Marvin Running

Dinner für Gewinner

Als kein leichter Gast erweist Marvin sich dank ungewöhnlicher Abendbrot-Strategien: Ein Testparcours der Sozialkompetenz.

Knäckebrot und Tomate

So vielfältig, wie ein Abendessen sein kann, so bizarr ist Herrchens Verhalten - Knäckebrot statt Tiramisu.

Bild: U. Herbert / pixelio.de

Es nervt. Bei uns gibt es zum Abendbrot eigentlich immer nur eines: Die Extrawurst.

Beim Geschäftsessen zum Beispiel. Vier Gänge, Rotwein satt, hinterher noch Käse und Grappa und das alles auf Spesen: Echt klasse. Doch Herrchen will auch hier strategischen Fokus beweisen: Er konzentriert sich auf Eiweiß und Gemüse. Den Rest überholt er links.

Und neulich, am Freitagabend am Frankfurter Flughafen: Seine goldene Karte verschafft ihm Eintritt zur Senatorlounge. Alle Sessel sind von Wichtigsei-Weicheiern, zerfledderten Zeitungen oder Tellerchen mit Kartoffelsalatresten besetzt. Eine genervte Osteuropäerin karrt uns mit einem Servierwagen an. Was tut er? Schnappt sich zwei Äpfel, verlässt die Lounge, setzt sich beim Gate neben dieses sympathische Touristenpärchen und fängt ein Gespräch über Buddhismus an.

Auch das Knabbern vorm Fernseher ist längst nicht mehr so gemütlich, seit die gesunden Kartoffelchips Möhren- und Apfelschnitzen weichen mussten.

Ach ja, und dann das Abendbrot im Kreis der Familie. Diese krampfhaften Versuche, zwischen umgeworfenen Gläsern, Ermahnungen zum Stillsitzen, handgemanschter Butter und Das-Mag-Ich-Nicht-Genörgel das gemeinsame Essen als Grundwert zu erhalten. Dazu auch noch auf die Physiologische kommen („Mausi, da ist aber ganz schön viel Zucker in deinem Fruchtzwerg“) hat sich nicht als Gewinnerstrategie herausgestellt.

Zum Abendessen bei Freunden hat er keinerlei Skrupel, eigene Rohkost in der Tupperdose mitzubringen. Oder ein Knäckebrot zu verlangen, wenn die Gastgeberin Tiramisu serviert. Das ist ein echter Testparcours der Sozialkompetenz.

Und ganz schlimm ist es am Buffet. Da sei ja die Gefahr groß, sich zu überfressen. Er vermeidet das, indem er konsequent alle Kohlenhydrate außer Gemüse und Obst liegen lässt. Der ein oder andere Japaner empfindet es als barbarisch, dass Herrchen beim Sushi den Lachs isst, aber das Reisbällchen in den Aschenbecher drückt? Herrchens Antwort: „Bin ich Kulturattaché oder was?“

Seufz.

„Marvin“, versucht er mich zu trösten, „Jeder sei seines Glückes Koch. Wer sein Vollkornbrot selbst backt, seine Quarkcreme selbst rührt, seinen Hummus selbst püriert und seinen Lieblingstee dazu selbst aufbrüht, der hat sein Essen und Leben in der Hand. Und ist gleich ein Vorbild für die Kinder, die kräftig mitbacken und mitrühren können. So lernen von klein auf, wie aus guten Zutaten gutes Essen wird.“

Eben nicht. Denn dazu müsste das Zeug ja schmecken.

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