Baumann goes Kabarett

„Körner, Currywurst, Kenia“

Seit März tourt Dieter Baumann mit seinem Kabarett-Programm durch Deutschland. runnersworld.de war dabei.

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Dieter Baumann mit seinem Programm „Körner, Currywurst, Kenia“ im Starclub-Varieté in Kassel.

„Bei Kilometer 32 in Hamburg begann meine zweite Karriere“, erklärte Dieter Baumann den 120 Zuschauern im Starclub-Varieté am 8. Mai in Kassel. Im Jahr 2002 hatte Baumann sein Marathon-Debüt vorzeitig beendet und damit heftige Reaktionen unter seinen Mitläufern ausgelöst. „Haltet durch – Baumann ist raus!“, riefen die Zuschauer damals den Marathonis entlang der Alster zu. „Seitdem bin ich Motivations-Guru Nummer eins“, stellte der „Lebensläufer“ Baumann bei seinem ersten Auftritt in Hessen nüchtern fest.

Mit seinem Kabarett-Programm „Körner, Currywurst, Kenia“ tourt der Schwabe seit März durch ganz Deutschland. In der zweistündigen One-Man-Show lässt Dieter Baumann seine gesamte Läufer-Karriere Revue passieren. Zu Beginn der Veranstaltung lief der 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 in Anzug und gelbem Hemd durch die Zuschauerreihen auf die Bühne, während der Reporter Dieter Adler das historische Rennen von Barcelona aus dem Lautsprecher kommentierte.

Baumann als großer Motivator.

„Wenn ich den Aufzug nehme, schauen mich die Leute immer komisch an“, erzählte Baumann. Dagegen seien Fahrstühle extra für Läufer gemacht. „Denn wir sind hier ja nicht nicht in Afrika, wo ein Tankwart acht Kilometer von seinem Dorf zur Arbeit laufen muss“, rechtfertigte der 44-Jährige seine gelegentliche Bequemlichkeit.

Alles andere als bequem war dagegen das Kasseler Publikum, das zum größten Teil aus ambitionierten Freizeitläufern bestand. Lediglich eine von 120 Zuschauern meldete sich auf die Frage des Kabarettisten, wer im Saal keinen Sport treibe. Prompt gab ihr Baumann einen Trainingsplan, um aus der „No-Sport-Marion“ eine Hardcore-Läuferin zu machen.

Immer wieder forderte Dieter Baumann das Publikum zum Mitmachen auf. So ließ er die Zuschauer auf Musik Kniebeugen machen und auf der Stelle hüpfen, um anschließend gemeinsam mit ihnen den Puls zu kontrollieren. Für den höchsten Puls bekam Barbara zur Beruhigung eine kleine Tube Zahnpasta geschenkt.

Vom „Zahnpasta-Man“ bis zum „Weißen Kenianer“ ließ Baumann keine Geschichte aus. Unvergesslich war das Erlebnis, als er während eines Trainingslagers im kenianischen Nyahururu als einziger Hellhäutiger an einem Testlauf teilnahm. „You only follow the others“, erklärte ihm ein Kenianer den Streckenverlauf. Tatsächlich belegte Dieter Baumann den 84. Platz – fünf Plätze hinter dem Militärkoch!

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Der Striptease von Dieter Baumann kam bei den Zuschauern gut an.

Heutzutage mache er nur noch „Wohlfühl-Läufe“ auf seiner Hausstrecke rund um die Wurmlinger Kapelle, ließ der Tübinger verlauten. Lediglich seine „persönliche Assistentin“ habe er aus der Zeit als aktiver Läufer beibehalten: Mit der Getreidemühle demonstrierte er den Zuschauern, wie er sich jeden Abend vor dem Zubettgehen genussvoll sein Müsli fürs Frühstück mahlt.

Ein Augenschmaus war auch der Striptease vom Kabarettisten zum Marathon-Läufer Baumann. Wenn er sich eine Massage-Kralle auf den Kopf setzt und High-Energy-Speed-Gel in die Backentaschen stopft, bringt der sympathische Schwabe auch Nicht-Läufer zum Lachen! Damit dürfte Dieter Baumann nicht nur Motivations-Guru Nummer eins, sondern auch Lauf-Entertainer Nummer eins sein.