Interview

Berlin-Marathonsieger Makau will den Weltrekord

Patrick Makau, der schnellste Marathonläufer 2010, spricht im Interview von seinem Angriff auf den Marathon-Weltrekord und über sein Training.

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Sieg im Dauerregen: Patrick Makau gewinnt den Berlin-Marathon 2010.

Bild: photorun.net

Patrick Makau war der schnellste Marathonläufer des Jahres 2010. Der 26-jährige Kenianer siegte in Rotterdam mit 2:04:48 Stunden. Damit ist er der viertschnellste Läufer aller Zeiten. Im September gewann er den Berlin-Marathon in kaum schwächeren 2:05:08 Stunden. Patrick Makau, der am 17. April beim London-Marathon starten wird, dürfte in der Lage sein, in einem entsprechenden Rennen den Weltrekord von Haile Gebrselassie (Äthiopien/2:03:59) zu brechen.


Sie haben nach dem Berlin-Marathon gesagt, dass dies das beste Rennen Ihrer Karriere gewesen ist. Was wäre möglich gewesen, wenn in Berlin gute Wetterbedingungen statt Dauerregen geherrscht hätten?

Patrick Makau: Ich denke, der Regen hat mich rund eineinhalb Minuten gekostet ...

… das wäre Weltrekord gewesen …

Ja – ich glaube, dass es für mich möglich ist, eines Tages den Weltrekord von Haile Gebrselassie zu brechen. Aber man muss auch sehen, dass die meisten Läufer – zum Beispiel Paul Tergat und Haile Gebrselassie –, die den Marathon-Weltrekord gebrochen haben, über 30 Jahre alt waren als sie das schafften. Sie brauchten mehrere Marathonrennen, um schließlich die Bestzeit zu erreichen. Ich will auch erst noch etwas mehr Erfahrung sammeln, bevor ich den Weltrekord erneut angreife. Ich denke, ich brauche noch ein oder zwei Marathonrennen. Dann muss ich mein Training noch etwas verbessern, um schließlich in einer guten Position zu sein für einen Angriff auf den Weltrekord.


Sie haben in Ihrer erst gut vierjährigen internationalen Karriere schon einige Situationen erlebt, in denen es nicht glatt lief. Ihr erstes Rennen in Europa liefen Sie Anfang 2006 in Tarsus in der Türkei. Dort verpassten Sie den Start, weil Sie nicht richtig eingewiesen wurden, dann ging während des Rennens ein Schnürsenkel auf. Beim Berliner 25-km-Lauf 2006 waren Sie irritiert und rannten kurz vor dem Ziel zunächst in die falsche Richtung. Beide Male gewannen Sie trotzdem. Manch andere Läufer hätten speziell bei dem Rennen in der Türkei resigniert, Sie nicht. Woher kommt diese enorme Willensstärke, mit der sie auch verschiedene Sprint-Entscheidungen bei großen Rennen für sich entschieden haben?

Vielleicht hätten andere in dieser Situation tatsächlich aufgegeben. Aber man muss mental immer stark sein. Ich habe diese Willensstärke in Kenia gelernt. Dort trainiert man in einer großen Gruppe, in der man sich andauernd durchsetzen und behaupten muss. Das ist sehr hart, aber nur so hat man eine Chance. Wer das nicht kann, wird sich nicht durchsetzen können und es nicht schaffen. Wenn man mental stark ist, dann kann man in einem Wettkampf auch gut in einer Gruppe laufen.


Haben Sie in Ihrer Kindheit schon daran gedacht, dass Sie Läufer werden könnten?

Ich hörte als Kind zwar von den kenianischen Läufern, aber ich hätte damals nicht gedacht, dass ich selber mal ein Weltklasseläufer werden könnte. Ich bin als Kind auch gar nicht viel gelaufen. Meine Eltern sind Farmer und ich bin in Manyanzaani Tala, 40 Kilometer von Nairobi entfernt, aufgewachsen. Dort lebe ich heute noch. Die erste Schule, auf die ich ging, war ganz in der Nähe. Das änderte sich dann aber, als ich die Schule wechselte. Als 10-Jähriger und die folgenden drei Jahre betrug meine Wegstrecke acht Kilometer. Da ich zum Mittagessen nach Hause kam, bin ich also täglich 32 Kilometer gerannt.


Wann begannen Sie dann mit richtigem Training?

Die Begeisterung für den Laufsport erfasste mich erst in der Oberschule. Da war ich bereits 18 Jahre alt. Ich startete bei Wettkämpfen – auch auf nationaler Ebene – und hatte Erfolg. Es war mein Ziel, ein besseres Leben führen zu können. Und ich sah, wie viel Geld im Straßenlauf zu verdienen ist. Der frühere Chicago-Marathon-Sieger Patrick Ivuti und der Rotterdam-Gewinner von 2005, Jimmy Muindi, lebten in der Gegend. Ich habe gesehen, dass es ihren Familien durch ihre Erfolge besser ging. Ich hörte ihre Namen im Radio und las sie in den Zeitungen – ich wollte so werden wie sie. Aber ich habe erst die Schule beendet und mich dann ab 2004 auf das Laufen konzentriert.


Es war dann Jimmy Muindi, der Ihnen Starthilfe gab.

Ja, Jimmy sah mich bei einem Schulwettkampf 2004 und bot mir danach seine Hilfe an. Er zeigte mir, wie ich am besten trainiere und mich verbessern kann. Auch Paul Tergat wurde zu einem Vorbild für mich. Er lebt ebenfalls in meiner Nähe und wir trainieren heute noch manchmal zusammen. Ich hoffe, dass ich eines Tages so erfolgreich sein werde wie Paul.

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