Neue Dopingfälle

Äthiopiens Läufer im Fokus des internationalen Dopingskandals

Äthiopiens Läufer rücken erstmals in den Fokus des internationalen Dopingskandals. Offenbar zu unrecht verdächtigt wurde Äthiopiens Marathon-Weltklasseläufer Tsegaye Mekonnen.

Äthiopiens Marathon-Weltklasseläufer Tsegaye Mekonnen

Offenbar zu unrecht verdächtigt wurde Äthiopiens Marathon-Weltklasseläufer Tsegaye Mekonnen. Das Foto zeigt ihn bei seinem Sieg in Dubai 2014.

Bild: photorun.net

Äthiopiens Läufer rücken erstmals in den Fokus des internationalen Dopingskandals. Nachdem zunächst die positive Dopingprobe der aus Äthiopien stammenden und für Schweden startenden 1.500-m-Mittelstreckenläuferin Abeba Aregawi bekannt geworden war, gibt es nun zumindest einen weiteren prominenten Dopingfall aus dem ostafrikanischen Land: Unter Dopingverdacht steht Endeshaw Negesse, der 2015 den Tokio-Marathon gewonnen hatte. Wirbel gibt es zudem um Äthiopiens Junioren-Marathon-Weltrekordler Tsegaye Mekonnen. Verschiedene internationale Medien berichteten, dass der Läufer positiv getestet worden sei, dies wurde jedoch dann wieder dementiert. Berichten zufolge sollen jedoch noch weitere Dopingfälle in Äthiopien folgen.

Den Wirbel um Tsegaye Mekonnen löste offenbar ein holländischer Journalist aus, der veröffentlichte, dass der 20-Jährige positiv getestet wurde. Dabei sollte es sich um das Mittel Meldonium handeln, das relativ neu auf der Dopingliste steht und auch bei Abeba Aregawi sowie aktuell bei der russischen Tennisspielerin Maria Sharapova nachgewiesen wurde. Meldonium soll ausdauerfördernd wirken.

Im Fall von Mekonnen gab es keine offizielle Bestätigung. Der Journalist zog jedoch seinen Beitrag wieder zurück und soll sich, so berichtet der internationale Leichtathletik-Online-Dienst EME-News, beim Manager von Mekonnen, dem Italiener Gianni Demadonna entschuldigt haben. Mekonnen war vor zwei Jahren beim Dubai-Marathon ein sensationelles Debüt über die 42,195-km-Distanz gelaufen und hatte mit 2:04:32 Stunden einen inoffiziellen Junioren-Weltrekord aufgestellt (der internationale Leichtathletik-Verband IAAF führt im Juniorenbereich keine offiziellen Weltrekorde über die Marathondistanz). Nach einem fünften Platz beim London-Marathon 2014 hatte Mekonnen Verletzungsprobleme. Doch in Dubai meldete er sich jetzt im Januar mit Rang drei in 2:04:46 zurück. Der Youngster soll im April den Boston-Marathon laufen.

Endeshaw Negesse ist der Sieger des Tokio-Marathons 2015. Er gewann damals in 2:06:00 vor dem Olympiasieger Stephen Kiprotich (Uganda). Der 27-jährige Negesse hat eine Marathon-Bestzeit von 2:04:52. In Düsseldorf war er 2014 Zweiter mit 2:08:32. Während er in diesem Jahr bisher noch nicht gelaufen ist, steht er auf der Startliste des London-Marathons im April. Bei Negesse soll Meldonium nachgewiesen worden sein.

Währenddessen wurde eine weitere 1.500-m-Läuferin positiv getestet. Es handelt sich um die Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 2012 in London: die Türkin Gamze Bulut. Sie war damals völlig überraschend hinter ihrer Landsfrau Asli Alptekin, die wegen Dopings gesperrt ist, Zweite. Die damals erst 19-jährige Gamze Bulut verbesserte sich im Olympiajahr 2012 auf 4:03,42 Minuten, nachdem sie zuvor einen persönlichen Rekord von lediglich 4:18,23 hatte. Das 1.500-m-Finale von London entpuppt sich im Nachhinein als Farce: In der Zwischenzeit wurden jetzt schon sechs Läuferinnen positiv getestet, darunter vier der ersten fünf! Aus den Top Fünf ist lediglich Maryam Jamal (Bahrain) nicht mit einer positiven Dopingprobe belastet. Die Türkinnen Alptekin und Bulut hatten vor Olympia in London auch bei den Europameisterschaften in gleicher Reihenfolge Gold und Silber gewonnen. Kommt es zu einer Sperre von Bulut, würde die deutsche Läuferin Diana Sujew (Eintracht Frankfurt) von Platz drei sogar noch auf Rang zwei rücken, nachdem sie erst vor einigen Tagen durch die Dopingsperre von Anna Mishchenko (Ukraine) auf den Bronzeplatz vorgerückt war. Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) würde dann in einer neuen Reihenfolge Fünfte sein.