Äthiopiens Marathon-Team

Die Generation nach Haile Gebrselassie greift an

Ayele Abshero, Dino Sefer und Getu Feleke starten für Äthiopien beim olympischen Marathon. Mit ihren Weltklassezeiten verdrängten sie Haile Gebrselassie aus dem Olympia-Team.

Ayele Abshero Dubai Marathon

Ayele Abshero ist die neue äthiopische Hoffnung im Marathon.

Bild: Dubai-Marathon

Die Generation nach Haile Gebrselassie greift an und hat mit einer Reihe von Weltklassezeiten dafür gesorgt, dass der Superstar keine Chance hatte im Rennen um einen der drei olympischen Startplätze. Ayele Abshero heißt der Mann, der zurzeit die Jahresweltbestenliste im Marathon anführt. Bei seinem Marathondebüt lief der erst 21-Jährige im Januar in Dubai sensationelle 2:04:23 Stunden. Über den Shooting Star gibt es wenig Hintergrund – gleiches gilt für die anderen beiden äthiopischen London-Starter.

Als 17-Jähriger startete Ayele Abshero zum ersten Mal für Äthiopien: Bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften der Junioren wurde er Zweiter. Ein Jahr später gewann er in dem stets hochklassigen Rennen sogar den Titel. Noch als 18-Jähriger gelang ihm dann 2009 ein Achtungserfolg: Bei den Afrika-Meisterschaften wurde er Vierter über 5.000 m. Dass er das Potenzial hat für einen sehr guten Marathon zeigte er im vergangenen Jahr. Beim Halbmarathon in Den Haag erreichte er als Vierter eine Zeit von 59:42 Minuten.

Etwas mehr Erfahrung im Marathon hat Dino Sefer. Der inzwischen 24-Jährige lief sein Debüt im Dezember 2010, kam dabei jedoch in Castellón (Frankreich) nicht über 2:20:36 hinaus. Ein halbes Jahr später steigerte er sich deutlich und erreichte 2:10:33 als Dritter in Ottawa. Dass noch deutlich mehr zu erwarten war, hatte er mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 59:42 angedeutet. Mit dieser Zeit gewann er das Rennen in Ivry-sur-Seine (Frankreich). Die hervorragenden Wetterbedingungen und die superflache Strecke des Dubai-Marathons nutzte er dann zu einer Zeit von 2:04:50 und Rang zwei.

Nicht in Dubai sondern auf einem anderen sehr schnellen Kurs qualifizierte sich Getu Feleke für Olympia. Der 25-Jährige lief in Rotterdam als Zweiter 2:04:50 Stunden und lag damit nur zwei Sekunden hinter dem Sieger. Getu Feleke ist der Mann im äthiopischen Trio, der die meiste Erfahrung im Marathon und im Straßenlauf hat. Das könnte ein großer Vorteil sein beim olympischen Rennen in London. In Wien lief er 2009 sein Debüt und kam als Siebenter in 2:11:42 ins Ziel. Im gleichen Jahr verbesserte sich Getu Feleke in Amsterdam als Achter auf 2:09:32. 2010 kam er nach einem vierten Platz in Prag nach Amsterdam zurück und gewann mit einer Steigerung auf 2:05:44. Sein nächster Marathon war der in Rotterdam in diesem Januar.

Äthiopiens Marathon-Team in der Übersicht:

Ayele Abshero
Alter: 21 Jahre
Bestzeit: 2:04:23 Stunden (2012)
Größte Erfolge: 1. Dubai-Marathon 2012, Junioren-Crossweltmeister 2009 und Zweiter 2008, 4. Afrika-Meisterschaften 2009 über 5.000 m

Dino Sefer
Alter: 24 Jahre
Bestzeit: 2:04:50 Stunden (2012)
Größte Erfolge: 2. Dubai-Marathon 2012, 4. Afrikaspiele 10.000 m 2011, 12. Cross-Weltmeisterschaften 2011

Getu Feleke
Alter: 25 Jahre
Bestzeit: 2:04:50 Stunden (2012)
Größte Erfolge: 2. Rotterdam-Marathon 2012, 1. Amsterdam-Marathon 2010, 4. Prag-Marathon 2010

Olympia-Einschätzung

Die Äthiopier schicken drei junge Marathonläufer ins olympische Rennen – es ist die Generation nach Haile Gebrselassie. Im Winter und Frühjahr sorgten die Äthiopier überraschend für eine Reihe von absoluten Weltklasseleistungen, nachdem sie im vergangenen Jahr weit hinter den Kenianern lagen. Sie sind schwer einzuschätzen, zumal die Bedingungen beim Dubai-Marathon im Januar perfekt waren. Sind die Äthiopier wirklich schon so stark, dass sie im Rennen um Olympiagold eine entscheidende Rolle spielen können oder profitierten sie übermäßig von den einmaligen Voraussetzungen in Dubai? Diese Frage wird in London beantwortet. Ein Vorteil mag darin liegen, dass die Kenianer mit Patrick Makau und Geoffrey Mutai ihre wohl stärksten beiden Läufer nicht nominierten. Im Rennen um die Medaillen dürften die Äthiopier dabei sein. Ein Manko ist allerdings, dass keiner von ihnen bisher Erfahrung aus einem Meisterschafts-Marathon hat.

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