Interview mit Philipp Rösler

Bewegung und Ernährung gehören zusammen

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Die Bundesregierung hat die Lebensmittel-Ampel abgelehnt. Andere Projekte sollen das Bewusstsein für gesunde Ernährung schärfen.

Bild: FDP Niedersachsen/wikipedia.de

Wie hat man sich diese Förderung für Ärzte konkret vorzustellen?
Diese Information fällt unter den Bereich der »sprechenden Medizin«, die bislang eher unzureichend honoriert wird. Für Präventionsleistungen in dieser Form gibt es bisher nicht mal eine Abrechnungsziffer. Dabei sind Gespräche, die Verhaltensänderungen erzeugen sollen, sehr aufwendig. Das weiß jeder Pädagoge. Da reichen nicht fünf Minuten nach dem Motto: »Mehr bewegen, weniger rauchen, weniger essen.« Derzeit überlegen wir gemeinsam mit den Fachleuten , wie dies künftig aussehen könnte.

Dazu würde aus unserer Sicht auch passen, dass Funktionsdiagnostiken für Übergewichtige künftig keine selbst zu bezahlenden IGEL-Leistungen mehr sind, sondern Angebote der Kassen.
Die Kassen müssen sehen, wie sie ihre über den gesetzlichen Auftrag hinaus gehende Angebote gestalten. Das ist ihre unternehmerische Entscheidung. Unser Ziel ist, dass auch die Menschen erreicht werden, die sich für Präventionsmaßnahmen überhaupt nicht interessieren.

Wir haben bedauert, dass sich die Lebensmittel-Ampel mit klaren Warnungen vor fettem, süßem oder kalorienreichem Essen nicht durchgesetzt hat. Das fällt zwar nicht in Ihre Zuständigkeit, aber die Folgen falscher Ernährung schon.
Die Bundesregierung insgesamt geht da einen anderen Weg. Wir sagen auch: Gesunde Ernährung und Bewegung sind die Kernbausteine der Prävention. Wir haben gemeinsam mit dem Ernährungsministerium das große Projekt »IN FORM« (siehe www.in-form.de), bei dem es um Aufklärung über gesunde Ernährung geht. Wir setzen hier mehr auf Verbraucherinformation als auf Verbraucherlenkung und denken auch, dass sich der Effekt einer Ampel schnell abnutzen kann.

Zum Thema Organspende, für das sich viele Läufer in Charity-Aktionen engagieren, hat jüngst der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder einen Vorschlag gemacht, nach dem jeder Bürger behördlicherseits möglichst in jungen Jahren einmal auf diese Frage aufmerksam gemacht werden soll. Wie beurteilen Sie das?
Ich begrüße es, dass das Thema Organspende bis in die höchsten Fraktionsspitzen diskutiert wird. Umfragen zufolge wären 74 Prozent der Bundesbürger zu einer Organspende bereit, aber nur 25 Prozent haben tatsächlich einen Organspendeausweis. Da gibt also offensichtlich eine Diskrepanz. Den Vorschlag von Herrn Kauder können wir nur unterstützen. Wir haben gute Erfahrungen mit einem Modellversuch in Niedersachsen, wo man bei der Führerscheinausgabe einen Organspendeausweis ausgehängigt bekommt. Das macht das dortige Innenministerium mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Diesen Modellversuch sollte man ausweiten. Insofern ist es gut, dass Herr Kauder hier nochmals einen Denkanstoß gegeben hat – genauso wie Herr Steinmeier mit seiner großartigen menschlichen Geste.

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