Marvin Running

Der ultimative Test für Schweinehunde

Herrchen will mich mit dem „Marshmallow-Test“ aufs Glatteis führen. Aber das lasse ich mir nicht bieten.

Marshmallows

Marshmallows essen setzt Dopamin frei - keine Marshmallows essen unter Umständen auch.

Bild: Brigitte Heinen / pixelio.de

„Marvin, kennst du eigentlich den Marshmallow-Test?“, säuselt Herrchen.

Au weia. Jetzt nur nicht ins pädagogische Minenfeld locken lassen. „Klingt potenziell interessant“, nuschele ich vorsichtig.

„Ist er auch. Der Psychologe Walter Mischel gab Kindern einen Marshmallow und sagte: In 15 bis 20 Minuten komme ich wieder. Wenn du ihn dann noch nicht gegessen hast, bekommst du einen zweiten.“

„Voll gemein. Ist ja Erpressung, so was. Wie lange musste Walter in den Knast?“

„Gar nicht. Sein Ergebnis ist, dass die Kinder, die warten konnten, später im Leben viel erfolgreicher waren als die, die den Marshmallow gleich essen wollten.“

„Wenn du unter Erfolg verstehst, den Konsum von Marshmallows zu verdoppeln, hast du wohl recht.“

„Der Kern dabei ist, dass beide Gruppen von Kindern im Experiment das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet haben. Nur: Wer gleich zuschlagen musste, brauchte den Marshmallow dazu. Denen, die warten konnten, reichte schon die Erwartung eines zweiten für eine Ausschüttung.“

„Was soll das hier werden? Pawlow für Schweinehunde?“

„Eigentlich ja. Denn Mischel folgert daraus, dass wir alle nichts weiter als Dopaminjunkies sind.“

„Mein Reden!“, rufe ich begeistert. „Komm, lass uns an einer massiven Dopaminausschüttung arbeiten! Sofort!“

Aber sofort schüttet Herrchen bloß den Unkrautvernichter über mein zartes Pflänzchen Hoffnung aus: „In Mischels Experiment gab es nur diese zwei Stufen: Eins: Ich brauche Dopamin. Jetzt. Und nur der wirkliche Genuss kann mir helfen, nicht die Erwartung. Zwei: Schon die Erwartung erzeugt eine Ausschüttung. Aber was ist Stufe drei?“

„Ich ahne Böses“, ahne ich Böses.

„Stufe drei wäre, wenn ein Kind sagt: ‚Ich warte gerne. Aber vergiss‘ die Marshmallows. Bring mir lieben einen leckeren Apfel. Auf das, was Marshmallows mit meinem Körper anstellen, verzichte ich lieber.‘“

„Und schon wirst du wieder zum Spielverderber“, seufze ich.

„Stufe drei bedeutet, ich befreie mich von der Dopaminabhängigkeit. Ich toppe die Lust an Süßigkeiten durch das Glücksgefühl, selbstbestimmt das zu genießen, was gut für mich ist.“

Ich sage: „Hör dich an. Du bist ja so zurückgeblieben! Du bestehst nicht mal den simpelsten Marshmallow-Test.“

„Marvin, so eine Einstellung ist die schiere Power. Läufer kennen das Gefühl, sich von der Last sinnloser Reflexe zu befreien.“

Hilfe.

Liebe Läufer und noch liebere Nichtläufer: Hört einfach nicht auf ihn.

Danke.

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