Marvin Running

Das peinlichste Laufzubehör

Hier sind sie, die gehäkelten Klorollenmützchen des Laufsports: Dinge, die wahrscheinlich so nutzlos wie peinlich sind.

Marvin Running – Das peinlichste Laufzubehör

Laut Marvin ein peinliches Outfit – aber den Siegerblumenstrauß in der Hand.

Bild: Norbert Wilhelmi

„Guck mal!“, flüstert Herrchen auf der letzten der drei Alsterrunden am Mittwochmorgen. „Der hat einen Atemtrainer!“

‚Der‘, das ist ein Mann, der am Wegrand in ein Plastikröhrchen bläst. Er trägt Laufklamotten und einen roten Kopf. „Das sieht aus wie eine Lockpfeife für Gummi-Enten“, lästere ich. „Mutig, so was in der Öffentlichkeit zu tun.“

„Wieso?“, fragt Herrchen.

„Es lassen sich ja wohl kaum Situationen vorstellen, in denen man sich mit diesem Ding im Mund nicht blamiert. Bestenfalls würde man im Sexshop freundlich darauf hingewiesen, dass man die Körperöffnungen verwechselt hat. Wer damit trainiert, geht wahrscheinlich auch mit Taucherflossen laufen, wenn man ihm erzählt, dass so der Kniehub trainiert wird.“

„Es gibt eine Alternative“, meint Herrchen, „Joggen mit Gasmaske. Insbesondere nachts im Stadtpark: Da haben unsportliche Passanten auch gleich mal eine Maximalpuls-Erfahrung.“

Es geht sogar noch schlimmer, finde ich. Beispiel Zweiteiler: Sie bestehen aus einem knappen Höschen und einem noch knapperen, bauchfreien, sogenannten Crop-Top. Sie sollen Wettkampfatmosphäre schaffen. Für Läufer sind sie allerdings nur dann empfehlenswert, falls man Marketingverantwortlicher einer Travestieshow ist. Ausnahme: Läuferinnen mit Modelmaßen. Da sind Zweiteiler selbstverständlich erste Wahl.

Oder Make-up: Natürlich hat es in vielen Lebenssituationen seine Berechtigung. Aber, liebe Läuferinnen, sich vor dem Laufen aufzubrezeln ist ungefähr so, als würde man das Huhn panieren, bevor man Chicken Nuggets draus macht. Dabei kommt beim Laufen das schönste Rouge doch von ganz alleine.

Shaolin-Mönche können angeblich so viel kosmische Energie in ihr Kronen-Chakra an der Schädeldecke lenken, dass sie unbeschadet schwere Eisenprofile darauf zerschlagen. Unbestätigt sind Berichte, nach denen sie das auch mit dem Wurzel-Chakra im Schritt fertigbringen. Jedenfalls stimuliert das Wurzel-Chakra nach fernöstlicher Lehrmeinung die Ausdauer. Ganz verzweifelte Marathonis stecken sich deswegen Chakra-Energiekarten in diese Region. Sie enden nach 19 Kilometern bei den Sanitätern, weil ihr Schritt aussieht wie rohes Chakrapchichi.

Und dann diese Trinkgürtel mit bis zu acht Trinkflaschen! Sie werden vorzugsweise von gläubigen Hindus getragen, die im vorigen Leben Dromedar waren. Ihre Geheimrezepturen sind geschmackliche Highlights à la ‚Reduktion von Polyesterschlüpfer-Waschwasser‘ und ‚Laufsocken-Consommé‘. Ach, wären sie doch schon im Nirwana.

„Jetzt übertreibst du“, findet Herrchen.

„Du fühlst dich natürlich vor solch abstrusen Anwandlungen gänzlich gefeit, oder?“

„Natürlich. Ach, und morgen laufen wir mal wieder im Schottenrock.“

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Zum Teufel mit dem Trainingsplan!