Dieter Baumann

Botengangdauerlauf als Rezept gegen die Uhr

Dieter hat eine neue Methode ausprobiert, um Laufen ohne Uhr zu praktizieren: den Botengangdauerlauf.

Dieter Baumann: Lauf der Woche

Bild: Privat

Lauf der Woche
Mittwoch, 11. Januar 2012
Tübingen
kontrollfreier Botengangdauerlauf, ohne Uhr, mit viel Gefühl - 1:40 Stunden


Ich melde mich vom Dauerlaufen, von neuen Laufwegen und der Möglichkeit, vom Laufen nach Gefühl, ohne Uhr und Zeit. Ja, es ist ja wie eine Sucht, dieses ewige Gestoppe, überprüfen, kontrollieren.

Nun habe ich mir für den Entzug etwas Neues einfallen lassen: den Botengangdauerlauf. Alles hatte ich vorbereitet. Die Briefe für die Post, die Überweisungen der Bank und die innerstädtischen Briefe, die dank meiner Laufleistungen ohne Porto auskommen. Ja, liebe Läuferinnen und Läufer, Laufen ohne Uhr macht kreativ. Weg von ausgetrampelten Pfaden, hin zu neuen Laufwegen. Keine Vergleiche mit alten Bestmarken.

So trabte ich kurz vor Ladenschluss durch die Tübinger Nacht. Klar warf ich kurz vor dem Loslaufen, also unmittelbar davor, einen Blick auf die Küchenuhr. Es war Punkt halb. Mein erster Gang führte mich zur Post. Wegen der Schließzeiten. Noch nie hatte ich dort eine Uhr gesehen, am Mittwoch sah ich sie zum ersten Mal bewusst. Ja, sie stach geradezu in mein Auge. Gerade mal 10 Minuten Laufzeit – vorausgesetzt, meine Küchenuhr stimmt mit der „vor-der-Post-Uhr“ überein, was im Zeitalter der Atomweltzeit-Abstimmung als gegeben anzunehmen ist.

Dann lief ich zur Bank und weiter die Steinlach entlang aus der Stadt hinaus zum Finanzamt, meinem engsten Brieffreund in der Stadt. Die Uhr davor zeigte mir 25 Minuten Laufzeit. Weiter lief ich nach Derendingen – der zweite Brief. Dann war ich „lastenfrei“. Ich entschied mich, wieder zurück zu laufen – ein kurzer Blick auf die „vor-der-Post-Uhr“: 60 Minuten. Zweite Schleife: Die Wilhelmstraße hinunter, vorbei an der Mensa – die Uhr davor: 1:10 Stunden. In Lustnau bog ich in die Gartenstraße ein, meine Winterlaufrunde. Zurück in Richtung Stadt.

Dunkelheit umgab mich, alle zwanzig Meter eine Energiespar-Straßenlampe mit schummrigem Licht. Macht nichts, dachte ich. Für was brauche ich Licht? Habe ja keine Uhr dabei, um nachzuschauen wie lange, wie schnell und überhaupt, ob ich laufe. Dunkelheit und schummriges Licht also, super Stimmung. Ich hätte ewig so weiter laufen können.

Plötzlich ein Leuchten von hinten, nein, ein Lichtblitz, unglaublich grell. Wenige Sekunden später überholte mich ein Radfahrer. An seinem Rad war eine Lampe, auf seinen Helm eine zweite und auf seiner Lenkstange nochmals zwei. Was für ein Licht denke ich mir. Ohne lange nachzudenken – Sie wissen ja: wenn wir beim Laufen denken, brauchen wir unnötig viel Energie, die wir im Moment des Laufens doch viel nützlicher einsetzen können als im Kopf – also ohne nachzudenken, aus einem tief in mir sitzenden Ablaufmuster, nahm ich das Tempo auf, das Tempo des Licht spendenden Radfahrers. Was für ein Licht! Als wir in durch die Uhlandstraße fuhren/liefen, sah ich sogar auf die kleine Schulhofuhr! Soviel Licht war das. 1:35 Stunden Laufzeit. Dann begann ich zu spurten – klar, voll nach Gefühl. Es war so viel Gefühl dabei, dass ich am Licht spendenden Radfahrer vorbei laufen musste. Unter uns, der hatte keine Chance. Ein super Gefühl.

Botenganglaufwege! Eine tolle Methode, um das Laufen ohne Uhr zu praktizieren.


Bild: Kabarett Baumann

Dieter Baumann spielt Kabarett
Seine nächsten Termine:

Fr. 30.03.12 - Reinheim - "Zum Kühlen Grund" / 20 Uhr

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