Dieter Baumann

Das Geheimnis von Usain Bolt

Im Vorbereitungstraining für den Tübinger Stadtlauf bekommt Dieter die Erleuchtung über den Fehlstart von Usain Bolt.

0909

Usain Bolt

Bild: Marco Demuth

Lauf der Woche
Dienstag, 06. September 2011
Tübingen, Sand
Tempodauerlauf: 11 Kilometer


Ich melde mich vom Dauerlauf und damit mit einer brandaktuellen Nachricht. Dem Geheimnis nämlich, warum Usain Bolt zu früh gestartet ist. Mein Zeitzeuge: Bernhard Lagat. Der kenianische US-Boy aus Tübingen war von der Leichtathletik-WM aus Daegu zurück.

Ja, er sah müde aus, Bernhard Lagat. Zum Vorbereitungstraining für den Tübingen-Stadtlauf war er direkt aus Daegu angereist. „Noch zwei Rennen“, sagt er, „in Rieti und Brüssel, dann ist er Pause“.

Noch zwei Rennen? Hallo? Und was war mit dem Stadtlauftraining? Dem eigentlichen Saisonhöhepunkt? Vielleicht glaubte Bernhard Lagat, dies gelte nicht für ihn. Wahrscheinlich sagte ihm Frieder Wenk, der Macher des Tübinger Stadtlaufes, dies wird ein „easy jog“ mit den Tübinger Freizeitläufern.

Bei der Begrüßung brachte er die Silbermedaille von Daegu mit. Also Freunde der Laufkunst, wenn jemand erst mal seine Lorbeeren der vergangenen Tage vorzeigen muss, also, im Sport ist der gestrige Tag doch schon Vergangenheit. Nichts ist vergänglicher als der Ruhm des letzten Wettkampfes. Neues Spiel, neues Glück, so lautet doch die Devise. Ja, das sagte ich ihm vor dem Start. „Du bist doch angezählt“, sagte ich und strich mir das Finisher-Shirt von Biel glatt, damit auch jeder die Aufschrift lesen konnte: „Heute greifen wir an, wir Tübinger Freizeitläufer.“ Er lächelte.

Aber ich fühlte mich gut. Ausgeruht und frisch, nach meinem langen Urlaub in Italien. Vier Wochen keinen Laufschritt, ich war ausgeruht wie noch nie in meinem Leben. Er hatte hingegen zwei harte 5.000-Meter-Läufe in den Beinen (Vorlauf/Endlauf), dazu einen Langstreckenflug. Das war meine Chance. Es ging los und zu meiner Überraschung übernahm Bernhard Lagat die Führung. Ja, auf der 11-Kilometer-Strecke ging er in die erste Reihe und führte die große Gruppe der Freizeitläufer an. Einfach so, mit einem Lächeln, fünf Minuten Schnitt.

Das war also die Taktik. Er wollte uns weich kochen, wollte das Tempo verzögern und dann spurten, hinten raus. Nach zwei Kilometer durchbrach ich seine taktischen Überlegungen und tobte nach vorne und machte richtig Druck. Es kam Bewegung ins Feld. Zwei Triathleten der Weltklasse (von damals und heute) tauchten an meiner Schulter auf und auch Bernhard Lagat ließ mich nicht allein ziehen. Doch nach 500 Metern war mein Feuerwerk beendet und ich wurde durchgereicht. Bei Kilometer acht übernahm ich die Rote Laterne. Ich war Letzter des schon stark reduzierten Feldes. Dann ein Angriff! Von wem? Ich sah es nicht. Ein Anfall aus Atemnot und Herzattacke schüttelte meinen Körper. Egal, weiter! Vorne rein! So kamen die Befehle von oben. Wo oben war, wusste ich nicht mehr genau, ich sah nur noch Lagat und die Triathleten. Lange Schritte, unglaubliches Tempo. Noch einen Kilometer. „Wir laufen doch bis zum Schluss?“, raunte mir einer zu. „Ich spurte nicht, ist doch nur ein Dauerlauf“, gab ich kleinlaut zurück und schon schossen die drei auf und davon.

Und was ist mit dem Fehlstart von Usain Bolt? Keine Ahnung, bei dem Tempo konnte ich mich nicht mehr unterhalten.


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