Dieter Baumann

Die Ein-Mann-Staffel auf Schalke

Dieter lief als Ein-Mann-Staffel 25,5 km auf Schalke und entdeckte dabei das Geheimnis von Haile Gebrselassies Armhaltung.

Dieter Baumann: Lauf der Woche

Wer alleine eine Staffel läuft, braucht auch keinen Staffelstab.

Bild: Thomas Koch

Lauf der Woche
Sonntag 22. Mai 2011
Veltins-Arena auf Schalke
Tempowechsel: 2:08 Stunden – fünf schnell / fünf langsam


Ich melde mich vom Dauerlaufen – diesmal auf Schalke. Tempowechsel – fünf schnell, fünf langsam, fünf schnell, fünf langsam, fünf schnell – 25 Kilometer! 7.000 Läuferinnen und Läufer, Staffelwettkampf, mitten durch die Veltins-Arena. Fünf Freunde hatten sich zusammengefunden, um fünf Mal fünf Kilometer zu laufen. Ich lief alleine. Das liegt jetzt nicht daran, dass ich keine Freunde hätte. Doch, doch, die habe ich: zum Beispiel Martin Grüning, der sich mit mir auf Biel vorbereitet. Ich hörte eine Nachricht, die besagt, dass er 99 Kilometer wie eine Zecke in meinem Nacken hängen und erst auf dem letzten Kilometer an mir vorbeiziehen will. Ja, so tolle Freunde habe ich.

Doch jetzt mal im Ernst: Ich war froh, dass ich alleine laufen durfte und die Veranstalter haben mir sogar einen Fahrradbegleiter an die Seite gestellt. Michael Z., ein ehemaliger Radprofi fuhr die ganzen fünf Runden mit. Zur Vorbereitung auf Biel wollte ich einen Tempowechseldauerlauf machen und Michael Z. kontrollierte alles auf seinem Tacho. Ich sage nur GPS-Messung. Erinnern sie sich noch? Der Skandal um Jan Fitschen. Die Strecke des Testlaufes kurz vor seinem Marathonlauf? Irgendwo in der Pampa, ja die die Strecke war zu lang. Jan Fitschen hat den Skandal mit seiner GPS-Uhr aufgedeckt. (Siehe Lauf der Woche: Schneller mit der GPS-Uhr)

Und was passiert bei uns auf Schalke? Die Strecke ... auch zu lang. In der ersten Runde schaute Michael Z. noch ungläubig auf sein Tachometer: 5,1 Kilometer! Ich hinterfragte die Technik, die Genauigkeit seines Tachos, ja auch seine Augenkraft hinterfragte ich. Doch er blieb dabei. 5,1 Kilometer! Und jeder von uns kennt doch so einen Technik-verliebten Fahrradfahrer. Die sind noch schlimmer als Jan Fitschen, deshalb zweifelte ich nicht am Tacho von Michael Z.

Und Michael Z., der Technik-verliebte Fahrradfahrer, brachte die Erklärung für die Ungenauigkeit der GPS-Uhren beim Laufen. Seine These geht so: Bei der Laufbewegung pendelt die Uhr an unserem Arm nach vorne und wieder zurück - bei jedem Schritt! - Diese Pendelbewegung wird vom Satellit erfasst und gleichzeitig mit der Vorwärtsbewegung des Laufes verrechnet. Dabei ergeben sich messtechnisch kleinste Abweichungen und deshalb zeigt das Gerät einige Meter mehr an. Genaue Kilometerangaben bekommen wir laut Michael Z. nur dann, wenn wir den Arm gestreckt nach unten halten. Dies würde auch den komischen Laufstil von Haile Gebrselassie erklären. Von wegen „früher mit der Schultasche unter dem Arm zur Schule gelaufen, und so…“. Haile will exakte Kilometer-Angaben haben, deshalb streckt er den Arm so komisch nach unten weg.

Lieber Jan, jetzt ist alles klar. Zur Vorbereitung auf den Sturm von unter 2:20 Stunden würde ich Koordinationsübungen mit gestreckten Armen nach unten einbauen – wegen der GPS-Uhr. Die Theorie greift bei mir auf Schalke allerdings nicht. Der Tacho war ja auf Michael Z.s Lenker, null Pendelbewegung! Bin also viel länger gelaufen, aber das war gut so, schließlich zählt jeder Kilometer - für Biel. Auch die, die wir nur messen und nicht laufen.


Dieter samt Fahrrad-Begleiter auf dem Kurs.

Bild: Thomas Koch

Ab sofort: Dieter Baumann und Martin Grüning, Stellvertretender Chefredakteur von RUNNER'S WORLD, bloggen zum 100-km-Lauf in Biel, den beide in diesem Jahr laufen wollen.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Nachtlauf-Gedanken