Baumanns Lauf der Woche

Die Albvereins-Bank aus dem Jahr 1992

Beim Dauerlauf auf der schwäbischen Alb fand Dieter Baumann eine Bank aus dem Jahr 1992, dem Jahr seines Olympiasiegs. Sie war sehr verwittert. Und, wer sah älter aus?

Die Bank

"Albvereins – Bank 1992" steht auf dem Schild dieser verwitterten Bank, die Dieter Baumann auf seiner Laufrunde über die schwäbische Alb entdeckte. 1992, in diesem Jahr wurde er in Barcelona Olympiasieger über 5.000 Meter.

Bild: Dieter Baumann

Lauf der Woche
Mittwoch, 23.11.2016
Freiburg
2:00 Stunden Nachfragdauerlauf


Ich melde mich vom Dauerlaufen heute aus Freiburg. Ich war bei „nachgefragt“, einer Talkrunde des Rotteck-Gymnasiums in Freiburg.

Bevor ich aber auf „nachgefragt“ eingehe, muss ich Bob Rob erwähnen. Ja, lieber Bob Rob, vielen herzlichen Dank. Was ein Kompliment, das geht runter wie Öl. Bob Rob hat auf Facebook einen Kommentar geschrieben, dass man zur Vermarktung als Läufer „eine Mischung aus den Hahnerzwillingen und Baumann“ sein müsste. Tatsächlich reiht er mich immer noch in die Schar junger Athleten ein, die sich mit der Weltklasse messen und doch von keiner Sau eine müde Mark bekommen.

Euro, ja ich weiß. Aber zu meiner Zeit wurde man noch in Mark bezahlt, lieber Bob Rob, so lange ist das her. Und immer noch (!) siehst Du mich als ......., nein! Soll ich Dir die Wahrheit sagen, lieber Bob Rob? Wenn Du den Jungs aus Kelkheim vom ArQue Lauf, die mit mir im 5-er Schnitt gelaufen sind, sagen würdest: Baumann ist Athlet!

Hahahahahahahahahahah..........!!!! Genau. Sie würden sich schlapp lachen.

Neulich stand ich nach dem Duschen vor dem Spiegel. Geduscht habe ich, weil ich vom Dauerlaufen kam. Ich weiß nicht genau, wie Sie es handhaben, liebe Freunde der Laufkunst, aber ich dusche immer nach dem Dauerlaufen. Um genau zu sein: nur nach dem Dauerlaufen. Grund genug also, jeden Tag zu laufen, aber das nur am Rande.

Zurück zum Spiegel. Man erblickt ja immer nur das, was man sehen will. Deshalb sah ich auf den ersten Blick einen durchtrainierten Körper. Gut, hier und da könnte ich etwas mehr Krafttraining vertragen, also, um ehrlich zu sein, überhaupt Krafttraining. Aber sonst, kein Gramm Fett. Nichts. Nichts, was wirklich ins Auge springt. Ja, an den Ecken der Hüftpfanne, aber wer schaut schon in die Ecken? Und die Körperhaltung, die Spannung, immer noch, wie soll ich sagen: Rundrücken.

Kurzum, lieber Bob Rob: ich fragte mich, ob es derselbe Körper ist, der vor vielen Jahren so schnell laufen konnte. Du weißt schon, damals, als noch mit Mark bezahlt wurde. Gut, dass sich solche tiefgehenden Gedanken verflüchtigen und man in den Modus zurückkehrt: das zu denken, was man sieht und nur das sieht, was man denken will.

Deshalb ist Bob Rob mein Freund: Baumann ist Athlet!
Hahahahahahahahahahah..........!!!!!
Ruhe in Kelkheim!

Tags darauf war ich laufen, denn ich wollte duschen. Ich lief auf der schwäbischen Alb und sah eine Holzbank. Sie war von wildem Gebüsch halb eingewuchert, sah sehr, sehr alt aus, das Vollholz ergraut, vermoost, halb verrottet. Mitgenommen. Die Witterung hatte Spuren hinterlassen. Auf einem Schild stand: „Albvereins – Bank 1992“.

Ich blieb ich stehen und setzte mich.

Womit ich bei der „nachgefragt“-Veranstaltung des Rotteck-Gymnasiums angekommen bin. Sabeth und Lukas führten wunderbar durch den Abend, wir kamen auf die Bank und auf mein Spiegelbild zu sprechen. Da fragte mich Sabeth: „Und, wer sah älter aus?“

Eindeutig. Nicht ich, nicht die Bank, mein Spiegelbild.

Bild: privat

Dieter Baumann, die Götter und Olympia – Termine 2016

• 16. Dezember 2016 Theaterhaus Stuttgart / 18:00 Uhr

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Heute laufe ich noch