Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, drinnen draußen zu laufen?

Im 35. Teil der Serie testete unser Chefredakteur, wie es ist, sich seine angestammte Laufstrecke mit der neuesten Technik von draußen nach drinnen auf das Laufband zu holen.

Ausprobiert – Outdoor-Simulation auf dem Laufband

Martin läuft nie auf einem Laufband. Für diese Kolumne hat er es gern getan. Wann hat man schon die Möglichkeit, seine Runde in der digitalen Welt abzulaufen?

Bild: Marie Simons

Die Bedingungen:
1. Eine wohlbekannte Laufrunde wurde als Strecke bei Google Maps angelegt.

2. Über ein iPad wurde diese an ein Laufband von Sport Tiedje übertragen.

3. Die 11-Kilometer-Strecke wurde komplett auf dem Laufband nachgelaufen.

Eigentlich mag ich es gar nicht, auf einem Laufband zu laufen, aber dieses Experiment hat mich gereizt: Da gibt es also die Möglichkeit, seine angestammte Laufstrecke auf das iPad zu laden, dieses mit einem Laufband zu verbinden und dann die Outdoorstrecke drinnen abzulaufen. Die Bilder liefert Google Street View, auf dem Display des iPads sind die gewohnten Impressionen der Strecke zu sehen.

Per Bluetooth wird das Pad mit dem Laufband verbunden

Als das iPad und das Laufband in die Redaktion geliefert wurden, wollte ich sofort los. Noch am selben Abend lud ich mir die App „Run on Earth“ auf mein Pad und verband es per Bluetooth mit dem Laufband. Für einen technisch unbegabten Menschen wie mich war das gar nicht so einfach, also ließ ich mir von einigen versierteren Kollegen helfen. Obwohl es mir in den Beinen juckte, gab es nun noch einige weitere kleine Hürden zu nehmen. Ich musste ich mich erst einmal für die App registrieren und meine Laufstrecke bei Google Maps einzeichnen und speichern. Alles kein Ding der Unmöglichkeit, aber in der Zeit wäre ich draußen schon mindestens drei Kilometer gerannt ... Geschenkt.

Die Faszination ist schnell verflogen

Start-Button drücken, und los! Ich beame mich direkt aus der Redaktion in den Park. Klasse. Der Blick auf meine Strecke draußen und die Vorstellung, dass es dort jetzt kalt und graupelig ist und ich drinnen mit kurzer Hose unterwegs bin, macht zunächst Freude. Doch der Blick aufs kleine Display des iPads fasziniert nicht so richtig lange. Schon nach dem ersten der elf Kilometer war die erste Faszination verflogen, und in mir begann der Wunsch zu wachsen, da draußen unterwegs zu sein – bei Kälte und Graupel. Das Display war etwas zu klein, um den Blick länger zu bannen, und das Pad hüpfte auch ein wenig zu sehr in der vorgesehenen Ablage.

Das Streckenprofil wird realitätsnah simuliert

Dazu war ich von Street View etwas enttäuscht. Es ruckelte und zuckelte, und in den Parkanlagen gab es kaum Impressionen von den Streckenpunkten, die mir sonst so viel Freude machen. Da schaute ich mir minutenlang das Eingangstor des Parks an, anstatt die schönen Baumalleen zu genießen. Faszinierend war allerdings, wie sich das Band auf das Streckenprofil einstellte: Der Steigungswinkel des Apparats reagierte sofort auf den Aufgang zur Autobahnbrücke und den Anstieg zum Denkmal. Okay, wo es bergab ging, blieb es einfach bei null Prozent Steigung. Puh, anstrengend!

Alles in allem ein lustiges Virtual-Reality-Lauferlebnis. Wer das Laufband-Laufen mag, für den ist die App eine tolle Alternative zu sonstigen Unterhaltungs- oder Trainingsprogrammen auf dem Band. Ob ich’s noch mal mache? Bei Blitzeis und minus 25 Grad.

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