Horst Milde

Die Entwicklung des Berlin-Marathons

Horst Milde galt und gilt heute noch als ein Visionär des Laufsports. Durch sein Gespür wurde der Berlin-Marathon früh zu einem Giganten der Szene.

Berlin-Marathon Horst Milde

Heute hat sich der Berlin-Marathon zu einem sehr beliebten internationalen Toplauf gemausert.

Bild: Norbert Wilhelmi

Der Aufstieg des Berlin-Marathon gelang 1981 mit dem Umzug in die Innenstadt und letztlich 2003 ans Brandenburger Tor. Trotz oder wegen der permanenten Kämpfe mit den Ordnungsbehörden hat der Marathon gesiegt. 3.200 Läufer und 100.000 Zuschauer waren für Milde und Co. ein Einstieg nach Maß. Nein, es war der Durchbruch für den City-Marathon. Er selbst ist achtmal Marathon gelaufen, hat seine Premiere dabei in New York abgeliefert, kennt aber auch London und Boston als Teilnehmer. "Zu mehr fehlte mir einfach die Zeit. Mit einer Bäckerei-Konditorei mit zwanzig Angestellten, drei Kindern und einem Garten...." sagt Horst Milde mit seinem typisch Berliner Humor.

Der Berlin-Marathon ist früh zu einem Giganten der Szene geworden, von hohen Teilnehmerzahlen bis zu den vielen Weltrekorden. "An diese Entwicklung habe ich nie im Traum gedacht. Wir haben alles im Gegensatz zu heute ehrenamtlich gemacht und immer mit großen Augen nach New York geschaut", so Horst Milde.

Bis die Politik ins Spiel kam. Und drei Tage vor der Wiedervereinigung 1990 liefen 25.000 durch West- und Ostberlin. Als Sieger wurden dabei überschwänglich der Australier Steve Moneghetti mit erstmals unter 2:10 Stunden und die aus dem Ostteil des bislang geteilten Berlins stammenden Uta Pippig gefeiert.

Bewegende Momente - auch für den weltweit in Sachen Marathon reisenden Race-Director Horst Milde. Als Veranstaltungsleiter und späterer Geschäftsführer der SCC Event GmbH hat er 40 Jahre lang gearbeitet, bis er, wie es Horst Milde umschrieb, "mit Fünfundsechzig aufgehört und gekündigt habe".

Doch Horst Milde beließ es nicht bei seinem vielfältigen Aufgaben in der seinerzeit geteilten früheren Reichshauptstadt mit dem Vorsitz der SCC-Leichtathletik-Abteilung (1969 -1982) oder dem Job als Volkslaufwart des Berliner Leichtathletik-Verbandes. 1994 war er zusammen mit herausragenden Persönlichkeiten der Veranstaltungsszene wie Wolfgang Kucklick (Hamburg), Irmgard Heckelsberger (Frankfurt), Horst Wiczynski (Paderborn) oder Bernd Düngen (Duisburg) Gründer von German Road Races, der Interessengemeinschaft der großen deutschen Läufe, 1998 wurde er zudem in den Vorstand der Internationalen Lauf-Vereinigung (AIMS) gewählt.

Horst Milde ist sicherlich eine Spezies Funktionär, die heute in dieser Intensität Seltenheit ist, denn für ihn war Ehrenamtlichkeit groß geschrieben: "Ich war halt ein lupenreiner Amateur-Veranstalter. Selbst mein Telefon habe ich bezahlt! Das ist natürlich in unserer heutigen Zeit mit den vielfältigen Anforderungen kaum machbar!"

Seine Familie als Unterstützung im Rücken und mit der Hilfe der auch läuferisch aktiven Ehefrau Sabine und den drei Kindern Karsten, Mark und Gesine gingen der “Ideenfabrik“ die Einfälle nicht aus.

Erst nach dem Verkauf seines Konditorei-Geschäftes ließ er sich 1998 fünf Jahre als Geschäftsführer der SCC Event GmbH anstellen. Als "Pensionär" ist Horst Milde rast- und ruhelos wie einst. Als GRR-Chef führt er die Interessengemeinschaft von aktuell über 60 Veranstaltern, gestaltet mit enormer Ausdauer die zweisprachige GRR-Website www.germanroadraces.de und treibt nach wie vor Entwicklungen voran. Sein großer Erfahrungsschatz wird auch weiterhin beim Bundesausschuss Laufen des DLV geschätzt.

Bei aller Anerkennung spart Horst Milde auch nicht mit Kritik. "Ich verstehe es heute noch nicht, weshalb wir 1964 und 1965 keine Frauen bei unserer Cross-Veranstaltung zugelassen haben!" Aber auch nicht gegenüber seinen Nachfolgern beim Berlin-Marathon. "Leider wird die Arbeit unserer Generation teilweise nicht gewürdigt. Als Pioniere und Visionäre haben wir schließlich ein Gesamtwerk geschaffen, das beispielhaft ist!"

Was würde ein Chef-Organisator Horst Milde heute anders machen? Unbestritten, er hat vieles, wenn nicht gar alles richtig gemacht. "Unsere Veranstaltungen sind insgesamt alles Selbstläufer geworden. Neben dem Cross und dem Marathon haben wir den Halbmarathon, den Frauenlauf und die Teamstaffel als hochwertige Veranstaltungen installieren können, insgesamt sind unter meiner Führung weit über 300 Veranstaltungen mit 1,3 Millionen Teilnehmern durchgeführt worden. Wir haben es in der Tat geschafft, mit diesen Lauf-Ideen die Bevölkerung aufzurütteln, damit diese vor allem an ihre eigene Gesundheit denken. Es ist uns gelungen, Jugendliche und Behinderte mit Wettbewerben für Rollstuhlfahrer und Handbiker zu integrieren. Der Mini-Marathon mit 10.000 Teilnehmern ist praktisch schon eine eigene Veranstaltung für sich im Rahmen des Berlin-Marathons geworden".

Zudem war der Berlin-Marathon dank Horst Milde Trendsetter in den unterschiedlichsten Bereichen. Zwischen Reichstag und Kurfürstendamm wurde 1994 erstmals weltweit der Championchip eingesetzt, im Rahmenprogramm haben überkonfessionelle Gottesdienste ebenso ihren Platz gefunden wie die Marathonmesse, der Frühstückslauf, Bambiniläufe, Kinder-Malwettbewerbe, der Berlin-Marathon-Jubilee-Club, Film-/Theater Premieren, der Literatur-Marathon, das ausgeklügelte Notfallrettungssystem mit der Berliner Feuerwehr oder die Ärzte-Symposien und Medizin-Foren mit der Rennarzt-Legende Dr. Willi Heepe.

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