Dieter Baumanns Lauf der Woche

Bergab geht immer!

Dieter hat das Bergablaufen nie wirklich gelernt. Beim Halbmarathon in Gerlingen wurde das ihm schmerzlich bewusst.

Dieter Baumann

Dieter Baumann beim Training

Bild: privat

Lauf der Woche
Sonntag 15.04.2012
Ort: Gerlingen
Halbmarathon – halb stolpernd ins Ziel


Ich melde mich vom Dauerlaufen! Mal wieder ein Klassiker. Wobei ich höre sie schon rufen: Halbmarathon ist doch kein Klassiker. Gut, dann eben nur ein halber Klassiker. Gerlingen, Solitude- Halbmarathon. Tolle Strecke rund um die Bärenseen – ein Landschaftslauf – rauf und runter.

Bevor ich nun die liebreizende Landschaft rund um Stuttgart zu sehr im Detail versuche zu schildern, muss ich vorweg eine kleine Geschichte erzählen. Vor vielen Jahren reiste ich mit dem britischen Marathonläufer Richard Nerurka nach Kenia. Mit dabei war sein berühmter Coach: Bruce Tulloh. Ja, alte Kämpen wie Harald Norpoth kennen den Briten gut. Europameister war er, barfuß! – später dann Laufguru (das ist er immer noch) - durchquerte die USA – laufend! Später war er Coach von vielen britischen Langstreckenläufern.

Dieser Mann also, Bruce Tulloh, brachte mir in Kenia das Bergablaufen bei. Zumindest hat er es versucht. Zwar komme ich von der Schwäbischen Alb, kann auch perfekt berganlaufen (und wie perfekt ich das kann, ja am Berg, da kann ich Druck machen wie ….ach sie wissen schon), aber bergablaufen konnte ich nie. Bruce Tulloh zeigte mir wie ich die Arme ausbreiten sollten, weit und groß und breit wie ein Vogel im Wind, die Schultern locker lassen, und in dieser Haltung sollte ich mich das Bergabstück hinunter „treiben“ lassen.

Der Brite lief voraus (barfuß! – ja er war und ist ein Guru) breitet seine Arme weit aus und „flog“ an mir vorbei den Berg hinunter. Ich probierte es aus, in Kenia, denn dort kannte mich keiner. Stellen sie sich einmal vor, ich würde am Spitzberg die Arme weit auseinander reisen und mich den Berg wie ein Vogel im Wind hinunter „treiben“ lassen. Noch dazu in den Schultern locker, barfuß! So was kann ich nur im Ausland machen. Gut, seit dieser Zeit habe ich es nicht mehr gemacht und ergo: ich habe das Bergablaufen nie wirklich gelernt.

Die liebreizende Landschaft um Stuttgart hörte liebreizend zu sein auf, als es die letzten vier Kilometer des Soleduite Halbmarathons bergab ging. Ich hatte einen tollen Laufpartner gefunden. Wir liefen (ganz nach Gefühl!) locker leicht. Wir rollten das Feld von hinten auf (ohne Zeit!). Alles war für einen Endspurt gerichtet, da ging es runter. Und wie! Freier Fall, wirklich, also fast. Auf jeden Fall zog der junge Kerl einfach davon. „Weißt Du, in meinem Alter ist bergab einfach schlecht,“ rief ich ihm noch hinterher.

Und wissen sie was? Er breitete seine Arme nicht einmal aus. Nein, er lief ganz normal. Das gibt es doch gar nicht, dachte ich. Ich wollte schon ganz nach der Lehre von Tulloh die Arme auseinanderreisen, um dem Kerl wie ein Vogel hinterher zu fliegen, da hörte ich hinter mir Schritte. „Hallo!“, sagte ich zu mir, „mach dich nicht lächerlich“. Wie sieht das denn aus? Da schoss auch schon der nächste an mir vorbei. Ja, die jungen Kerle, bergab geht immer. Gott sei Dank gab es noch zwei Kilometer vor Schluss einen letzten kleinen Anstieg – wirklich winzig, kaum der Rede wert. Einen dieser Jungspunde habe ich wieder eingeholt. Gelernt ist eben gelernt, als Älbler. Später beim Studieren der Ergebnisliste sah ich dann, dass einer dieser Jungspunde, Werner Weber, in der M50 gelistet war. Gibt es zu lieber Werner, du warst beim Tulloh im Trainingscamp.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Dreh dich nicht um!