Interview

Ein Lauf mit Bernhard Simon

Für Bernhard Simon, den Chef des Logistik-Dienstleisters Dachser, ist das Laufen ein Mittel, um Kraft zu tanken und zur Ruhe zu kommen.

Ein Lauf mit Bernhard Simon Foto 1

Allgäuer Gipfelstürmer: Während des Interviews überwand Simon mehr als 800 Höhenmeter.

Bild: Karl-Heinz Augustin

Trainingstagebuch
Strecke: Von Rohrmoos zum Piesenkopf und zurück
Ort: Oberstdorf, Allgäu
Wetter: sonnig, 26 Grad
Distanz: 16,3 Kilometer, 808 Höhenmeter
Zeit: 2:33 Stunden
Tempo: 9:25 min./km

Ihr Unternehmen ­betreibt weltweit über 400 Nieder­lassungen. Sind Sie schon alle abgelaufen?

Bernhard Simon: Noch nicht. Doch von Aus­tralien abgesehen, bin ich ­zumindest schon auf allen ­besiedelten Kontinenten gelaufen. Ich nehme die Laufschuhe zu allen Dienstreisen mit. Von der Logistik kommend, betrachte ich meinen Koffer als Container, der ­immer gepackt ist. Und dazu ­gehört – dem Reiseziel und der Jahreszeit entsprechend – die nötige Laufausrüstung.

Was reizt Sie dabei, an jedem Ort der Welt zu laufen?

Bernhard Simon Es ist für mich wichtig, dass ich, wo immer ich bin, die Umgebung kenne und weiß, wie die Menschen dort leben und agieren. Das kann ich am besten, indem ich die Regionen, in denen wir Geschäfte machen, beim Laufen erkunde. Und das am liebsten am frühen Morgen, bevor ich in die Besprechung gehe. Dazu gehört immer ein Navigationsgerät und oft eine Stirnlampe.

Haben Sie sich schon mal ­verirrt und eine Besprechung verpasst?

Bernhard Simon: Beinahe – bei einem Lauf auf der Bühlerhöhe im Schwarzwald. Ich bin frühmorgens losgelaufen und bei einer Weg­gabelung falsch abgebogen. Dadurch bin ich in einem ­anderen Tal gelandet und war 17 Kilometer vom Tagungs­hotel entfernt. Ich war sehr froh, in einem Bergdorf einen Bau­arbeiter zu finden, der so freundlich war, mich auf seinem Kipper zum Hotel zu ­fahren – sodass ich pünktlich zurück war.

Sie laufen nahezu täglich – mit welcher Motivation?

Bernhard Simon: Das fast tägliche Laufen ist für mich eine der wichtigsten Energiequellen. Ich lebe nach der Maxime, dass ich für das Unternehmen da bin. Aber ­eine Stunde am Tag muss dafür reserviert sein, mich zu ­regenerieren und meinen Körper und meinen Geist in ein Gleichgewicht zu bringen. Ich bekomme beim Laufen neue Gedanken und kann meiner Kreativität freien Lauf lassen. Faszinierend finde ich auch, dass man beim Laufen stets netten Menschen begegnet, die einen neugierig machen.

Nennen Sie uns ein Beispiel?

Bernhard Simon: Ich stehe spätabends auf ­einem Gipfel. Vom Lichtkegel meiner Stirnlampe abgesehen, herrscht Dunkelheit. Ich genieße in vollkommener ­Ruhe den überwältigenden Sternenhimmel. Plötzlich taucht aus dem Nichts ein ande­rer Läufer auf. Das verbindet. Dann spielen Herkunft, Beruf, In­ter­essen und weitere Dinge keine Rolle. Dann fühlt man sich über alle Grenzen hinweg verbunden.

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