Dieter Baumann

2:32 Stunden während Guttenberg ausstieg

Dieter Baumann empfiehlt dem zurückgetretenen Verteidigungsminister Guttenberg einen Dauerlauf von zwei Stunden.

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg

Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg trat während Dieters "Lauf der Woche" vom Amt zurück.

Bild: Peter Weis / Wikipedia

Lauf der Woche
Dienstag, 01. März 2011
Tübingen
langer Dauerlauf - 2:32 Stunden


Ich melde mich wieder einmal aus dem Wald. Am Dienstag war meteorologischer Frühlingsbeginn. Ja, und tatsächlich lachte die Sonne. Aber nicht deshalb machte ich einen langen Dauerlauf, nein, Freunde der Laufkunst, mein Training ist nicht abhängig vom Wetter, sondern von Biel.

Als ich so durch den sonnendurchfluteten Schönbuch trabte und ein paar Hirsche am Wegesrand faul in der Sonne lagen, trat zur selben Stunde unser Herr Verteidigungsminister Guttenberg vor die Presse, um seinen Rücktritt bekannt zu geben.

Ich ahnte nichts von diesen geradezu historischen Begebenheiten, lief am Schloss Roseck vorbei, war inzwischen zwei Stunden unterwegs und dachte…, klar, an Biel. An die Nacht der Nächte. Und immer noch mache ich den Fehler, dass ich mir diesen 100-Kilometer-Lauf als Ganzes vorstelle. Wie schaffe ich das nur? Diese Frage geht mir im Kopf 'rum. Doch nach zwei Stunden Laufen ist dieser Gedanke Blödsinn, weil es für mich völlig unmöglich ist, mir vorzustellen, dass ich noch weitere sieben Stunden laufe.

Ähnlich ging es Guttenberg. Auch er konnte sich nicht mehr in seinem Amt vorstellen. Seine Begründung war schwach, ließ er doch seine gefälschte Doktorarbeit weitgehend unerwähnt, doch sein Schritt war konsequent und gut. Er habe keine Kraft mehr, sagte er sinngemäß. Saft- und kraftlos also am Streckenrand. Ausgestiegen!

Nach zwei Stunden und zwanzig Minuten, kurz vor den Toren Tübingens, entschied ich mich nicht fürs Aussteigen, sondern für eine Zusatzschleife. Dazu musste ich allerdings den steilen Spitzberg „erklimmen“. Acht Minuten hinauf. Laufen war das nicht mehr. „Das gibt dir Kraft für Biel“, redete ich mir ein. Wie so oft nehme ich mir vor, für Biel in Etappen zu denken. Die erste Stunde einrollen, dann bis Halbmarathon, Spannung aufbauen bis zur Marathondurchgangszeit, ein weiteres Zwischenziel: die Fünfzig. So muss ich es machen um anzukommen.

Im Gegensatz zu Guttenberg muss ich beim Laufen nicht aussteigen. Ich darf auch das Tempo reduzieren, darf gehen, essen und sogar ruhen. Entschleunigung heißt die Devise.

Lieber Herr Guttenberg, kaum zurückgetreten werden Sie schon wieder getrieben – zum Comeback. Nun ist Politik kein Lauf, aber denken Sie immer daran: auch Sie könnten das Tempo reduzieren. Muss es denn immer volle „Kischde“ sein?

Zur Therapie empfehle ich Ihnen einen Dauerlauf von zwei Stunden. Dann die Entscheidung zu einer Zusatzschleife: den Spitzberg hoch. Und ich sage Ihnen, von volle „Kischde“ kann keine Rede mehr sein. Sie werden oben ankommen, langsamer als gewohnt, aber „so what?“




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