Baumanns Lauf der Woche

Dem Laufen wurde die Unschuld genommen

Ja, wir laufen weiter. Aber man hat unserem Sport mit dem Anschlag von Boston die Unschuld genommen, stellt Dieter Baumann traurig fest.

Baumann - Genommene Unschuld

Laufen verbindet - alle in einem Rennen mit dem selben Ziel, den selben Bedenken und Emotionen.

Bild: Thomas Wenning

Lauf der Woche
Montag bis Freitag, 15.04.-19.04.2013
Orte: Tübingen/Hannover/Berlin


Ich melde mich vom Dauerlauf und bin traurig. Vor vielen Jahren bekam ich meine erste Einladung für einen Citylauf. Es war in Wellington, Neuseeland. 10 Kilometer war die Distanz und zum ersten Mal erlebte ich die Faszination „Straßenlauf“. Zuschauer standen dicht gedrängt am Streckenrand, und schon damals waren viele Freizeitläufer gemeinsam mit den Profis an der gleichen Startlinie und liefen über dieselbe Ziellinie. In keiner anderen Sportart ist dies so. Die Profis und die Hobbyisten. Alle in einem Rennen. Alle mit dem selben Ziel, der gleichen Vorbereitung, den selben Bedenken und Emotionen.

Die Cityläufe sind in den Jahren weiter gewachsen. Triebfeder waren dabei die großen Marathonläufe. New York, London, Berlin, um nur wenige zu nennen und eben auch Boston. Ja, die Läufe waren der emotionale Höhepunkt unserer Läufergemeinschaft. Egal ob Profi oder Freizeitläufer, egal ob schnell oder langsam, dort haben wir uns getroffen, sind gemeinsam gelaufen, haben uns angefeuert, bewundert und gegenseitig Motivation gegeben.

Es gibt so viele Geschichten rund um das Laufvolk: Menschen, die von der Drogensucht wegkamen, die übergewichtig waren, die harte Schicksalsschläge hinnehmen mussten, die ihr Leben geändert haben. Allen gab das Laufen die notwendige Kraft, Dinge zu verarbeiten, sich zu erholen und wieder ins Leben zurück zu kehren.

Stadtmarathons, Cityläufe und andere Laufveranstaltungen leben nicht vom großen Medienrummel. Wir sind nicht fernsehtauglich im strengen Sinne. Der Glanz, der Spirit des Laufens kommt von uns, den Teilnehmern und von unseren Angehörigen, die am Streckenrand stehen und uns anfeuern. Wir feiern uns beim Überqueren der Ziellinie selbst. Bitte verstehen Sie mich dabei nicht falsch: Wir sind keine großen eitlen Pfauen, dafür ist ein Marathon oder das Laufen allgemein viel zu anstrengend. Auch und vor allem in der Vorbereitung anstrengend. Eitelkeit nützt da sehr wenig. Wir alle spüren, dass dieses Laufen am Ende sehr viel mehr ist, als die dabei gestoppte Zeit. Das macht es so wertvoll für uns und deshalb sind wir emotional auch ergriffen im Zieleinlauf.

Alles war ein großes Happening. Nirgendwo große Beschränkungen, Sicherheitsbestimmungen und dergleichen. Ganz im Gegensatz zu Veranstaltungen im Stadion. Olympische Spiele gleichen einem Hochsicherheitstrakt, bei dem sich ein Austausch von Emotionen nicht auf der gleichen Ebene abspielen kann. Dies ist einzigartig. Nun gab es diesen Anschlag auf dieses Happening, auf dieses unschuldige Glücklichsein. Wichtig vielleicht zu sehen, dass der Anschlag nicht dem Laufen galt. Das Laufen war „nur“ die Bühne. Eine schreckliche Bühne. Ich denke an die Opfer, an die Angehörigen. Mein Mitgefühl ist ganz bei ihnen. Der amerikanische Präsident Obama hielt beim Gedenkgottesdienst eine bewegende Rede und er sagte sinngemäß: „das Rennen ist nicht zu Ende“. Damit spricht er unsere Tugenden an; ja, wir laufen weiter, aber ein wenig hat man uns mit diesem Anschlag unsere Unschuld genommen.

Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Laufen Sie mit Dieter Baumann bei den KKH-Läufen 2013:
Sa. 20.04. – Berlin
Sa. 27.04. – Chemnitz
So. 28.04. – Leipzig
Sa. 11.05. – Stuttgart
So. 12.05. – München
So. 26.05. – Kassel
So. 02.06. – Köln
Sa. 08.06. – Schwerin
So. 09.06. – Hamburg
So. 16.06. – Regensburg
So. 23.06. – Hannover

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Der Kampf mit den Pfützen