Marvin Running

Das Gel auf den Kopf getroffen

Läufernahrung bietet ein fruchtbares Experimentierfeld. Oder sollte ich sagen: furchtbar? Mein Palindrom dazu: ie, nie Gel!

Auch bei Herrchen funktioniert die bechleunigte Kohlenhydrataufnahme durch Kohlenhydratpulver.

Bild: Fabian Forban / pixelio.de

Kohlenhydratpulver: Vielleicht lag es ja an der Konzentration. Wie viele Esslöffel davon sollte man sich noch gleich in einen halben Liter Wasser rühren? Herrchen war‘s egal, er hat tüchtig reingeschaufelt. Nach zehn Kilometern trank er alles aus. Der Hersteller verspricht eine beschleunigte Kohlenhydrataufnahme. Das stimmt durchaus. Es dauerte nur unglaubliche 30 Sekunden, bis das Zeug unseren Magen-Darm-Trakt gestürmt und dort eine Verdauungsstampede ausgelöst hatte, in deren Folge Herrchen schreiend und keuchend ins Gebüsch galoppierte. Zum Glück waren wir nicht an der Alster unterwegs. Zuhause schauten wir nach: Nein, wir haben die Kohlenhydratbombe nicht mit Glaubersalz verwechselt. Hätte ich mir gleich denken können: Ihre Wirkung ist deutlich durchschlagender.

Energie-Riegel: Wer industriell bearbeiteten Nahrungsmitteln gegenüber eher kritisch eingestellt ist, findet im Energie-Riegel das perfekte Feindbild. Energie-Riegel sind zäh wie trockenes Fichtenharz, schmecken aber deutlich merkwürdiger. Bis man einen endlich fertiggekaut hat, ist der lange Lauf schon lange vorbei. Wer die Aufnahme über die Festtage trainieren möchte, kann ja mal beim Fernsehen eine Packung Christbaumkerzen knabbern.

Gels: Es ist so eine Sache mit diesen Geltütchen: Es ist morgens, es ist düster, es sind knapp über Null Grad. Wenn man mit klammen Fingern nach der dritten Alsterrunde die Verpackung mit den Zähnen aufreißt, ist es fast unmöglich, den gesamten Inhalt unfallfrei dorthin zu quetschen, wo er wirken soll. Im Gesicht verunfallte Reste wirken dann auf nichtlaufende Entgegenkommende bestenfalls wie die außer Kontrolle geratene Erbanlageberatung einer Samenbank. Herrchen ist das egal. Kraft für die vierte Runde geben Gels allemal. Aber kann man sie nicht irgendwie cleverer verpacken?

Hamburger Speck: Aufgeschäumter Glucosesirup ist ja fast das Gleiche wie ein Gel, dachte sich Herrchen, und steckte beim letzten Marathon ein paar Stückchen davon in die Schlüsseltasche der Lauftights. Die mit dem besonders guten Wärme- und Feuchtigkeitstransport. Nach dreißig Kilometern war das Leckerli in den Superkleber verwandelt, mit dem Boeing sonst Tragflächen an Jumbo-Jets befestigt. Nie wieder.

Bananen: Sie sind ausnahmsweise natürlich, schmecken lecker, sind aber kompliziert zu transportieren. Nur Angeber führen Sie vorne in ihren Lauftights mit sich. Richtig interessant wird es für Passanten, wenn man für einen längeren Lauf zwei oder mehr davon einsteckt.

Kuchen: Von Oma gebackener Kirschkuchen mit dicker Schokoglasur funktioniert als Laufsnack erstaunlich gut. Leider macht ihn Oma uns nicht mehr, seit sie Herrchen dabei erwischt hat, wie er ein Stück davon in einen halben Liter Wasser einrühren wollte.

Mehr von Marvin im Buchhandel - auch als Ebook für Kindle und iPad.

Bekenntnisse eines Schweinehunds:

Der kritischste Moment beim Laufen

Ernährung

Mehr Nährstoffe ins Essen

Mehr Nährstoffe ins Essen
Kleine Änderungen mit großer Wirkung: So packen Sie mehr Nährstoffe... mehr

Das Riegel-Rezept

mehr

Ernährung vor dem Wettkampf

Siege gehen durch den Magen

Ernährung vor dem Wettkampf
Optimales Carbo-Loading ist mehr als nur Pasta-Partys. Fünf... mehr

Zu viel des Guten

Ab wann sind Nahrungsergänzungsmittel schädlich?

Nahrungsergänzungsmittel
Läufer sollten auf ihre Mineralstoff- und Vitamin-Versorgung achten,... mehr