesehen war das damals ein Glücksfall für mich.

Denkst du, dass du noch lange beim HSV bleiben wirst?
Das lässt sich ganz schwer sagen. Im Profifußball geht alles so schnell heute. Aber Spieler wie mich, die so lange im Verein sind, gibt es nicht mehr viele. Das stirbt leider aus. Aber ich finde es toll, wenn es solche Typen gibt wie bei Schalke einen Höwedes, der schon lange da ist, oder bei Bayern einen Müller. Und in Hamburg bin ich das, der lange da ist. Das finde ich toll, und das ist cool, nur ist es leider so, dass es im modernen Fußball viele Wechsel gibt, so dass Spieler nur zwei oder drei Jahre im Verein sind, und dann sind sie wieder woanders.

Glaubst du, dass du in 20 Jahren noch laufen wirst?
Ja. Ich bin ehrgeizig, ich achte auf mein Gewicht. Wenn ich merke, mein Gewicht stimmt heute nicht, dann mache ich noch eine kleine Abendrunde. Ich liebe es nämlich zu essen. Essen ist für mich Lebensqualität. Und später, wenn ich im Hochleistungsfußball nicht mehr drin bin und nicht mehr jeden Tag Training habe, dann muss ich schon ein bisschen darauf achten, dass ich keine Wampe kriege.

Ein Lauf mit ...:

Ein Lauf mit Susanne Fröhlich