Interview mit Urte Fiek

"Die größte Hürde ist es, den Flug zu buchen"

Unsere Autorin Urte Fiek hat einmal Neuseeland von Norden nach Süden durchquert. Laufend. Alleine. Hier erzählt sie vom Schritt aus der Komfortzone, Einsamkeit und ihrem persönlichen Wilson.

Te Araroa Trail: Die faszinierendsten Bilder : 38 Fotos
Urte Fiek Neuseeland

Auch der verregnetste Sommer hat schöne Tage: Urte Fiek auf dem Te Araroa-Trail vor der atemberaubenden Kulisse Neuseelands.

Bild: Urte Fiek

Vier Monate alleine durch die Wildnis laufen – was für die meisten ein Traum (oder auch ein Albtraum) bleibt, hat Urte Fiek wahrgemacht. Sie hat auf dem Te Araroa Trail Neuseeland von Norden nach Süden durchquert. Ihre große Fotoreportage ist in der RUNNER'S WORLD-Ausgabe 09/17 nachzulesen. Im Interview erzählt sie von der ersten Nacht im Gewittersturm, der emotionalen Zielankunft und warum jeder einmal ein solches Abenteuer erleben sollte. Außerdem teilt sie ihre Erfahrungen zu Vorbereitung, Equipment und dem Alltag auf dem Trail.

Zuerst: Wie kamst Du eigentlich auf die Idee durch Neuseeland zu laufen?

Urte Fiek: Nach dem Abi habe ich eine Weltreise gemacht. Neben Asien und Amerika waren auch jeweils vier Wochen in Australien und Neuseeland geplant. Doch anstatt beide Länder halbherzig in kurzer Zeit zu machen, habe ich mich damals dazu entschieden, die komplette Zeit in Australien zu bleiben. Neuseeland wollte ich irgendwann danach mal so richtig intensiv bereisen. Als ich dann vor zwei Jahren das erste Mal von dem Te Araroa Trail gehört habe, wusste ich, dass es wohl keine bessere Art geben wird Neuseeland kennenzulernen. Dann fing die Planung an.

Wie fühlt es sich an, am ersten Abend sein Zelt am Strand – dem Ninety Mile Beach – aufzuschlagen und bei Einbruch der Dunkelheit festzustellen, dass man dort draußen ganz allein mit dem Meer und der Nacht ist?

Du hast den Regensturm und das Gewitter vergessen, das nachts über mir tobte! Das war ziemlich doof. Zumal es auch noch mein Geburtstag war, ich eine Erkältung mit mir rumschleppte und auch noch nie vorher irgendwo wild gecampt hatte. Da wird einem plötzlich bewusst, dass es zwar sehr romantisch klingt einmal durch Neuseeland zu laufen, sich die Realität aber alles andere als romantisch anfühlt. Zum Glück musste ich aber nicht alleine campen. Ein paar Kilometer vorher hatte ich einen Schweden kennengelernt, der auch auf dem Trail unterwegs war, und wir konnten zusammen unser Nachtlager aufbauen. Da fühlt man sich gleich etwas wohler.

Viele Läufer träumen davon, würden es aber wohl niemals wahrmachen: Wie viel Mut brauchte es, den Te Araroa-Entschluss wirklich zu realisieren?

Die größte Hürde ist es ja eigentlich nur, den Flug zu buchen. Und das ist heutzutage ein Klick mit der Maus. Man muss sich trauen, aus seinem Alltag auszubrechen und sich dem Unbekannten zu stellen. Wie viel Mut das braucht? Keine Ahnung, eigentlich ja nicht so viel. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und da liegt vielleicht das Problem. Wir leben alle in einem System, in dem von jedem erwartet wird, dass er zu einer bestimmten Zeit bestimmte Aufgaben erfüllt. In meinem Fall mit Anfang dreißig ist das wohl zu arbeiten oder eine Familie zu gründen. Aber ich denke es ist viel wichtiger auf seine eigene innere Stimme zu hören, als der Stimme der Gesellschaft zu gehorchen. Und wenn die innere Stimme sagt, dass sie raus in die Welt will, dann sollte man auch raus in die Welt gehen. Alles andere läuft ja nicht weg.

Job aufgeben, Wohnung hinterlassen, persönliche Sachen einlagern – kamen in der Vorbereitung mal Zweifel auf, ob sich das alles lohnt?

Nein. Dafür habe ich mich viel zu sehr auf das Abenteuer gefreut.

Hattest Du schon ähnlich große Projekte zuvor durchgeführt? Und gab es Vorbilder an denen du dich orientiert hast?

Te Araroa war mit Abstand das größte Projekt und Abenteuer meines Lebens. Ich war schon vorher viel im Ausland unterwegs, habe dort gelebt, studiert, gearbeitet und bin gereist. Zum intensiven Laufen kam ich vor etwa zweieinhalb Jahren als ich mich den Tide Runners, einer Laufcrew aus Hamburg, angeschlossen habe. Mit dem Te Araroa Trail konnte ich dann meine Leidenschaften für das Reisen und das Laufen verbinden. Im Vorhinein habe ich viel von Leuten gelesen, die bereits auf dem Trail unterwegs waren. Diese Leute kann man dann wohl Vorbilder nennen. Allen voran Anna McNuff, die zwei Jahre vor mir den Trail gelaufen ist. Ihre Berichte habe ich sehr gerne zur Vorbereitung verfolgt.

Wenn Dich heute jemand fragt: Wem würdest Du empfehlen, einmal den Te Araroa Trail zu laufen, was braucht es und was lernt man dabei?

Die Entscheidung, den Te Araroa Trail zu laufen, war wohl die beste meines Lebens. Sich immer wieder in Situationen zu finden, in denen man vorher noch nie gesteckt hat und bei denen man auf seine Intuition hören muss, was richtig und was falsch ist – das macht sehr stark. Beispielsweise habe ich vorher noch nie Gewässer zu Fuß überquert. Plötzlich steht man aber vor einem breiten, reißenden Fluss und der Trail geht auf der anderen Seiten weiter. Was macht man da? Camp aufschlagen und warten bis der Pegel etwas abgesunken ist? Dem Ufer folgen in der Hoffnung, dass irgendwo eine Brücke ist? Versuchen ihn trotzdem zu überqueren, aber Gefahr laufen mitgerissen zu werden? In solchen Situationen lernt man seine Grenzen kennen, sieht aber auch, wozu man eigentlich alles fähig ist.
Ich würde es daher jedem empfehlen, mal ein Abenteuer wie den Te Araroa zu erleben. Es muss ja nicht gleich ein Fernwanderweg sein. Aber ab und zu aus seiner alltäglichen Routine rauszukommen und etwas vollkommen neues zu probieren, kann nur stärker machen.

Du schreibst in deinem Bericht: „Ich wollte herausfinden, ob mein Wille stark genug ist, vier Monate lang in der Wildnis zu leben und mich allen Naturgewalten auszusetzen“ – offenbar war Dein Wille stark genug. Wie hast Du von Deinem Lauf profitiert?

Ich fand es toll zu beobachten, wie meine Sinne und Instinkte sich mehr und mehr auf das Leben in der Wildnis eingestellt haben. Vor allem mein Geruchssinn wurde geschärft. Beeren konnte ich irgendwann schon von weitem riechen. Und ich habe gelernt Berge und Flüsse zu lesen.
Auch die Unabhängigkeit von der materiellen Welt zu erleben, war eine schöne Erfahrung. Mit den ersten Sonnenstrahlen bin ich aufgestanden und mit den letzten ins Bett gegangen. Die Natur hat mir alles gegeben, was ich brauchte. Außer Erdnussbutter, die musste ich noch im Supermarkt kaufen. Und ein paar andere Essensvorräte auch. Aber ansonsten wurde ich immer mehr eins mit der Natur. Das hat unsere Gesellschaft inzwischen komplett verlernt: Wenn wir ein Bedürfnis haben, dann stillen wir es sofort. Haben wir Lust auf Süßes, gehen wir in den nächsten Supermarkt. Sind wir müde, legen wir uns auf die gemütliche Couch. Wenn wir keine passenden Schuhe zum neuen Outfit haben, bestellen wir schnell welche im Internet und kriegen sie am nächsten Tag ins Haus geliefert. Wir sind inzwischen so abhängig von Bequemlichkeit, dass wir das Gefühl von unbefriedigten Bedürfnissen kaum noch kennen.
Dazu hat auch Fred, ein Belgier, den ich auf dem Trail getroffen habe, mal etwas Schönes gesagt. Nachdem es tagelang nur geregnet hatte, alle Sachen am Körper und im Rucksack durchnässt waren und man vor Wut und Frust über das Wetter nur noch schreien wollte, sagte er: "Eigentlich ist das doch gar nicht schlimm. Jetzt wissen wir zumindest, dass wir am Leben sind." Und er hatte Recht.

Wie hast Du Dich verändert?

Ich bin genügsamer geworden. In dem 40l Rucksack, mit dem ich unterwegs war, waren mein Haus, Schlafzimmer, Küche, Vorratskammer, Bad und Kleiderschrank. Meine Bettdecke zu Hause hat mehr Volumen als 40l. Man lernt mit sehr wenig auszukommen und beginnt die Konsumwelt, in der wir leben zu hinterfragen. Als ich zurückgekommen bin, habe ich fast die Hälfte meines Besitzes weggegeben. Und auch heute sortiere ich noch aus, wo es geht. Dabei habe ich das Gefühl, je mehr ich aussortiere, desto freier kann ich atmen.
Auch hatte ich lange Probleme wieder in der Großstadt Hamburg, meinem Zuhause, anzukommen. Ich war plötzlich überfordert mit den vielen Menschen, dem Lärm, den Autos und den vielen verschiedenen Gerüchen. Anfangs habe ich mich kaum auf die Straße getraut. Inzwischen geht das wieder viel besser. Trotzdem merke ich, dass mir die Ruhe und das Stillleben der Natur unglaublich fehlen. Ich weiß nicht, ob ich mich je wieder in einer Großstadt so wohl fühlen werde, wie ich es vor dem Trail getan habe.

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Du warst 123 Tage unterwegs, wie erinnerst Du dich heute den Moment, an dem Du am Ziel, dem Stirling Point in Bluff, ankamst?

Das war wunderschön. Den ganzen Tag musste ich schon mit den Tränen kämpfen, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Als ich dann aber am Ziel war, konnte ich sie gar nicht mehr unterdrücken. Es war gleichzeitig Freude, Erleichterung, Stolz und Ermüdung. Aber auch ein bisschen Trauer, dass der Trail vorbei ist. Dann stand plötzlich ein guter Freund aus Neuseeland hinter mir, der mich in Bluff überraschen wollte. Es war toll, diesen Moment mit jemanden zu teilen. Wir saßen noch Stunden am Stirling Point, haben auf das Meer rausgeguckt und Champagner getrunken. An diesen Moment denke ich sehr gerne zurück.

Was waren die größten Schwierigkeiten während des Laufes?

Das war definitiv das Wetter. Leider hatte ich das Glück im nassesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung durch Neuseeland zu laufen. Das deprimiert und nimmt einem den Spaß an der Sache. Man weiß, dass man links und rechts von der allerschönsten Landschaft umgeben ist, sieht aber nichts, da die Regenwolken 10 Zentimeter über dem Kopf hängen und jegliche Sicht nehmen. Dazu die ständig nassen Klamotten und Schuhe, da musste ich öfters Frustschreie rauslassen.
Wenn dann aber wieder die Sonne rauskommt, die Wolken verdrängt und die atemberaubende Natur zum Vorschein kommt, weiß man wieder, dass sich jeder Schritt gelohnt hat.

Wie ging es Dir körperlich und gesundheitlich?

Erstaunlich gut! Die ersten Schritte am Morgen waren immer schmerzhaft, aber das hielt nie mehr als eine Minute an. Anfangs war ich oft müde und musste alle drei bis vier Tage mal einen Tag Pause einlegen. Aber das wurde besser und besser, sodass ich auf der Südinsel erst nach einem Monat den ersten Pausentag gemacht habe. Aber ich habe auch viele Leute kennengelernt, die den Trail entweder ganz abgebrochen haben, oder zumindest mal eine längere Pause einlegen mussten. Vor allem die Knie haben vielen Leuten Probleme bereitet. Da hatte ich wohl Glück.

Was muss man mitbringen, um solch eine Reise zu bewältigen – außer Zeit und Geld?

Jetzt werden die meisten wahrscheinlich denken, dass man unglaublich gut trainiert sein muss. Nein, muss man nicht. Ich habe viele Leute auf dem Trail getroffen, die von Sport vorher nicht viel gehört haben. Die sind dann zwar langsamer unterwegs, aber ankommen tun sie auch. Natürlich hilft es, gut trainiert zu sein und auch schon den einen oder anderen Marathon oder Ultra gelaufen zu sein. Alleine der mentalen Stärke wegen. Die meisten Marathonläufer wissen, dass man ein Rennen nicht in den Beinen, sondern im Kopf finisht. Und so ist es auch mit einem Fernwanderweg. Da hat man nicht das Ziel vor Augen, das weit, weit in der Ferne liegt. Man denkt an den nächsten Verpflegungspunkt, die nächste Ecke, an der die Freunde stehen, oder die nächste Zwischenzeitmessung. Auf dem Te Araroa Trail waren das dann halt der nächste Ort, die nächste Hütte, der nächste Fluss oder einfach nur die nächste Kreuzung.

Du beschreibst – wie viele andere auch – Neuseeland als sicheres Reiseland. Dabei hast Du oft mitten in der Wildnis allein in Deinem Einpersonenzelt übernachtet. Hattest Du keine Angst?

Etwas mulmig ist es schon, wenn nachts der Wald erwacht und um einen herum alles raschelt. Aber da habe ich mich mit Oropax selbst ausgetrickst und mir eingeredet, dass da draußen nichts ist. War ja eigentlich auch so. Außer Opossums, Ratten und Mäusen, aber die tun ja nichts. Außer Vorräte aus dem Rucksack zu klauen. Ich glaube ich war abends auch oft viel zu kaputt um mir Gedanken über Angst zu machen. Da wollte der Körper einfach schlafen und sich erholen.

Welche Tipps hast du für Alleinreisende – vor allem für Frauen?

Ich würde da gar nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Man braucht eine gesunde Portion an Respekt und Vorbereitung. Der Rest wird sich dann schon zurechtlegen. Als Alleinreisende(r) ist es so einfach Menschen kennenzulernen. Wenn man nicht alleine sein will, dann muss man es auch nicht.

In deinem Bericht schreibst du auch: „Die Einsamkeit ist mir anfangs suspekt. Doch schon bald will ich die Perfektion der Natur mit keinem mehr teilen.“ Kannst du das noch mal erklären?

Ich wohne in Hamburg. Selbst wenn ich in meiner Wohnung mit geschlossenen Türen und Fenstern bin, höre ich die Autos, Züge und Menschen draußen. Wenn ich Gesellschaft brauche, gehe ich aus der Tür und bin mitten drin im Großstadtwahnsinn. Auf dem Trail war ich plötzlich alleine. Es war ruhig, niemand war da und Handyempfang gab es sowieso nicht. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Da war jeder Fußabdruck ein Grund zur Freude, denn offensichtlich gab es doch noch irgendwo andere Menschen. Anfangs habe ich mich auch gefreut, wenn auf dem Trail mal eine Stadt oder ein Dorf lag. Doch irgendwann stresst das ganze Getümmel. Man möchte kurz in den Supermarkt und Proviant kaufen, schnell duschen und den Dreck der letzten Tag runterwaschen, aber dann auch wieder zurück in die Wildnis. Dort, wo es ruhig ist. Und wenn man dann oben auf einem Berg steht, dann will man den Moment und die Aussicht für sich alleine haben. Man will nicht reden, nicht denken, nicht zuhören. Man will einfach nur das Hier und Jetzt genießen, alleine. Zumindest ging es mir so. Aber da ist jeder Mensch anders.

Nach Deiner Rückkehr sagtest Du: „Ich habe mich noch nie so gefreut, Bikinis anzuprobieren, wie nach dem Trail!“ Weißt Du, wie viel Gewicht Du verloren hast?

Da ich keine Waage habe, ist das schwer zu sagen. Muskeln wiegen ja auch bekanntlich mehr als Fett. Aber mein Körper war schon sehr durchtrainiert nach den vier Monaten. Blöd nur, wenn nach dem Trail der Hunger gleich bleibt, die Bewegung aber natürlich weniger wird. Dann macht das Bikini-Anprobieren schnell nicht mehr so viel Spaß!

Warst Du vom Equipment her richtig ausgerüstet?

Ja und nein. Den Regen und die Kälte habe ich unterschätzt, da musste ich an wetterfester Kleidung nachrüsten. Ansonsten war ich froh über meine Auswahl. Im Vorhinein habe ich sehr viel Zeit in Recherche investiert. Man braucht ja schließlich das leichteste, kleinste und qualitativ hochwertigste – alles Attribute, die sich schon fast von Anfang an widersprechen. Außerdem man sollte es sich auch noch leisten können. Spätestens da fängt dann die Krise an. Ich war froh mich bei der Kleidung fast ausschließlich für Merinowolle entschieden zu haben. Da kann man eine Woche lang ein Shirt vollschwitzen und es riecht immer noch wie frisch gewaschen.

Hattest du nur das Allernötigste dabei oder auch Extras wie ein Buch, Radio, MP3-Player oder eine Kamera?

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, dass jeder, der sich auf einem Fernwanderweg befindet, einen Luxusartikel mitnehmen darf. Das kann das für den Trail absolut unbrauchbare Lieblingsshirt, ein eReader, oder ähnliches sein. Einfach etwas, mit dem man sich wohlfühlt. Mein Luxusartikel war Wilson, ein Stofftier, das meine Mutter mir einmal geschenkt hat. Ohne Wilson im Arm einzuschlafen, ist inzwischen unmöglich geworden!

Fielen Dir die Rückreise und der Alltag in Deutschland schwer?

Der Rückreise stand ich mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber. Neuseeland ist ein Land, in das ich mich definitiv verliebt habe, sowohl in die Landschaft als auch in seine Menschen. Da fällt der Abschied schwer. Zuhause hat aber ein neues Familienmitglied auf mich gewartet, denn meine Nichte wurde vier Wochen vorher geboren und ich konnte es kaum erwarten, sie in den Armen zu halten. Außerdem freut man sich natürlich darauf, die Familie und Freunde wieder zu sehen. Trotzdem fällt man nicht einfach so wieder in sein altes Leben zurück. Man nimmt alles ganz anders und intensiver war. In der Wildnis von Neuseeland konnte man die Augenblicke in ganzer Fülle genießen. Jeden Baum, jeden Vogel und jede Bergspitze konnte man begutachten, aufsaugen und als Bild im Gedächtnis speichern. Fast ein Stillleben eben. Doch in Deutschland gibt es so viele Reize, die von links und rechts auf einen einprasseln. Unterhaltungen, Lärm, Bewegungen, Gerüche. Das Unterbewusstsein nimmt so viele Informationen auf einmal auf. Vorbeirasende Autos, Gespräche von entgegenkommenden Spaziergängern, Fahrradklingeln, Leuchtreklamen, vorbeifliegende Tauben, Menschen links und rechts, Musik aus den Wohnungen. All das blendet man irgendwann aus. Aber eben nicht, wenn man es grade ganz anders gewohnt ist. Damit hatte und habe ich immer noch zu kämpfen. Oft wird es mir hier einfach zu viel.

An deinem 17. Lauftag schriebst du in einem deiner Facebook-Posts: „I practiced yoga and can finally reach my toes while standing.” Kannst Du das noch, mit durchgedrückten Knien Deine Zehen berühren?

Haha, nein. Aber ich übe grade wieder!

Was hast du von der Reise mitgebracht – außer bunte Erinnerungen?

Handcreme mit Manuka Honig! Der Duft erinnert mich sehr an die Zeit in Neuseeland. Damit ich möglichst lange etwas davon habe, nutze ich sie auch nur in ganz kleinen Mengen. Falls also jemand demnächst mal Urlaub in Neuseeland macht und Geschenke mitbringen möchte: Für mich bitte etwas mit Manuka Honig!

Was hast du gelernt – und warum sollte man sich so ein Abenteuer vornehmen?

Ich mag diesen einen Spruch sehr gerne und hatte ihn vor Neuseeland immer als Bildschirmhintergrund: „If your dreams don't scare you, they ain't big enough“. Wenn deine Träume dir keine Angst machen, dann sind sie nicht groß genug. Ich glaube, dass sich viele Menschen nicht trauen aus ihrer Komfortzone herauszugehen und ihren Träumen zu folgen. Und das ist schade, denn es gibt dort so viel zu entdecken und erleben! Selbst wenn Träume zunächst unerreichbar scheinen, woher soll man wissen, dass sie es wirklich sind, wenn man es nicht probiert? Vögel müssen auch erst aus ihrem Nest fallen, bevor sie lernen zu fliegen.
Ich habe gelernt, dass genau dieser Schritt aus der Komfortzone heraus, mir ein Abenteuer geschenkt hat, von dem ich noch meinen Enkeln erzählen möchte. Nie zuvor habe ich Momente im Leben so geliebt, gehasst, verehrt und verachtet. Und darum geht es doch im Leben: zu leben.