Baumanns Lauf der Woche

Bewegung als geschütztes Gut in die Verfassung

Bewegung für Kinder und Jugendliche gehört als geschütztes Gut in die Verfassung fordert Dieter Baumann. Sie sollte täglich in der Schule stattfinden.

StrongmanRUN

Hindernisläufe wie der StrongmanRun üben eine magische Anziehungskraft auf Jugendliche aus.

Bild: Norbert Wilhelmi

Lauf der Woche
Montag 07.01.2013
Ort: Tübingen
Verfassungsgeschützter Lauf über 40 Minuten.


Ich melde mich vom Dauerlaufen und frage mich, ob Laufen nur etwas für alte Frauen und Männer ist? 50- bis 60-Jährige sind fitter als die 20-Jährigen. Dies besagt eine neue Studie von der Deutschen Sporthochschule in Köln. War das jetzt eine Überraschung?

Wir sollten uns doch nur einmal die jungen Leute ansehen. In Tübingen laufen die Rudelweise rum. Ich sage nur Universität. Wohlgenährte – um nicht zu sagen übergewichtige - junge Leute. Die Herren tragen die Hosen an der Kniekehle – zeigen ganz modebewusst ihre Markenunterhose. Die jungen Damen, ach die Damen lassen mit ganz bauchfreien Tops Luft an ihre Hautfalten. Vielleicht sollten man die Leute einmal darüber aufklären, dass sich das Wort „bauchfrei“ nicht auf ihren Körper bezieht. Dass es viel besser aussehen würde wenn das Top länger und der Köper „Bauch frei“ wäre.

Aber lassen wir das. Zurück zum Laufen. Scheinbar besagt die Studie auch, dass die 20-Jährigen gegen Schüler (13-16 Jahre) im 1.000-Meter-Lauf keine Chance hätten. 1.000 Meter, ja, die können ganz schön lang werden. Vor allem wenn man die Hose in der Kniekehle trägt. Gut zur Ehrenrettung der 20-Jährigen muss gesagt werden, dass die 13-Jährigen ihre Hose heutzutage im Grunde gar nicht mehr tragen. Sie lassen sie hängen, kurz über dem Knöchel. Die Frage ist, warum sie überhaupt noch eine Hose tragen.

Interessanter Weise scheint das keine Auswirkungen auf die Fitness zu haben. Was könnte das bedeuten? Zunächst einmal: an der Hose liegt es nicht. Vielleicht liegt es am Training. Es ist nur so eine Vermutung: die jungen Leute trainieren zu wenig. Ich weiß, es ist eine gewagte These, aber es könnte doch sein. Ich gebe zu, das Wort Training hört sich fürchterlich an, so nach „Anstrengung“, nach „Schweiß“. Dazu noch nach „Üben“, „Disziplin“, „Verpflichtung!“ Kurzum, Training ist schrecklich.

Wir 50-Jährige haben da den Bogen raus. Wir trainieren nicht, wir laufen! Ja, Hand auf‘s Herz liebe Freunde der Laufkunst, auch wir finden das Wort Training schrecklich. Allenfalls bereiten wir uns auf „etwas“ vor. Vorbereitung über 10 Kilometer, Halbmarathon oder Marathon. Dass dies dann Training ist, ach darüber schweigen wir Experten.

Dass die Methode „Vorbereitung“ anstelle „Training“ auch bei 20-Jährige funktionieren könnte, zeigt das Beispiel „StrongmanRun“. Würde man zu einer militärischen Grundausbildung auf einem schlammigen Übungsplatz einladen, würde keine Sau kommen. Beim „StrongmanRun“ auf demselben Übungsplatz kommen tausende. Jetzt müssten wir den jungen Leuten nur noch sagen, dass eine einmalige Teilnahme außer Schmerzen wenig bringt. Grundvoraussetzung ist, dass dieses „Plagen“ beim Event nicht nur einmal pro Jahr sein sollte, sondern tägliches Üben voraussetzt.

Nur durch ein tägliches Wiederholen erleben wir uns selbst. Lernen uns kennen, erfahren was wir können und auch was wir (noch) nicht können. Grenzerfahrung, könnte ich es nennen und wir lernen auch, wie wir mit unseren Grenzen umgehen. Die Studie der Sporthochschule war gut, das Ergebnis nicht überraschend. Aber nun sollten wie damit umzugehen wie mit Training: Wir sollten etwas tun. Bewegung für Kinder und Jugendliche gehört als geschütztes Gut in die Verfassung. Es sollte täglich in der Schule stattfinden. Das wäre ein guter Beginn.



Dieter Baumann – Brot und Spiele

Bild: Ulrich Metz

Dieter Baumann spielt Theater:
Brot und Spiele, die nächsten Termine:
11.01.2013 - Herrlingen - Theaterei Herrlingen
12.01.2013 - Rottenburg - Theater am Torbogen

Kabarett-Termine
Fr. 18.01.2012 - Pfullingen - Schloss Schule / 20:00 Uhr
Mi. 06.02.2013 - Frankfurt - in der KäS / 20:00 Uhr

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Schattenhafter Lauf ins neue Jahr