Lauf der Woche

Das Wildschwein am Spitzberg

Der erste Trainingslauf nach langer Verletzungspause hielt für Dieter Baumann ein aufregendes Naturerlebnis bereit.

Brezellauf Frankfurt-Marathon

Beim Brezellauf am Vortag des Frankfurt-Marathons stand Dieter Baumann zwar in der ersten Startreihe, aber als "echten" Lauf bezeichnet er die folgenden Kilometer dann doch nicht.

Bild: Norbert Wilhelmi

Lauf der Woche
Mittwoch 29.10.2014
Tübingen, Spitzberg
Schattenhafter Dauerlauf


Ich melde mich vom Dauerlaufen.........ja! Nicht Maistreten, nicht Radfahren – vom Dauerlaufen: 35 Minuten am Stück. Einfach so! Leicht und locker - wie eh und je!

Als wäre ich niemals weg gewesen. Gut, zugegeben, geschwitzt habe ich schon. Höre ich da Kritik? „Du bist doch schon in der letzten Woche gelaufen. Brezellauf! Schon vergessen?“ Also jetzt mal unter uns, liebe Freunde der Laufkunst, kann man den Brezellauf wirklich als Laufeinheit zählen? Wir liefen los, dann war gehen angesagt (weil wir über eine Brücke mussten), weiter laufen, dann wieder gehen (weil es von der Brücke runter ging), laufen, wieder gehen (weil es die Polizei so wollte, damit alle zusammen bleiben) laufen, gehen (weil viele bei einer Unterführung klatschen wollten), laufen, gehen, usw.

Erstmals richtig gelaufen seit dem 19. Juli bin ich gestern. Ganz alleine. Einfach so. Herrlich. Endlich durfte ich wieder so richtig durchatmen. Das ist überhaupt das Schönste am Laufen, das Durchatmen, das Schnaufen und das Schwitzen.

Ich lief in die Abenddämmerung hinein. Was für eine Stimmung. Am Anfang sah ich noch das Farbenspiel der bunten Blätter in der Abendsonne. Innerhalb weniger Minuten legten sich die langen Schatten der Nacht über die Baumwipfel. Ich sah das täuschende Spiel die Schatten von Ästen, Bäumen und Sträuchern, die mir, wie so oft, Figuren von Schattenwesen vorspielten. Und schon im nächsten Augenblick – so schien es – war es dunkel. Einzig die vielen hellen Kieselsteine des Weges dienten mir als Orientierung. Was für eine Stimmung.

Nur damit wir uns richtig verstehen, es war nur halb so schön wie es hier geschrieben steht. Denn ich habe Angst im Wald – also bei Nacht. Doch gestern, bei meinem ersten Lauf seit vielen Monaten, war ich in Gedanken ganz bei mir. Keine Angst, kein Nix. Doch plötzlich tauchte am Wegesrand ein Schatten auf. Ach was sage ich „Wegesrand“? Mitten drauf war der Schatten. Ein riesig großer Schatten saß / lag / stand auf dem Weg. Zunächst dachte ich, es ist ein Baumstumpf. Klar, die Waldarbeiter, mal wieder was vergessen … Trotzdem blieb ich 10 Meter davor stehen und schrie einfach so prophylaktisch: „Hallo!“. Dabei klatschte ich in die Hände, wahrscheinlich um meine Angst zu verscheuchen. Nichts passierte – zunächst.

Nach ein paar Sekunden jedoch, drehte sich der Baumstumpf um. Kurzum, es war kein Baumstumpf. Wenn ich es nicht wüsste, dann würde ich sagen, es war ein Bär. Bestimmt. Oder aber ein Wolf. Unmöglich. Also eine Wildsau!

Ich ging ganz langsam und ganz leise rückwärts. Immer den Schatten im Blick. Sowieso bin ich der Meinung, dass Rückwärtsgehen gut für meine Achillessehne ist! Nach 400 Metern – die Dunkelheit hatte den Schatten schon längst verschluckt – drehte ich mich um, und lief einen drei Kilometer langen Umweg so schnell ich nur konnte. Bewaffnet hatte ich mich mit einem langen, schweren Stock. Vier Menschen haben mich damit gesehen.

Meine Sehne hat gehalten. Heute zur Erholung wieder Maistreten. Da fällt mir gerade ein, Wildschweine fressen Mais. Ich muss die Therapie überdenken.

Bild: privat

Dieter Baumann, die Götter und Olympia - Termine 2014


• 8. November 2014 Grünkraut / Kulturforum
• 21. November 2014 Stuttgart-Degerloch / Kickers-Clubrestaurant
• 22. November 2014 Schleiden / Kursaal
• 26. November 2014 Delmenhorst / Divarena

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Feigheit vor dem Feind