"Ich muss einfach laufen"

Zeit zum Laufen findet Palin (fast) immer - auch, wenn sie geschäftlich unterwegs ist.

Wenn Sie mal einen Tag oder eine Woche ohne Laufen verbringen, was lernen Sie dann über sich selbst?
Ich fühle mich gar nicht gut, wenn ich mal einen oder mehrere Tage nicht laufe. Ich muss einfach laufen. Egal, wie schlecht ich mich vor oder während eines Laufs fühle, hinterher war es das wert. Richtig frustriert war ich während der McCain Kampagne. Die Mitarbeiter wollten mir keine Zeit einräumen, um laufen zu gehen. Die Tage liefen dann auch einfach nie so gut, wenn ich nicht rausgehen und ordentlich schwitzen konnte.

Haben Sie diese Angelegenheit dann angesprochen?
Natürlich! Und sie haben mir gesagt, „Ja, in ein paar Tagen werden wir diese halbe bis eine Stunde zum Laufen freihalten,“ aber das ist nicht wirklich oft passiert. Das war schon enttäuschend. Aber dadurch wurde es für mich natürlich immer besonders schön, wenn ich dann doch rausgehen und laufen konnte. Ich lief dann mit dem Secret Service und manchmal mit Todd (ihr Ehemann), wenn er denn da war. Es war wirklich ein fantastisches Erlebnis in so vielen Staaten und Gemeinden, in denen man so viele unterschiedliche Dinge sehen und erleben kann, zu laufen. Es hätte nur einfach öfter passieren sollen.

Gibt es einen Lauf während dieser Kampagne, der Ihnen unvergesslich geblieben ist?
Oh ja! Aber ich schäme mich zu Tode davon zu erzählen. Einige Tage vor der Debatte mit Joe Biden war ich auf John McCains Ranch. Von dort aus ging ich los zum Laufen. Am liebsten laufe ich auf heißen, staubigen Straßen. Davon gibt es nicht viele in Alaska, ich fühlte mich also wie im Himmel. Es gab viele Hügel, ich wusste also, dass es anstrengend werden und meine Lungen zum brennen bringen würde – genau das, wonach ich mich beim Laufen sehne.

Ich laufe gerne alleine. Der Secret Service, der mich auch an diesem Tag begleitete, setzte mich schon ein bisschen unter Druck. Ich habe die ganze Zeit daran gedacht, dass ich doch gut in Form bin, dass ich nicht anfangen werde zu Hyperventilieren oder zu Jammern. Der Druck hat es mir ein wenig schwerer gemacht, den Lauf einfach zu genießen. Und dann ist es passiert: Ich lief einen Hügel runter und fiel hin. Ich habe mich so saumäßig geschämt. Ein Golfauto voll Secret Service Männern musste neben mir stehen bleiben, meine Hände waren aufgerissen und bluteten. Während der Debatte mit Biden trug ich dann ein hässliches Wundpflaster, das jeder sehen konnte. Jetzt habe ich eine schöne Kriegsverletzung an der rechten Hand, als Erinnerung an den Sturz. Für den Rest der Kampagne war das Händeschütteln für mich dann etwas schmerzhaft.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass darüber berichtet wurde.
Natürlich nicht! Ich habe die Secret Service Männer schwören lassen, nichts zu verraten. Ich hätte bestimmt auch genäht werden müssen, aber das wollte ich nicht. Na ja, jetzt habe ich eine kleine Narbe auf meiner Hand und es gibt ein paar Bilder von der Debatte, auf denen das Wundpflaster zu sehen ist. Aber ich denke, dass sonst Niemand davon weiß.

Und die Männer vom Secret Service haben tatsächlich Stillschweigen bewahrt?
Ja. Ich habe großen Respekt davor, vor allem, da sie auch Monate später nichts gesagt haben.

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