Dieter Baumann

Auslaufen lohnt sich

Als Dieter Baumann nach einem Berglauf zum Auslaufen antritt, wird er mit der Erfüllung eines Kindheitstraums belohnt.

Dieter Baumann

Dieter Baumann auf seiner alten Jugendliebe – einem roten Porsche.

Bild: privat

Lauf der Woche
Samstag, 25. September 2010
Kassel
Auslaufen, 5 Kilometer


„Und wie komme ich wieder zurück?“, wollte ich von einem Läufer wissen, als wir oben am Herkules-Denkmal nass geschwitzt – und zugegeben auch ein wenig kaputt – heißen Tee tranken. Der Berglauf von Kassel hinauf zum weit sichtbaren Wahrzeichen der Stadt war kurz und knackig, die Mehrzahl der Teilnehmer des kleinen, fast familiären Laufevents war schon im Ziel und es herrschte die wohlbekannte heitere Stimmung. An jeder Ecke wurde über das Rennen und die Leistung geschnattert: „Na, wie ging`s?“ „Oh, letzte Woche war es besser.“ Und weiter: „Und bei dir?“ „Ganz schlecht – das steile Stück, hat der Aufenanger doch letzte Woche erst aufgeschüttet. Auf jeden Fall war der Berg im letzten Jahr noch nicht da.“ Ich selbst war in Sorge, denn nirgendwo entdeckte ich Busse zur Fahrt zurück in die Stadt. „Wir laufen“, bekam ich von meinem Kollegen zu hören. „Du läufst doch sowieso nach dem Rennen immer aus.“ Auslaufen? Seit sieben Jahren laufe ich nach keinem „whatever“ aus.

Das, liebe Freunde der Laufkunst, ist Geschichte. Nach einem Rennen bin ich heute so kaputt, dass ich nur noch zur Dusche auslaufe. „Auslaufen? Aber das sind doch bestimmt sechs Kilometer?“ „Ich kenne eine Abkürzung, dann sind es keine fünf“, bekam ich zur Antwort. Im Nu sammelten sich sechs, sieben Mann und wir setzten uns in Bewegung. Steil hinunter ging es. Treppenstufen machten gleich zu Beginn ein wirkliches Laufen kaum möglich. Im zweiten Teil bewegten wir uns schließlich im leicht abschüssigen Gelände. Wir liefen auf kleine Waldpfade und machten das Auslaufen dann doch noch zum Vergnügen und tatsächlich spürte ich, dass Auslaufen immer noch sein physiologische Berechtigung hat.

Das Auslaufen hat sich sichtlich gelohnt.

Bild: privat

Kurz vor Beginn der Stadt bogen wir um eine enge Kurve, der Wald lichtete sich, eine kleine Lichtung tat sich auf und da stand sie, meine Jugendliebe. Ein Traktor. Ein alter roter Porsche. Früher, in meiner Jugend verbrachte ich manchen Sommer auf einem alten Allgaier. Ich musste anhalten. Ein junger Mann kam mit Motorsäge aus dem Unterholz. Ein Städter, der die Zufriedenheit im Wald sucht. Wir Läufer verstehen das. Klar musste ich Probesitzen. Ein Gefühl wie in meiner Jugend, wirklich. Nur langsamer bin ich geworden, beim Laufen natürlich, aber egal.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Genießen oder Tempo machen

Auf geht's

Steigungen und Bergläufe

Steigungen und Bergläufe
Wer Steigungen ins Training einbaut, profitiert. Wir zeigen Ihnen, was... mehr