Baumanns Lauf der Woche

Der Kampf mit den Pfützen

Auch in Italien ist noch kein Sommer, aus Pinienwäldern sind Sumpflandschaften geworden. Dieter Baumann und der Kampf mit den Pfützen.

Baumann - Prickelnde Füße

In Italien regnet es und Dieter Baumann absolviert den Lauf der Woche mittendrin.

Bild: Jakob Ehrhardt / pixelio.de

Lauf der Woche
Sonntag, 31.03.2013
Ort: Viarregio
2:47 Stunden Dauerlauf mit prickelnder Haut


Ich melde mich vom Dauerlaufen aus dem sonnigen Süden. Ja, liebe Freunde der Laufkunst: sonniger Süden! Um keinen Unmut aufkommen zu lassen und um ehrlich zu sein, im Grunde melde ich mich NUR aus dem Süden. Das „sonnige“ ist in der Großwetterlage Europas im wahrsten Sinne des Wortes untergegangen.

Es regnet in Italien. Ununterbrochen. „Lieber durch Pfützen als über Eisplatten laufen“, höre ich Sie sagen. Ja, sie haben Recht.

Sonntag, Viarregio: langer Lauf entlang der Pinienwälder, die im Sommer von kleinen Kanälen mit Wasser durchzogen sind, wegen der großen Hitze und der dadurch großen Waldbrandgefahr. Sommer? Ja, Sommer! Im Sommer soll eine zärtlich warme Luft den ganzen Tag über Dörfer, Städte, und Landschaften streichen. Und im Sommer tragen die Menschen beim Laufen so gut wie nichts am Leibe. Nur eine kurze Hose und am Oberkörper ein leichtes, kaum spürbares Etwas. Am Abend, wenn die Menschen laufen gehen sorgt eine kleine Brise für Auffrischung. Der Schweiß, gepaart mit dieser leichten Brise, lässt prickelnde Haut zurück.

LIES prickelnde Haut zurück. Denn diese Geschichte vom Sommer erzählte mir mein Opa. Es muss eine fantastische Zeit gewesen sein, damals.

Zurück nach Viarregio! Die Kanäle im Wald gibt es nicht mehr. Heute ist es eine fantastische Sumpflandschaft. Das Wasser hat den ganzen Wald überspült. Nur die Wege ragen noch aus der Wasserlandschaft heraus. Sie laden geradezu dazu ein, in diesen dunklen, dampfenden Wald hineinzulaufen.

Es war herrlich. Links und rechts Wasser. Von oben tropfte der unaufhörliche Regen auf uns hernieder. Frösche quakten laut und erfreuten sich ihres erweiterten Lebensraumes. Kaum bogen wir um eine Kurve war der Weg zu Ende. Eine Pfütze!

Wir stoppen zunächst die Zeit ab. Die Pfütze war vier Meter lang und einen Kilometer breit. Ich sah den Weg, der sich danach in unglaublich schöner Anmut dahinschlängelte. Ich wollte weiter, musste weiter, hinein in diese Wasserlandschaft. Auf waghalsige Art und Weise hangelten wir uns – ich möchte nicht sagen von Ast zu Ast, aber es war so! – hangelten wir uns auf die andere Seite. Dort starteten wir unsere Uhren und den Dauerlauf. Lange blieb der Weg ein Weg, dann kam eine Pfütze. Wieder die Uhren auf „stopp“, wieder Tarzan, dann weiter. So ging das über eine Stunde. Mal war die Pfütze kleiner, mal war sie größer. Immer aber war sie einen Kilometer breit. Dann hatte ich genug vom Klettern, von Dornengestrüpp und vor allem wollte ich nicht immer meinen Lauf unterbrechen.

Ich erinnerte mich an die Geschichte meines Opas. An den Sommer, den es damals gegeben haben soll. Mit dieser Geschichte im Kopf lief ich einfach weiter. Durch Pfützen, Dreck und Schlamm. Dieses prickelnde Etwas auf der Haut, spürte ich immer dann besonders stark, wenn mir das Wasser oben in die Schuhe lief. Es prickelte an meinen Zehen genauso, wie die frische Brise damals auf der Haut meines Opas.

Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Laufen Sie mit Dieter Baumann bei den KKH-Läufen 2013:
Sa. 13.04. – Mönchengladbach
Sa. 20.04. – Berlin
Sa. 27.04. – Chemnitz
So. 28.04. – Leipzig
Sa. 11.05. – Stuttgart
So. 12.05. – München
So. 26.05. – Kassel
So. 02.06. – Köln
Sa. 08.06. – Schwerin
So. 09.06. – Hamburg
So. 16.06. – Regensburg
So. 23.06. – Hannover

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Laufen als Sendeauftrag im Fernsehen