Kabarettist und Schriftsteller

Ein Lauf mit Bernd Stelter

Sein Erfolgsrezept: "Bloß keine Diät. Denn die fängt mit ‚D‘ wie Depression an und hört mit ‚T‘ wie Tod auf!“

Trainingstagebuch:
Strecke: München, Hofgarten und Englischer Garten
Wetter: bewölkt, 8 Grad
Distanz: 7,4 Kilometer
Zeit: 61 Minuten
Tempo: 8:15 min/km

RUNNER'S-WORLD: Wie lange wollen wir heute laufen?
Bernd Stelter: Meine Standardrunde ist die Distanz der Alsterrunde in Hamburg: gut sieben Kilometer. Angefangen habe ich mal mit einer Minute Laufen und zwei Minuten Gehen. In Berlin wohne ich immer im „Hotel Seehof“ am Lietzensee. Der ist ganz klein und für Jogger wie mich ein Hit. Ich war gerade so weit, dass ich zwei Minuten lief und eine Minute ging. Da traf ich Kim ­Fischer, die mit ihrem Hund spazieren ging, und die rief: „Mensch, Bernd, was machst du denn hier?“ – „Ich hab angefangen zu laufen.“ – „Wie lange läufst du denn so?“ – „Ich laufe zwei Minu­ten und gehe eine Minute.“ – „Och, komm, Bernd, du schaffst auch drei Minuten!“ An dem Tag war mein Ehrgeiz geweckt, und ich habe begonnen, mein Pensum auszuarbeiten,
bis ich bei 45 Minuten am Stück war.

Und so haben Sie über 30 Kilogramm abgenommen?
Nein, am Anfang nicht. Durch den gesteigerten Appetit nach dem Sport habe ich sogar erst mal zugenommen. Plötzlich wog ich 130 Kilo und wusste, dass ich noch mehr ändern muss. Abnehmen gelingt nur, wenn man auch die Ernährung umstellt. Ich achte heute vor allem darauf, dass ich am Abend keine Sättigungsbeilage esse. Mein Erfolgsrezept: Bloß keine Diät. Denn die fängt mit „D“ wie Depres­sion an und hört mit „T“ wie Tod auf!

Dann ist das Laufen für Sie also nur Mittel zum Zweck?
Nein, ich finde es schön. Meine Lieblingslaufstrecke liegt in Holland. Da geht es herrlich durch die Dünen rauf und runter. Da mache ich sogar eine Art Fahrtspiel. Ich laufe dort gut eine Stunde lang, und das zweimal pro ­Woche. Wenn mir danach der Geruch von einer „Frikandel speciaal“ in die Nase steigt, dann sündige ich auch schon mal. Sünde heißt: einmal essen. Aber wenn man das am nächsten und übernächsten Tag wieder macht, dann heißt das: doofe Angewohnheit. Und doofe Angewohnheiten kann man sich auf die Hüften tackern.

Sie sind ein wunderbarer Genussmensch. Rauchen Sie etwa auch?
Bis vor Kurzem habe ich geraucht. Um genau zu sein: bis zu meinem
50. Geburtstag am 19. April. Da habe ich hoffentlich zum letzten Mal auf­gehört. Im Vorfeld hatte ich es schon zweimal geschafft, aber wegen Stress in langen Produktionsstaffeln habe ich dann wieder angefangen. Aber jetzt ist endgültig Schluss. Ich bin ein Mensch, der Meilensteine braucht: Bei 130 Kilo habe ich mit dem Ab­nehmen begonnen. Mit 50 Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört.

Trotz Genuss: Sie kontrollieren Ihr Training mit einer Pulsuhr.
Ja, immer. Am Anfang habe ich das gar nicht gemacht, aber dann habe ich damit angefangen und kontrolliere jetzt den Puls sehr exakt. Mein Arzt hat mir wegen meines Blutdrucks dazu geraten, keine Intervalle zu trainieren. Ich achte also darauf, dass mein Puls nicht viel höher als 140 Schläge pro Minute ist. Ich mache ­sogar regel­mäßig einen Fitnesstest mit der Uhr. Als ich sie gekauft habe, war ich bei „Na ja“, und nun bin ich schon bei der Stufe „Geht so“.

Das Interview führte Sonja von Opel.

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