Herausgeber der Huffington Post

Ein Lauf mit Cherno Jobatey

Für Cherno Jabatey, den Herausgeber der Huffington Post, ist das Laufen Meditation und eine "kommunikative Betätigung".

Trainingstagebuch

Strecke: Tiergarten
Ort: Berlin
Wetter: Bedeckt
Distanz: 10 Kilometer
Zeit: 62 Minuten
Tempo: 6:10 Min./km

Sie haben viel über Fitness geschrieben, wie oft laufen Sie heute?

Ich laufe drei Mal in der Woche etwa 10 Kilometer, meistens hier in Berlin um den Schlachtensee und die Krumme Lanke. Wenn man die Distanz dazwischen mitzählt, kommt man auf 9,8 km. In Berlin nennt man das den Two Oceans Run. Den laufe ich drei Mal die Woche mit einer Laufgemeinschaft. Eigentlich treffen wir uns, damit wir beim Laufen quatschen können.

Wann haben Sie mit dem Laufen begonnen?

Das war schon sehr früh, so in den späten 80er Jahren. Ich war als Austauschstudent in Los Angeles, und mir fiel auf: Die Leute, die Du treffen willst, die gehen nicht einen trinken, sondern die triffst Du beim Laufen! Die sagten dann auch: Komm, lass uns gemeinsam laufen gehen! Das heisst, wenn Du Leute treffen wolltest, dann musstest Du laufen gehen!

Also war das bei Ihnen gar nicht unbedingt der sportliche Anreiz?

Ich hatte immer mal ein bisschen Sport gemacht. Und Laufen war für mich nicht unbedingt Sport, sondern eher eine kommunikative Betätigung - so kam ich jedenfalls dazu. Ich glaube: Wenn Du unter 20 Jahre alt bist, läufst Du um fit zu sein. Wenn Du über 20 bist, läufst Du um sportlich zu sein. Wenn Du über 30 bist, läufst Du um dünn zu sein. Wenn du 40 bist, ist das nur noch Anti-Aging.

Welche Rolle spielt die Fitness dabei für Sie?

Naja, ich habe mich eigentlich nie zu dick gefühlt. Aber mir ist es ja mal passiert, dass ich einen Bus kriegen wollte, renne also dem Bus hinterher, steige ein. Und der Busfahrer guckt mich an und fragt: „Soll ich einen Notarzt holen?“ Und ich frage ihn: „Wieso einen Notarzt?“ Da sagt er: „Ich will nicht, dass Sie in meinem Bus sterben!“ Ich muss fürchterlich ausgesehen haben! Und da dachte ich, vielleicht musst Du doch was ändern. Aber ich würde nicht sagen, dass ich aus Fitnessgründen laufe. Es ist so eine Mischung, auch ein bisschen Meditation. Ich laufe jedenfalls nicht um die Wette.

Können Sie beim Laufen abschalten?

Ja, auf jeden Fall. Ich laufe auch nicht mit Musik. Ich muss immer hören, was um mich herum passiert, die Natur, die Vögel. Und ich habe oft auch etwas zu schreiben dabei, oder ein Aufnahmegerät, um eine Idee zu notieren. Manchmal telefoniere ich auch beim Laufen.

Wettkampfambitionen haben Sie also nicht?

Ich wollte ja mal den New York Marathon laufen – traue mich aber nicht so richtig. Als ich den Herausgeber-Job bei der Huffington Post antrat, wurde ich nämlich gleich von der US-Mutter gefragt, ob ich nicht eines der 30 Firmentickets haben wolle. Aber - ganz ehrlich - die lange Strecke, der Beton und der Asphalt, all das flößen mir doch reichlich Respekt ein.

Die 30 Startplätze nutzen die auch?

Auf jeden Fall. Die Huffington Post hat ja allein 800 Journalisten, und sie gehört zum AOL-Konzern. Aber trotzdem: Wenn ich wollte, wüsste ich, wen ich anrufen müsste, damit es klappt.

Stichwort Laufschuhe: Wonach wählen Sie diese aus?

Ja, ich habe erst überlegt, ob ich für den Fototermin besonders schöne auswählen sollte, aber ich habe die Schuhe genommen, in denen ich tatsächlich laufe. Da gehe ich nach der Funktion.

Turnschuhe sind so etwas wie Ihr Markenzeichen. Wo rührt das her?

Naja, die ehrliche Version ist ganz einfach. Ich glaube, ich war 11 Jahre alt, da hatte ich schon Schuhgröße 46 und die größten Füße der ganzen Schule, Lehrer inbegriffen – also bitte keine Sprüche über meine Schuhgröße, ich kenne sie alle. Jedenfalls: Schuhe in Sondergrößen waren damals natürlich teuer. Der Turnschuhmarkt war der einzig globalisierte Schuhmarkt, wo es also größere Größen gab, ohne dafür einen horrenden Aufpreis zahlen zu müssen. Und Leute, die große Füße haben, die sprechen sich immer an und geben sich Tipps, wo sie denn Schuhe bekommen können. So kam ich auf den Trick mit Turnschuhen. Und dann, als ich in Kalifornien war, galt damals schon das Motto: Hart arbeiten, hart feiern – aber alles in Turnschuhen. Wobei ich heute weiß: Ursprünglich ist der Trend viel älter. Turnschuhe waren in Amerika schon viel früher einmal Ausdruck einer gewissen Haltung und eines gewissen Stils, das geht zurück ins New York der 40er und 50er Jahre, aber das ist eine andere Geschichte – die ich irgendwann noch mal zu Ende erzählen werde.

Tragen Sie auch Laufschuhe zum Anzug?

Es gibt bei Turnschuhen ja Moden. Anfangs waren es die dicken Basketballtreter. Und jetzt bin ich gerade in Kalifornien bekehrt worden – zu Chucks. Die sind momentan schwer angesagt. Und die trage ich viel, auch zu Auftritten. Wobei ich mittlerweile fast nur auf die schwarzen zurückgreife – gemäß des alten Gentleman-Rule: No brown shoes after six. Und das beherzige ich jetzt auch bei Turnschuhen und trage bei Auftritten schwarze Chucks.