Baumanns Lauf der Woche

"Orca" Baumann auf Rekordjagd im Bodensee

Dieter Baumann soll als Schwimmer in Rekordzeit den Bodensee durchqueren. Aber keine Sorge: Alles ist nur ein böser Traum.

Schwimmer

In seinem Traum durchquert Baumann den Bodensee. 64 Kilometer, ohne Neoprenanzug.

Bild: iStockphoto.com / Allen Krughoff

Lauf der Woche
Freitag 31.05.2013
Ort: Bodmann am Bodensee / Campingplatz
60 Minuten Dauerlauf durch den Bodensee


Ich melde mich vom Dauerlaufen mitten aus dem Bodensee mit dem Hilferuf: „Der Orca ist los". Liebe Freunde der Laufkunst, ich hatte einen fürchterlichen Traum. Ich träumte, dass ich den Bodensee durchquerte. Schwimmend. Es war ein Rekordversuch. Von Bodmann bis Bregenz, 64 Kilometer, ohne Neoprenanzug. Normalerweise ist das ja ein Kinderspiel. 64 Kilometer schwimmen gehört für uns Läufer zum Aufwärmprogramm. Kindertraining. Wer einmal die 100 km von Biel überlebt hat, spaziert quasi durch den Bodensee. Mit diesen Gedanken ging ich ins Wasser.

Aber ich wollte es nicht. Einen Tag vor meinem Rekordversuch hatte ich einen lautstarken Streit mit meinem Manager. Klar hatte ich auch einen Manager. Als Ultraschwimmer im Topbereich hat man einen Manager. Im Traum hieß er Halder. Und dieser Halder hatte schon eine Woche vor dem Rennen zur großen Pressekonferenz eingeladen und alle waren sie gekommen: die Tageszeitungen, das Fernsehen sogar RUNNERSSWIM war mit dem Experten Albatros angereist. Und bei dieser Pressekonferenz, ich selbst war nicht eingeladen worden, beantwortete mein Manager Halder alle Fragen. Stellvertretend auch die, die an mich gerichtet waren. „Von seinen Schwimmfähigkeiten her kann der „Orca“ es schaffen“. Orca! Ja, er nannte mich Dieter „Orca“ Baumann. „Der Orca ist zwar nicht der schnellste Schwimmer, doch im mentalen Bereich der Konkurrenz weit überlegen.“ So sagte es mein Manager.

Ich war nicht einverstanden. Schwimmen? Durch den Bodensee? Ich solle mich nicht so anstellen, meinte Manager Halder beim großen Streit einen Tag vor dem Rennen. Die Medien sprängen voll auf das Thema an und wenn ich nicht an den Start gehe, dann werde er morgen vier andere finden, die das gerne machen.

Er hatte für alles gesorgt. Sogar der Motivationsguru Löör war mit im Boot. Drei Boote sollten mich begleiten. In einem saß Löör, im zweiten die Medienvertreter um Albatros und im dritten Boot saß eine Jury, die kontrollieren sollte, ob alles regelkonform ablief. Auf keinen Fall durfte ich mich festhalten, nicht einmal ein Boot berühren durfte ich. Der Vorsitzende dieser Jury war Heiner Geißler. Kurz bevor ich ins eiskalte Wasser ging, meinte er augenzwinkernd, „Orca Baumann, immer schön oben bleiben“.

An das Schwimmen konnte ich mich nach dem Aufwachen gar nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, als ich zu nahe an ein Begleitboot kam, dass Heiner Geißlers väterliche Stimme an mein Ohr drang: „unten bleiben“. Dem Motivationsguru Löör ist auch kein Vorwurf zu machen. Mit dem Satz von Nietzsche: „Wer sich stets zu viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung. Gelobt sei, was hart macht!” versuchte er mich über Wasser zu halten. Und dann plötzlich ging ich unter und bin aufgewacht. Immer noch lag ich im Zelt am Campingplatz in Bodmann. Seit zwei Tagen regnet es ununterbrochen – beim gestrigen Dauerlauf wäre ich beinahe im Wald ertrunken. Heute reise ich ab.

Laufen Sie mit Dieter Baumann bei den KKH-Läufen 2013:
So. 26.05. – Kassel
So. 02.06. – Köln
Sa. 08.06. – Schwerin
So. 09.06. – Hamburg
So. 16.06. – Regensburg
So. 23.06. – Hannover

www.dieterbaumann.de

Dieter Baumann: Lauf der Woche:

Dauerlauf statt Kettensäge