Ein Siegertyp

Bernard Lagat ist noch nicht am Ziel

Er hat sportlich fast alles erreicht, wurde 2007 Doppel-Weltmeister. Trotzdem denkt Bernard Lagat nicht ans Aufhören.

Bernard Lagat title 220

Der Dauerbrenner: Bernard Lagat, hier in der Nähe seines Hauses in Tucson (USA), ist noch immer bereit für neue Abenteuer.

Bild: Michael Darter

Mit 35 Jahren sollte Bernard Lagat eigentlich zufrieden sein mit dem Erreichten. Der häufig in Tübingen trainierende Mittel- und Langstreckenläufer wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf einer kleinen Farm in Kenia auf – und wurde zum vermögenden US-Staatsbürger. Er hat Weltmeisterschafts- und Olympia-Medaillen gewonnen. Aber er hat immer noch nicht genug.

Bernard Lagat trottet langsam den kleinen Hügel hinauf. Er hat sein Sommerquartier wieder in Tübingen aufgeschlagen. Nun trabt er in ruhigem Tempo durch den Naturpark Schönbuch. Sein Laufstil ist auffallend leichtfüßig, seine Schuhe scheinen beim Laufen den Boden kaum zu berühren. Auf ­einer Karte hat er dem Autor sieben Laufrouten durch den Wald aufge­zeichnet: „Hier kannst du kilometerweit laufen und für immer verloren gehen.“ Er grinst. Es ist August. In einer Woche finden in Berlin die Weltmeisterschaften statt.

Lagat hat ­gestern ­einen letzten Test absolviert. Er lief 600 Meter in 1:20 Minuten und danach 3 x 300 Meter in 41 Sekunden. Ganz entspannt. Dasselbe Programm wie vor der WM 2007. Da wurde er Doppelweltmeister über 1.500 und 5.000 Meter. Nichts hat der 35-Jährige seitdem an Form eingebüßt.

Bernard Kipchirchir („Nenn mich Kip“) Lagat geht bereits in ­seine zwölfte Saison als Weltklasseläufer. „Normalerweise kann man dieses Niveau nicht länger als fünf Saisons halten“, sagt der 1.500-Meter-Weltrekordler Hicham El Guerrouj, der inzwischen seine aktive Lauf­karriere beendet hat. „Man fragt sich bei Bernard wirklich: Wie macht der das?“ Gute Frage. Lagats 1.500-Meter-Bestzeit (3:26:34) stammt aus dem Jahr 2001. Woher nahm er die Motivation, nach der olympischen Silbermedaille über 1.500 Meter (hinter El Guerrouj) weiterzumachen? Und erst recht nach dem Doppelsieg bei den Welt­meisterschaften 2007?

Als Lagat schließlich 2008 bei den Olympi­schen Spielen in Peking das 1.500-Meter-Finale verfehlte, dachten alle, dass der Athlet den richtigen Zeitpunkt zum Absprung verpasst hätte. Jetzt macht er sich seinen guten Ruf kaputt, dachte man, und selbst Insider schüttelten den Kopf über so viel Unvernunft. Doch dann strafte er alle Skeptiker Lügen, startete 2009 wieder furios in die Saison, und man ahnte, dass er durchaus realistische Chancen haben würde, in Berlin seine WM-Titel zu verteidigen.

Mehr noch, sein Manager James Templeton sprach sogar von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in London – und die sind wohlgemerkt erst 2012. Unglaublich. Hat dieser Läufer ein Gen der Unsterblichkeit? Das zu hinterfragen, war dem Autor mehrere Besuche wert.

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