Haile Gebrselassie

"Wir leben in Äthiopien - wozu brauchen wir Doping“

Haile Gebrselassie sprach anlässlich der Verleihung des "Lifetime Achievement Award" über Äthiopiens Abschneiden in Rio, Doping und den Athen-Marathon.

Haile Gebrselassie

Haile Gebrselassie wurde vom internationalen Straßenlauf-Verband AIMS in Athen für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Bild: AIMS

Wo immer Haile Gebrselassie auftaucht, ist die Meinung des zweifachen 10.000-m-Olympiasiegers, vielfachen Weltmeisters und Weltrekordlers sehr gefragt. Das war auch in Athen der Fall, wo der Äthiopier im Rahmen des Marathons vom internationalen Straßenlauf-Verband AIMS mit dem "Lifetime Achievement Award" geehrt wurde.

„Ich bin sehr stolz, diese Auszeichnung hier in Athen erhalten zu haben“, erklärte der Ausnahme-Läufer, der in seiner Karriere auch zwei Marathon-Weltrekorde aufgestellt hat. Nachdem Haile Gebrselassie seine aktive Karriere schon vor einiger Zeit beendet hatte, wurde er vor kurzem zum Präsidenten des äthiopischen Leichtathletik-Verbandes gewählt.

„Griechenland ist ein wunderbares Land und Athen der Geburtsort des Marathons - deswegen kommen die Läufer hierher, um den Marathon zu laufen.“ Immer diplomatisch, antwortete Haile Gebrselassie auch entsprechend auf die Frage, ob nicht jeder ambitionierte Marathonläufer zumindest einmal im Leben den Athen-Marathon laufen sollte. „Natürlich, mich eingeschlossen. Ich möchte gerne diesen Marathon laufen, an der Startlinie stehen und die Atmosphäre spüren. Aber ich kann nichts versprechen. Wir werden sehen, man weiß nie.“

Sein aktuelles Ziel ist es, als Verbandspräsident die äthiopische Leichtathletik wieder erfolgreicher zu machen. In den vergangenen Jahren waren die Äthiopier wenig konstant und liefen immer wieder hinter den Kenianern her. „Ich muss sicher einiges umstrukturieren und muss entscheiden: was ist gut und was geht nicht. Ich weiß, was die Athleten benötigen und weiß auch, was der Verband tun muss.“

Vor den Olympischen Spielen wurde speziell der Nominierungsprozess kritisiert. So gab es zum Beispiel Unverständnis, dass Superstar Kenenisa Bekele nicht für den Marathon nominiert wurde. „Diejenigen, die die Nominierung vornahmen, wussten nicht Bescheid. Dafür haben wir einen Preis bezahlt. Rio war schlecht für uns“, erklärte Haile Gebrselassie.

Auch das Dopingproblem, das in Äthiopien ebenfalls eine Rolle spielt, spricht der neue Verbandspräsident an: „Ich kann das nicht innerhalb eines Jahres lösen, aber wir müssen unseren Sport säubern. Wir leben in Äthiopien - wozu brauchen wir Doping“, sagt Haile Gebrselassie.

Immer noch sehr fit aussehend, blickte Haile Gebrselassie in Athen noch einmal auf seine außergewöhnliche Karriere zurück. „Die Straßenrennen haben mir immer viel Spaß gemacht“, sagte der viermalige Berlin-Marathon-Sieger. „Aber mein bestes Rennen bin ich bei meinem 10.000-Meter-Sieg bei Olympia in Sydney 2000 gelaufen. Mein schlechtes Rennen war der New York-Marathon 2010, bei dem ich ausstieg.“

Immer wird auch Haile Gebrselassie die Frage gestellt, ob und wann im Marathonlauf die Zwei-Stunden-Barriere fallen könnte. Der aktuelle Weltrekord des Kenianers Dennis Kimetto steht bei 2:02:57 Stunden. Seine Meinung ist unverändert: „In der Zukunft wird es möglich sein, unter zwei Stunden zu laufen. Sicher nicht im nächsten Jahr, aber ich denke in sieben bis zehn Jahren.“