Dieter Baumann

Der Läufer, der aus dem Ausland kam

„Ich habe gleich an Ihrem Akzent gemerkt, dass Sie aus dem Ausland kommen", erfuhr Dieter in einer Hamburger Grundschule.

Dieter Baumann: Der Läufer aus dem Ausland

Dieter Baumann

Bild: Claus Dahms

Lauf der Woche
Donnerstag, 31. März 2011
Hamburg
eine „zrick gsaute“ Übungseinheit: Koordination mit Sprint


Ich melde mich vom Dauerlaufen. Halt, das stimmt gar nicht. Es war gar kein Dauerlauf. Sondern als Aufwärmübung kreatives Laufen, dann Koordination und Sprint und schließlich austraben. An dieser Stelle möchte ich einmal großzügig sein – für meine Schützlinge, die ich am Donnerstag betreuen durfte, war das schon ein Dauerlauf. Die geschilderte Trainingsstunde fand in Hamburg in einer Grundschule statt. Wie immer taste ich mich mit neuen Schützlingen voran, frage nach dem Befinden, den Namen, der Stimmung und warne davor, dass sie mich vielleicht auch nicht immer verstehen würden, da ich aus dem Schwabenland kommen würde. Da meldete sich ein kleiner Kerl und sagte: „Ich habe gleich an Ihrem Akzent gemerkt, dass Sie aus dem Ausland kommen.“

Zum ersten Male habe ich es bedauert, dass wir Leichtathleten nicht so privilegiert sind wie der König Fußball. Ralf Rangnick leistete sich bei der ersten Übungseinheit sofort einen Simultandolmetscher. Alle Befehle vom Coach wurden übersetzt. Mit gleicher Lautstärke und Gestik.

Woher sollte ich nun in Hamburg auf die Schnelle einen Schwaben finden, der die deutsche Sprache beherrscht? (Wir können bekanntlich alles, außer….) In Ermangelung eines Dolmetschers versuchte ich meine Anweisungen klar und deutlich zu formulieren.

„Freund, zuhören! Von der blauen Marke bis zur grünen Marke Hopserlauf – den Weg zurück laufen.“ Die Kinder legten los. Hopserlauf vorwärts, rückwärts mit Drehung links und Drehung rechts. Und immer wenn die Übung zu Ende war, liefen sie im schnellen Laufschritt zurück. „Doch nicht laufen! – Habt ihr nicht zugehört!“

„Laufen“ bedeutet im Schwabenland (natürlich) „gehen“! Spreche ich vom Laufen sage ich „saua“. Wenn ich gewollt hätte, dass sie zurück laufen, dann hätte ich doch gesagt: „Nach dem Hopserlauf sauat’r zrick!“ Ich meinte aber laufen: zurück laufen – also gehen. Das ist doch wirklich nicht so schwer zu verstehen, oder?

So oder so führt doch alles zu Missverständnissen. Der kleine Mann lieferte mit seinem Spruch eine bundesweite Schlagzeile, meinte aber nicht das Ausland, sondern nur, dass ich mit diesem Akzent nicht aus Hamburg komme. Womit er völlig Recht hat. Ob jemand das Schwabenland kenne, wollte ich wissen. Schwabenland? Wieder ein Missverständnis. Ein zweiter Junge meinte, er sei überrascht wie ich als Schwede so gut deutsch spreche. „Nein, sagte ich, ich bin kein Schwede, offensichtlich kann ich auch nicht deutsch, deshalb lasst uns einfach einmal ums Schulhaus saua.“ Und?

Alle sind gelaufen! Lieber Herr Rangnick, so schwer ist das gar nicht, verstanden zu werden.


Ab sofort:
Dieter Baumann und Martin Grüning, Stellvertretender Chefredakteur von RUNNER'S WORLD, bloggen zum 100-km-Lauf in Biel, den beide in diesem Jahr laufen wollen.

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"Ich bin ein Ogger"

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