Marvin Running

Die drei Runden der Shaolin

Seriöse Seminaranbieter zeigen, wie Sie kosmische Energie dorthin lenken, wo sie gebraucht wird. Geht das wirklich?

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Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

„Ich hege leise Zweifel“, meint Herrchen. Viele Seminare hat er in seinem Leben besucht, einige davon waren sogar sinnvoll. Aber dieser Kurs zum Erlernen fernöstlicher Techniken zur Beherrschung der Lebensenergie ‚Qi‘…

„Du hast einfach nicht die richtige Einstellung“, frotzele ich. „Glaubst du etwa nicht, dass linksdrehende Spiralen dir die Energie rauben?“

Man muss dazu sagen, dass immerhin ein echter Shaolin-Mönch diese Behauptung während des Seminars aufgestellt hat. Und bevor Sie jetzt nur noch Joghurt mit rechtsdrehender Milchsäure kaufen und sich schnell mal vergewissern, ob verhütungstechnisch alles ordnungsgemäß gekringelt ist: Behauptungen der Shaolin-Art lassen sich ja einfach testen, und Herrchen, der chronische Theorieverweigerer, sieht da natürlich ein weites kreatives Betätigungsfeld.

„Wir probieren es einfach aus!“, ruft er. „Spirale malen, unters T-Shirt und los. Und die Sache mit der Chakra-Aktivierung machen wir auch.“

Ah, die geheime Energie-Tankstelle der Shaolin… Das ist eine Abfolge von langsamen Kampfsport-Bewegungen, genannt ‚Ba Duan Jin‘, mit der man beispielsweise kosmische Energie in das eigene Ausdauerzentrum (es sitzt interessanterweise im Schritt) ziehen kann. Diese sehr hüftbetonte Übungsfolge sieht im Grunde so aus, als trainiere man schon mal für die Incentive-Reise eines Versicherungskonzerns.

Zum Glück verzichtet er auf den Test einer weiteren Shaolin-Behauptung: Dass der Hitlergruß ebenfalls Energie raube. Derartige empirische Bemühungen wären auf einer Alsterrunde eindeutig mit zu hohen organisatorischen und operativen Risiken verbunden.

Um es kurz zu machen: Er läuft an drei Tagen drei Alsterrunden. Eine mit dem Energieräuber linksdrehender Spirale, eine nach einer vitalisierenden Session Ba Duan Jin und die dritte ganz ohne irgendwelche Shaolin-Scherze, dafür aber in frischen Barfußschuhen anstelle der sofamäßig gedämpften Laufschuhe.

Das Fazit ist eindeutig: Die beiden ersten Läufe gleich schnell, der letzte deutlich am schnellsten. Die Auswahl der Schuhe hat also einen größeren Einfluss auf die Lebensenergie, als wenn uns das Qi mal so richtig zeigt, wo der Gong hängt. Frauen haben es ja schon immer gewusst.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Laufen in Zeiten des Web 2.0