Dieter Baumann

„Ich habe Baumann geschlagen!“

Dieter kann nicht immer das angestrebte Training durchziehen. Manchmal hindern ihn "externe Gründe".

Dieter Baumann: Lauf der Woche – fast einsamer Dauerlauf

Bild: Privat

Lauf der Woche
Montag, 12. September 2011
Tübingen
fast einsamer Dauerlauf - 12 Kilometer


Ich melde mich vom Dauerlaufen, ja, langsam komme ich wieder in den Rhythmus. Am vergangenen Wochenende konnte ich zwar das geplante Training nicht umsetzten – externe Gründe hinderten mich – doch am Montag war (fast) alles wie immer.

Sie fragen: „Externe Gründe?“ Ja, geplant war ein leichter Tempolauf am Samstag in Alsfeld und ein lockerer Long Jog am Sonntag in Breitenbronn/Erlabrunn im Erzgebirge.

In Alsfeld gab es einen Firmenlauf über 5,4 Kilometer. Genau meine Distanz, ideal für schnelles Laufen. Aber die Veranstalter wollten unbedingt, dass ich den Startschuss gebe. Wie soll das gehen? Startschuss und Tempolauf. Als ich die große Meute auf die Strecke geschickte hatte, war die Spitzengruppe schon weg. Als ich im großen Läuferfeld endlich eine Lücke fand, lief ich locker leicht mit. Zunächst mit Mitarbeitern eines Steuerbüros, dann überholte ich die freiwillige Feuerwehr, und zwei Kilometer vor Schluss kam ich zur Alsfelder Fußballmannschaft. Sie liefen in breiter Formation, und als sie mich bemerkten gaben sie richtig Gas. Klar machte ich das Spielchen mit und begleitete den Mittelfeldmotor der Mannschaft – die Nr. 6 – bis ins Ziel. Kurz vor Zielschluss spurtete er dann wie verrückt und rief mir über seine Schulter zurück: „Ich habe Baumann geschlagen!“

Dann nahm ich am Sonntag im Erlabrunn im Erzgebirge an einem Spendenlauf teil. 250 Teilnehmer liefen auf einer Ein-Kilometer-Runde. Hüglig! Die gute Nachricht zuerst: Es kamen 17.000 Euro zusammen. Sagenhaft und Glückwunsch. Um so einen Batzen zusammen zu bekommen, ist es natürlich nix mit easy Long Jog und so. Andre R. aus Schwarzenberg war an meiner Seite. Wir liefen schnell, zu schnell für meinen urlaubsverwöhnten Körper. Nach drei Runden spürte ich den Berg. Steil war er und über 200 Meter lang. Laufexperten wissen: das tut richtig weh.

Und mir tat es weh. Aber darf ich Andre R. aus Schwarzenberg zeigen, dass ich am Anschlag laufe? Nein, das darf ich nicht. Immer und überall bin ich zu Lockerheit verpflichtet. „Passt das Tempo?“, fragte er. „Super, Wohlfühltempo“, gab ich zurück. Andere Teilnehmer gingen den Berg hinauf und liefen dann erst wieder weiter. Warum musste ich ausgerechnet mit Andre R. aus Schwarzenberg laufen? Er lief wie ein Uhrwerk. Und als der Moderator die letzten 10 Minuten ausrief, da meinte Andre R.: „Da gehen sich ja noch drei Runden aus.“ „Gute Idee“, meinte ich, „habe gerade sowieso die zweite Luft“. Das schlimmste aber war, dass alle Zuschauer nur Andre R. aus Schwarzenberg anfeuerten. „Du siehst gut aus!“, riefen sie. „Das wird Dein Ding! Du kannst Baumann schlagen.“

Deshalb war der Lauf der Woche am Montag. Allein lief ich am Spitzberg. Kein Mensch weit und breit, nur meine Laufschuhe und ich. Ich lief langsam, wie es meiner Leistungsklasse entspricht. Keine Pressatmung, kein hoher Puls. Es war wunderschön. Kurz vor Schluss schoss ein Mensch wild keuchend und mit total verschwitztem T-Shirt an mir vorbei. Er rief über die Schulter zurück: „Endlich, ich habe Baumann geschlagen!“


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