Dieter Baumann

Die Suche nach dem Berg

Nach vier Wochen Afrika möchte Dieter Baumann endlich den Kilimanjaro sehen. Er begibt sich laufend auf die Suche.

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Der Kilimanjaro - aus dem Flugzeug.

Bild: privat

Lauf der Woche
Montag, 23. August 2010
Moshi, Tansania
missmutiger Dauerlauf: 75 Minuten


Die kleine Stadt Moshi liegt am Fuße des Kilimanjaro und in dieser Stadt ist wirklich alles ein bisschen "Kili". Das Wasser heißt Kilimanjaro-Wasser, das Bier Kilimanjaro-Bier und natürlich gibt es auch einen Kilimanjaro-Marathon. Der findet im Februar statt. Wenn Sie Lust haben, können Sie auch zum Kili(Man)jaro werden. Das geht so: einmal auf den Berg, 246 Kilometer Bike-Marathon und als Abschluss den Marathon.

Alles Kili in Moshi also, doch in den vier Wochen, in denen ich durchs Land reiste habe ich den Berg nicht einmal gesehen. Denn im August herrscht die kleine Regenzeit in Moshi. Laut der einheimischen Bevölkerung ist die eher selten, doch ich hatte Glück und durfte sie erleben. Morgens zeigten die Menschen auf die Frage nach dem Berg in einen großen dunklen Wolkenhaufen und am Abend zeigte sich dort ein diffuser Nebelschleier in der rötlichen Abendsonne. Einen Berg sah ich nicht.

Missmutig machte ich mich am zweitletzten Tag – Montag, den 23. August 2010 – auf zum Dauerlauf, immer dem Berg entgegen. Schließlich war der Berg keine 15 Kilometer von der Stadt entfernt. Ich lief aus der Stadt hinaus und fand sogleich einen wunderschönen Weg, der mich kerzengerade zur diffusen Nebelwand führte. Also dorthin, wo der Berg sein musste. Es war so ein roter Lehmbodenweg. Typisch Afrika eben. Unzählige Menschen gingen nach Hause, schoben Räder mit Lasten drauf und alle grüßten mich freundlich, ermahnten mich zur Langsamkeit „pole, pole“ oder meinten es mit dem Ruf „Mizungu“ einfach nur gut. Sie alle konnten nichts von meiner Mission ahnen. Einmal in vier Wochen den Berg sehen. Ich frage Sie, liebe Läufer: Ist das zu viel verlangt? Meine feste Überzeugung, beim Näherkommen lichte sich der Nebel, trieb mich an.

Nach drei Kilometer säumten großen Bananenplantagen den Weg. Eine Vielzahl von kleinen Wasserkanälen kreuzten den Weg, liefen wie in einem Irrgarten durch die Bananenstauden. Vier Kilometer lief ich entlang von Bananen und Maispflanzen, vorbei an Hütten und Häusern, an Sportplätzen und Schulen. War einmal ein kurzer Blick durch das grüne Dach der vielen Bäume, Stauden und anderes grünes Gewächs möglich, sah ich Nebel in rötlich glänzendem Licht. Wunderschön. Nur einen Berg sah ich nicht.

Eine Flussüberquerung wurde zum Abenteuer, da die kleine Brücke eingestürzt war. Durch Bretter und Seile war ein Notbehelf aufgebaut. Gott sei Dank hatte ich vor der Abreise einen Hochseilklettergarten besucht und dadurch Übung. Nach weiteren drei Kilometer Irrgarten – Bananenstauden, Wasserläufen, Maisfeldern und Hütten – machte ich kehrt. Kein Berg, kein Nichts. Auf dem Heimweg beschloss ich, der englischen Sprache nicht mächtig zu sein und grüßte keinen Menschen mehr.

Beim Rückflug meldete sich der Kapitän unserer Maschine sogleich nach dem Start aus dem Cockpit, wir sollten doch einmal aus dem Fenster schauen. Und da war er, der Berg. Aus einer geschlossenen Wolkendecke ragte der Gipfel empor. Die Schneefelder blitzen in der Abendsonne, es war ein fantastischer Anblick. Wirklich, die Reise, der Dauerlauf, alles hat sich gelohnt.

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