1.500 m - Läuferin

Corinna Harrer will ins olympische Halbfinale

Corinna Harrer lief 2012 über 1.500 Meter Bestzeit und schaffte in 4:04,30 Minuten die Olympia-Norm. Am 6. August startet sie für Deutschland in London.

Corinna Harrer

Corinna Harrer startet bei den Olympischen Spielen in London über 1.500 m. Ihr Ziel ist es das Halbfinale zu erreichen.

Bild: Dietrich John

Sie haben sich über 1.500 Meter für die Olympischen Spiele qualifiziert. War die Saisonplanung auch schon im Winter da­rauf ausgerichtet?
Nach der Leistungssteigerung letzten Sommer haben mein Trainer Kurt Ring und ich schon etwas mit den Olym­pischen Spielen gelieb­äugelt, das Hauptaugenmerk galt aber der Qualifikation für die Europameisterschaften. Im Winter konnte ich richtig gut trainieren, und so kam ich oft ins Training und meinte zum Trainer, dass ich un­bedingt zu den Olympischen Spielen möchte. Er war überraschenderweise eigentlich auch immer überzeugt, dass ich das schaffen kann, obwohl er sonst sehr zurückhaltend ist.

Sie haben sich über die letzten Jahre ­beständig weiterentwickelt, was sind ­eigentlich die Gründe für Ihren Erfolg?
Ich denke, der Hauptgrund ist ein gezieltes Aufbautraining. Ich habe mich sowohl Strecken mäßig vom Sprint zur Mittel-Langstrecke, als auch von den Trainingsumfängen her nach oben gear­beitet. Mein Trainer hat eine Planung über mehrere Jahre hinweg aufgestellt. Und wir lassen uns von nichts beirren oder von anderen beeinflussen. Den Weg, den wir wählen, gehen wir konsequent. Ein weiterer Grund ist sicherlich meine stabile Gesundheit. Zum Glück habe ich eigentlich nie Trainings-Ausfälle. Vielleicht ist auch meine mentale Stärke sehr entscheidend, ich habe keine Barrieren im Kopf.

Die Konkurrenz über die 1.500 Meter ist in Deutschland auf einmal richtig groß. Die Sujew-Schwestern ­Diana und Elina, aber auch Denise Krebs waren Ihnen zuletzt dicht auf den Fersen. Ist es Zufall, dass diese Disziplin boomt?
Etwas Zufall gehört bestimmt dazu. Aber ich denke, dass wir uns auch gegenseitig antreiben. Es heißt ja nicht umsonst: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Kommen Sie derzeit neben dem Sport auch noch zu anderen Dingen, zum Beispiel zum Studium?
Ich studiere an der Hochschule Ansbach Internationales Management. Das ist ein spe­zieller Studiengang für Spitzensportler, der sich am Sport ausrichtet. Diesen Sommer trete ich da etwas kürzer, weil sich einfach die Präsenzphasen teilweise mit Wettkampfterminen überschneiden. Aber ein paar Fächer kann ich mir gut von zu Hause aus selbst erarbeiten.

Sie sind erst 21 Jahre alt, da hätten Sie ­vermutlich auch noch die Geduld gehabt, bis zu den Olympischen Spielen 2016 zu warten. Vielleicht sind Sie dann ja über die 5.000 Meter dabei?
Auf lange Sicht ist ­natürlich auch eine Teilnahme 2016 in Rio de Janeiro geplant. Vor ­allem seitdem bekannt geworden ist, dass es da einen Privatstrand für die Athleten geben soll... Ob ich da noch die 1.500 Meter laufe, hängt davon ab, wie weit sich meine Schnelligkeit noch verbessert. Vernünftigerweise wäre der Wechsel auf die längeren Strecken irgendwann durchaus sinnvoll. Wann und ob ich tatsächlich auf längere Distanzen umsteige, will ich mir vorerst noch offenhalten.

Jetzt geht’s aber erst mal nach London. Der 1.500-Meter-Vorlauf findet am 6. August um 11.45 Uhr statt, werden wir Sie am 8. August um 19.45 Uhr noch einmal im Halbfinale sehen?
„Nur teilnehmen“ ist nicht meine Art. Ich will am Höhepunkt meine Höchstleistung bringen. Das Halbfinale ist das erklärte Ziel. Aber vielleicht gelingt mir ja eine kleine Überraschung und ich schaffe es ins Finale.

Hoffentlich finden Sie in London auch die Zeit, die einmalige ­Atmosphäre der ­Spiele zu genießen!
Darauf freue ich mich eigentlich am meisten: einfach auch mal an­dere Sportarten anzusehen. Es ist etwas Besonderes, nicht nur unter Leichtathleten zu sein.

Das Interview führte Martin Grüning.