Der Bundesgesundheitsminister

Ein Lauf mit Daniel Bahr

Unser Gesundheitsminister Daniel Bahr trägt auf seinen vielen Reisen die Laufschuhe immer mit sich.

Daniel Bahr

Als Gesundheitsminister hält sich Daniel Bahr mit Laufen fit.

Bild: Raimond Spekking / Wikimedia Commons

Trainingstagebuch:
Strecke: Münster, Aasee
Wetter: 25 Grad, sonnig
Distanz: 5 Kilometer
Zeit: 33:20 min
Tempo: 6:40 min/km

RUNNER'S-WORLD: Sie sind der jüngste Minister in der Bundesregierung – auch der fitteste?
Es gibt einige am Kabinettstisch, die sich sportlich betätigen. Philipp Rösler ist fit, Guido Westerwelle ist fit, und der Innenminister Hans-Peter Friedrich läuft auch Marathon. Ich glaube, dass heute Fitness bei Politikern eine viel größere Bedeutung hat als früher.

Aber eine Marathon-Bestzeit von 3:49 Stunden wie Sie hat keiner von Ihren Kollegen.
Dafür habe ich auch ganz schön viel trainieren müssen. Das war im Sommer 2008, wo ich die Gelegenheit hatte, mich auf den Münster-Marathon zu konzentrieren. Ich bin aber ehrgeizig – vielleicht schaffe ich es noch mal besser. Eine Zeit von unter 3:30 wäre mein Traum.

Noch in Ihrer Zeit als Minister oder danach?
Als Minister ist das wohl kaum machbar. Erstens hat man zu wenig Zeit, zweitens gerät der Tagesablauf zu oft durcheinander.

Wie war Ihr erstes Marathon-Erlebnis 2007?
Ich war sehr nervös, weil mich am Anfang ganz viele überholt haben. Ich dachte, du läufst doch dein Tempo, warum sind die alle so schnell? Dann aber war es ein schönes Gefühl, viele von denen später wieder einzuholen. Ich bin ganz gleichmäßig zu einer 4:16 durchgelaufen und hätte am Ende sogar noch Reserven gehabt.

Sie wollten in diesem Jahr auch beim Berlin-Marathon starten ...
Ich hatte sogar schon angefangen, darauf zu trainieren. Aber dann wurde mein Kalender immer voller – Sondersitzungen und Diskussionen um mein Versorgungsgesetz, die anstehende Pflegereform, der Euro. Da merkte ich schnell, die Zeit reicht nicht.

Ihre zweite Leidenschaft neben dem Laufen ist das Kochen. Was würden Sie einem Gourmet-Läufer als Carbo-Loading vor dem Wettkampf empfehlen?
Ich nehme immer Vollkornnudeln, die müssen aber wirklich al dente sein, und dazu eine schöne Ratatouille-Sauce mit frischen Zutaten und Gewürzen.

Was können Sie als Gesundheitsminister tun, um für einen gesunden Lebensstil zu werben?
Wir müssen mehr Anreize geben, dass es sich für die Menschen lohnt, auf ihre Gesundheit zu achten. Verbreitet ist die Einstellung: Ich habe ja meine Krankenkasse. Derzeit sehen wir eine enorme Zunahme bei den Volkskrankheiten Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen und vor allem von psychischen Erkrankungen, wie Depressionen ...

… alles Beispiele für Beschwerden, gegen die Laufen helfen kann.
Genau. Wir müssen aber vermitteln, dass Laufen Freude und Spaß macht. Mein Eindruck ist, dass die Präventionsmaßnahmen der Krankenkassen derzeit sehr auf Marketing ausgerichtet sind und diejenigen nicht erreichen, die wir erreichen müssen: die bildungsfernen Schichten. Deshalb entwickeln wir für das nächste Jahr eine neue Präventionsstrategie mit einem Schwerpunkt auf der betrieblichen Gesundheitsförderung. Dann können wir die Leute direkt am Arbeitsplatz abholen.

Ist es nicht so, dass wir über gesunde Lebensweise so gut aufgeklärt sind wie noch nie – dieses Wissen aber nicht ausreichend umsetzen?
Das sehe ich nicht so. Ich stelle fest, dass das Rauchen und das Alkoholtrinken stark zurückgeht. Die Bierhersteller klagen über Umsatzrückgänge, und das Rauchen ist überall verpönt. Ich habe es auch aufgegeben – schon 2003, als ich in den Bundetag kam und merkte, dass mir die Zigaretten die Kondition nehmen. Der Aufklärungsprozess über gesundes Leben schreitet voran, ist aber noch nicht da, wo ich ihn gerne hätte.

Ulla Schmidt hat mal gesagt, als Gesundheitsminister habe man immer die Sahnetorte im Gesicht. Sehen Sie das auch so?
Bundespräsident Wulff sagte mir bei der Übergabe der Urkunden: "Sie wissen ja, worauf Sie sich einlassen, und dürfen sich nachher nicht beschweren." Man kann es eben nicht allen Recht machen – aber das gibt einem auch die Freiheit, das zu tun, wovon man überzeugt ist. Ich musste mich aber beim täglichen Blick in die Presse daran gewöhnen, dass immer einen gibt, der einen kritisiert.

Sie pendeln zwischen Ihrem Wohnsitz Münster und Ihren Arbeitsorten Berlin und Bonn. Reisen die Laufschuhe immer mit?
Ja, das ist ja das Schöne am Laufen, dass man so wenig dafür braucht. Hier in Münster ist die Runde um den Aasee meine Lieblingsstrecke, in Bonn am Rhein zu laufen ist traumhaft, und in Berlin gibt es zentrumsnah schöne Strecken im Tiergarten und entlang der Spree oder dem Landwehrkanal.

Das Interview führte Frank Hofmann.

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