Dieter Baumann

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Auch ein Olympiasieger leidet im Sommer mal an "Aufschieberitis". Aber Dieter Baumann trotzt Trägheit und Wetter.

Dieter Baumann

Dieter Baumann ist gerne unterwegs rund um Tübingen.

Bild: Privat

Lauf der Woche
Mittwoch, 09. Juni 2010
Tübingen
langsamer Dauerlauf


In der vergangenen Woche wollte ich Kraft tanken, sprich: weniger Laufen. Schließlich stand der Halbmarathon in Leverkusen auf meiner Agenda. Regeneration! Endlich kein Training!

Na, na, liebe Freunde der Laufkunst, so ist das natürlich nicht gemeint. 30 Minuten Dauerlaufen geht doch immer und ist nun wirklich kein Training. Am Mittwoch vergangener Woche wollte ich zum Traben gehen. Zeitfenster: am Vormittag. Aber irgendwie kam ich nicht so in Schwung. Lag es vielleicht am schwülheißen Wetter? Keine Ahnung, auf jeden Fall trödelte ich im Büro herum, dann traf ich beim Einkaufen in der Stadt einen alten Kumpel (eine schnelle Tasse Kaffee am Markt) und schon war es nach 12 Uhr. Kein Traben, kein Nichts, das Zeitfenster fürs Laufen war vorüber.

Dann gehe ich eben am Abend raus, beschloss ich. Doch Mittwochabend ist ein gesetzter Termin: Tempotraining meiner Jungs und Mädels. Macht doch gar nichts, dann laufe ich beim Auslaufen mit und hänge noch was an. Beim Dauerlaufen muss man ja nicht immer einen Schönheitspreis für die tollste Strecke gewinnen. Hauptsache bewegt und geschwitzt.

Apropos Schwitzen: Die Hitze und Schwüle nahm bis zum Nachmittag noch zu und klar entlud sich das ganze in einem gewaltigen Gewitter, wie immer pünktlich zum Tempotraining. Wir verschoben den Start und tatsächlich waren eine Stunde später ideale Bedingungen. Die Luft abgekühlt und voller Sauerstoff, ein lauer Sommerabend, perfekt also für die Tempoläufe. Natürlich bin ich nicht mit den Jungs und Mädels ausgelaufen. Wichtige Gespräche am Rande der Bahn…. Ich ging nach Hause, ich war müde, hatte Hunger…

Erst um 21:30 Uhr beschloss ich, meine Laufschuhe anzuziehen. Langsam trabte ich am Neckar entlang, dann hinein in den Wald, den Berg hinauf. Noch immer dampfte der Wald vom Gewitterguss. Ich lief sehr langsam, dachte an nichts, die Luft war kühl und frisch. Hie und da stieg eine Nebelwolke zwischen den Bäumen auf. Niemand war mehr unterwegs. Erfrischt – wie von einer kalten Dusche - kam ich nach Hause. Wundervoll.

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Zeitsprung im Knast