Dieter Baumann

Auf Krampftour durch Celle

Dieter lief die 20 km in Celle zu schnell an, überhitzte und sah Parallelen zum CDU-Wahlkampf in Baden-Württemberg.

Dieter Baumann auf Krampftour durch Celle.

Bild: Claus Dahms

Lauf der Woche
Sonntag, 13. März 2011
Celle
langer Tempolauf oder eine (Wahl-)Krampftour über 20 km


Ich melde mich vom Dauerlaufen. Aber was heißt Dauerlaufen? Am vergangenen Sonntag lief ich in Celle. 20 Kilometer. Zu meinem Kollegen der ersten Startreihe sagte ich noch: „Ich lass mich erst einmal reinrollen. 3:40 Minuten, schneller wird es nicht.“ Beim ersten Kilometer zeigten die Uhren 3:20 Minuten.

Ab dann wurde das Rennen – ja, wie soll ich sagen? – schwierig! Oder anders ausgedrückt, eine Krampftour. Ich versuchte den Gang raus zu nehmen, versuchte zu rollen oder mich hinter dem Rücken eines Kollegen zu verstecken - aber zu schnell angelaufen, ist zu schnell angelaufen.

Im Landeswahlkampf in Baden-Württemberg ist die CDU auch zu schnell angelaufen. In Tübingen überboten sich die Politikpromis nur so an Besuchen. Allerdings traute sich der Ministerpräsident Stefan Mappus nicht in die Hochburg der Grünen. Er blieb in Wurmlingen und hielt eine Rede mit Kampfgeschwätz. Schäuble kam in die Stadt! Doch der Auftritt war nicht öffentlich. Ja, die CDU hatte solche Angst vor Tübingen, dass sie die Kanzlerin schickte, um Tübingen zu erobern.

Das war vor sechs Wochen. Das Selbstbewusstsein von Merkel war so groß (bei 1.000 Meter blieb die Uhr bei 3:20 stehen), dass sie sich weigerte, sich ins Goldene Buch der Stadt Tübingen einzutragen. Überbracht hätte es der Grüne OB Palmer. Ein Gegner von S21 und überhaupt ein Mann, vor dem sich die CDU fürchtet. Kein Eintrag also, Begründung: Das macht die Kanzlerin im Rathaus und nicht in einer lieblosen Halle zwischen Blumendeko und Biertischen. Recht hat sie.

Nach der dritten Runde in Celle (15 Kilometer in 52 Minuten - nur ganz nebenbei erwähnt), nach der dritten Runde also, fiel mir Markus ein. Mein Stargast vom Kabarett am Vorabend. Der ambitionierte Läufer wollte 51 Minuten anlaufen. Irgendwo da vorne tobt der Kerl rum dachte ich.

Ohnehin Kabarett. Ich war ja richtig auf Tour. Ein Abend vor Celle in Borgholzhausen. Ja, die Stadt mit den Lebkuchen und natürlich dem Lauf: „Die Nacht von Borgholzhausen“. Dort fand ich als Stargast den Bürgermeister. Clemens, ein Nichtläufer, der arme Kerl. Dann auch noch in der ersten Reihe – beim Kabarett! Also, das Publikum und ich hatten unseren Spaß. Der Bürgermeister von Borgholzhausen natürlich auch und bestimmt läuft er seit letzten Freitag jeden Tag.

Am Ende der Show stürmte er auf die Bühne und brachte das Goldene Buch der Stadt mit. Stellen sie sich das einmal vor: auf der Bühne, zwischen Blumendeko und Biertischen! Ich tat es, jawohl. Für mich war es eine Ehre und durch meine christliche Erziehung konnte ich dieses Ansinnen nicht abschlagen. CDU hin, Parteipolitik her.

Die letzen fünf Kilometer in Celle wurden schwer. Die Beine lahm und müde, rechter Oberschenkel krampfanfällig, nach vorne alle enteilt, nach hinten vor Überraschungen nicht mehr sicher! So also kämpfte ich mich durch. Wie die CDU in Baden-Württemberg.

In dieser Woche war Merkel in Waldshut. Die Stimmung wegen der Atomfrage schwierig, oder um in der Läufersprache zu bleiben: krampfanfällig. Anstelle Wahlkampf, erklärte die Physikerin den Bürgern den Atomstrom. Am Ende kam der Bürgermeister und legte ihr das Goldene Buch vor. Sie trug sich ein! Jawohl, sie tat es, zwischen Blumendeko und Biertischen. Aber der Bürgermeister war auch kein Grüner. Gell liebe Angie, soviel (Wahl-)Krampftour muss sein.


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