Irina Mikitenko

„London ist ein Heimspiel“

Irina Mikitenko startet am kommenden Sonntag beim London-Marathon. Das große Interview mit der deutschen Marathon-Rekordlerin vor dem Mega-Event.

Irina Mikitenko

Zweimal hat Irina Mikitenko bereits den London-Marathon gewonnen.

Bild: www.photorun.net

Irina Mikitenko wird am kommenden Sonntag beim London-Marathon an den Start gehen. Die 39-jährige Läuferin des SC Gelnhausen hat den hochkarätigsten City-Marathon der Welt bereits zweimal gewonnen (2008 und 2009). Am Ostersonnabend lief die deutsche Marathon-Rekordlerin (2:19:19 Stunden) ein überzeugendes Testrennen über 10 km und wurde in Paderborn mit 31:44 Minuten Zweite. Vor ihrer Rückkehr in die britische Metropole gab Irina Mikitenko das folgende Interview:

Nirgendwo anders sind Sie so oft Marathon gelaufen wie in London. Am Sonntag starten Sie zum fünften Mal dort. Ist das inzwischen schon eine Art Heimspiel?

Irina Mikitenko: Ja, der Virgin London-Marathon ist in der Tat ein Heimspiel für mich. Es gibt immer Wettkämpfe, die man besonders gerne macht – das Rennen in London gehört dazu. Es ist der Marathon, bei dem ich alles kenne. Ich weiß im Detail, wie die Tage vor dem Rennen ablaufen und kann mich darauf verlassen, dass der Marathon perfekt organisiert ist. Zudem habe ich natürlich sehr schöne Erinnerungen an London, denn hier habe ich 2008 meinen ersten Marathonsieg gefeiert. Auch viele Zuschauer kennen mich. Jedes Jahr werden es mehr und mehr, die mich persönlich anfeuern. Und schließlich passt mir auch das Klima sehr gut. Ich fahre deswegen immer mit einem guten Gefühl nach London.

In London ist die Konkurrenz so stark wie bei keinem anderen City-Marathon. Zehn Läuferinnen gehen mit Bestzeiten von unter 2:23 Stunden an den Start. Mit welchen Zielen gehen Sie in solch ein Rennen – wie werden Sie sich taktisch verhalten?

Irina Mikitenko: London ist in der Tat seit Jahren das bestbesetzte Rennen. Die Felder sind oft sogar besser als bei Welt- oder Europameisterschaften. Dort laufen wirklich die Besten. Am Sonntag geht es für viele Athletinnen um die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Und es gibt Länder, in denen eine Weltklassezeit von 2:21 Stunden nicht reichen wird für die Nominierung. Deswegen rechne ich mit einem schnellen Rennen. Ich will natürlich vorne mitmischen, aber ich weiß nicht, wie schnell es wirklich wird. Deswegen kann ich erst im Rennen entscheiden, wie ich mich taktisch verhalte und setze mir vorher auch kein bestimmtes Zeitziel. Mein Ziel ist es aber, die zweite Hälfte wieder schneller zu laufen als die erste.

Das heißt, es könnte sein, dass Sie sich zurückhalten, wenn es zu schnell wird?

Irina Mikitenko: Ja, das kann passieren. Ich habe schon oft gesehen, wie sich Läuferinnen kaputt rennen aufgrund eines zu hohen Anfangstempos. Es ist ein Rennen über 42 Kilometer und nicht über 21.

Wen sehen Sie als schärfste Konkurrentin?

Irina Mikitenko: Ich achte nie auf eine einzelne Konkurrentin. In den letzten Wochen haben sich nicht viele jener Läuferinnen bei einem Rennen gezeigt, die in London auf der Startliste stehen. Daher kann ich die Form der anderen nicht einschätzen. Die Kenianerinnen werden natürlich stark sein, aber sie laufen taktisch nicht immer geschickt – die Taktik spielt in einem Marathon eine wichtige Rolle.

Der London-Marathon ist fast wie ein Meisterschaftsrennen – ist das ein idealer Test für den Olympia-Marathon an gleicher Stelle im Sommer?

Irina Mikitenko: Ja, das ist in der Tat ein guter Test, denn wie in einem Meisterschaftsrennen ist man in London auf sich alleine gestellt. Es kann plötzlich alles ganz anders kommen als gedacht und dann muss man alles umwerfen während des Rennens. Aber es sind genau diese Herausforderungen, die ich mag.

Wie lief die Vorbereitung auf den London-Marathon?

Irina Mikitenko: Die gesamte Vorbereitung ist sehr gut gelaufen – ich war nicht verletzt und auch nicht erkältet. Dadurch hatte ich insgesamt zwei Wochen mehr Vorbereitungszeit als für den Berlin-Marathon im vergangenen Jahr, da mich damals zwischendurch eine Erkältung stoppte.

Sie waren im März vier Wochen im Höhentraining in Albuquerque (USA), wo auch die britische Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe trainierte. Sind Sie zusammen mit ihr gelaufen?

Irina Mikitenko: Ich habe Paula in Albuquerque getroffen und wir haben uns unterhalten. Aber es gab keine Gelegenheit für ein gemeinsames Training.

Dafür hatten Sie zum ersten Mal mit Fate Tola, die ebenfalls von Ihrem Mann trainiert wird, eine Trainingspartnerin in der entscheidenden Vorbereitungsphase.

Irina Mikitenko: Ja, das klappte sehr gut. Ich war anfangs etwas skeptisch, denn ich war es gewöhnt, alleine zu trainieren. Aber wir haben uns gegenseitig sehr gut geholfen. Fate hat immer eine sehr positive Einstellung, was wichtig ist in einer langen Trainingsphase. Sie hat alles mitgemacht. Wenn auf dem Trainingsplan ein Lauf stand mit einer Länge von 30 bis 32 Kilometern, dann ist sie 32 km gelaufen. Dass sie am vergangenen Sonntag den Wien-Marathon gewonnen hat, hat mich nicht überrascht.

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