Marvin Running

Der kritischste Moment beim Laufen

Manche Menschen müssen sich zum Laufen motivieren. Bei Herrchen ist es umgekehrt: Der läuft, um sich zu motivieren. Ist das nicht schrecklich?

28112011_Marvin_Running_Thoreau

Laufen, um das Grundgefühl der erhabensten Augenblicke des Lebens zu erreichen. Ein Alptraum für Marvin.

Bild: Martina Taylor / pixelio.de

Ich gebe zu: Manchmal liest mir Herrchen Gutenachtgeschichten vor. Die haben meist gefährliche pädagogische Hintergedanken. Da geht es um Dinge wie „Born to Run“ oder „Ultramarathon Man“. Brrrr. Gruselig. Danach kann ich oft stundenlang nicht einschlafen.

Gestern war Henry David Thoreaus „Walden“ dran. Henry lebte zwei Jahre in einer Waldhütte und schrieb darüber. Seine wesentliche Erkenntnis: Unser Leben soll auf einem Grundgefühl aufbauen. Nämlich dem, das wir in den erhabensten Augenblicken unseres Lebens innehatten. (‘Every man is tasked to make his life, even in its details, worthy of the contemplation of his most elevated and critical hour.’ ‘Jeder Mensch soll sein Leben, gerade in den Einzelheiten, im Hinblick auf seine entscheidenste Stunde auszuführen.’)

„Das isses”, sagt Herrchen. „Genau das isses.”

„Damit habe ich wirklich überhaupt keine Probleme“, antworte ich. „Wenn es nach mir ginge, wäre ein Leben lang Still-, Schunkel- und Knuddelzeit.“

„Ich weiß“, grinst Herrchen. „Aber das meine ich nicht.“

„Ich weiß“, seufze ich. „Was meinst du denn?“

„Das Laufen ist eine Möglichkeit, dieses Gefühl, das Thoreau meint, zu erreichen. Beispielsweise, wenn wir nach mehreren Stunden völlig am Ende sind, wenn eigentlich nichts mehr geht, Bildung, Intellekt, Verhaltensmuster, alles unwichtig wird und verschwindet, wenn nur noch das nackte Leben spürbar ist und wenn uns nur noch dieses Gefühl vorwärts treibt, wenn ES läuft.“

„Hilfe." Es schüttelt mich. „Ich fürchte, Thoreau ist noch nie so missverstanden worden wie eben gerade.“

Ungerührt faselt er weiter: „Und dann wird uns klar, worauf es wirklich ankommt, und was wir alles nicht brauchen.“

„Bei ‚nicht brauchen‘ würde ich anfangen mit L-Carnitinpillen, Polyestershirts und Barfußschuhen.“

„Ich dachte eher an unnötigen Luxus, Information Overload und die neuesten Smartphone-Apps. Manchen Ballast muss man einfach erst mal über Bord werfen, damit Thoreaus ‚kritischste Stunde‘ schlagen kann.“

„Das klingt jetzt echt beunruhigend.“

„Marvin, es sind die Momente unserer größten Herausforderung, die uns definieren.“

„Das ist gefährlicher Quatsch. Es sind doch gerade die Momente unserer größten Lustbefriedigung, die unser Leben lebenswert machen.“

„Gute Nacht, Marvin.“

„Du mich auch.“

Marvin läuft jetzt auch auf dem Kindle.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Achim Achilles live

Besser laufen und gut fühlen

Achtung: Das Gehirn läuft mit

Denkmuster beim Laufen
Was Ihnen beim Laufen durch den Kopf geht, trägt dazu bei, dass Sie... mehr

Energiekrisen meistern

Raus aus der Energiekrise

Energiekrisen leichter meistern
Was tun, wenn es mal nicht wie gewünscht läuft? Wir verraten, wie Sie... mehr