Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, beim Laufen Pokemons zu jagen?

Unsere stellvertretende Chefredakteurin jagte beim Laufen virtuellen Monstern hinterher. Denn wenn alle Welt dafür durch die Gegend geht, muss das doch laufend viel effektiver gelingen.

Ausprobiert: Wie fühlt es sich an, beim Laufen Pokemons zu jagen?

Normal läuft sie am liebsten ohne Uhr und Smartphone – dafür mit Laufpartner zum Unterhalten. Doch auf den musste Britta Ost beim Pokemon GO-Lauf verzichten, das hätte nur Stress gegeben.

Bild: Marcus Vogel

Die Bedingungen:

1. Es wurden drei Läufe mit der App PokemonGo absolviert.

2. Strecke und Training wurden wie üblich gewählt.

3. In den ersten beiden Läufen lief die App nur nebenbei, beim dritten hatte sie ständige Aufmerksamkeit.


Die Augmented-Reality-App Pokemon GO bewegt ja bekanntlich selbst hartnäckige Stubenhocker nach draußen und lässt sie kilometerweit durch die Städte spazieren. Die Kilometer sammeln wir als Läufer ohnehin schon. Das klingt doch nach einer idealen Verbindung. Vorm nächsten Lauf installiere ich die App und erstelle meinen Avatar – das geht fixer als eine neue Laufuhr einzurichten. Auf das GPS-Signal muss man nicht mal warten. Los geht’s. Und schon vibriert das Smartphone, ich verrenke mich, um auf das Display an meinem Arm zu schauen. Gleich drei kleine Monster, nein, eher niedliche Tierchen, stehen um meinen Avartar herum. In der Realität steht mein Mann neben mir. Da fast alle seiner Kollegen Pokemon GO spielen, erhalte ich den Tipp: Am Anfang keine Monster fangen, dann kommt bald Pikatchu.

Da dieses das einzige Pokemon ist, dessen Name ich kenne, nehme ich an, es sei wichtig, es zu fangen und folge seinem Rat. Die drei Tierchen tauchen noch ein paarmal auf, ich verschone sie, und siehe da – beim nächsten Vibrationsalarm erscheint das gelbe Pikatchu auf dem Display. Wir sind noch keinen halben Kilometer gelaufen. Ich fummle das Handy aus der Hülle und bewerfe das Tierchen mit virtuellen roten Bällen. Gefangen. Mein erstes Pokemon. Weiter geht’s. Eine Weile lang passiert nichts, nach knapp zwei Kilometern der nächste Alarm. Allerdings kein Monster, sondern die Akkuwarnung. Noch 20 Prozent. Stromsparmodus an. Merke: 45 Prozent Akku zum Laufbeginn sind nichts, wenn man auf Monsterjagd geht. Der Rest des gut 6 Kilometer langen Laufs durch die westfälische Feldflur geht monsterlos zu Ende, immerhin hält der Akku gerade so durch.

Die nächste Trainingseinheit ist ein kurzes Intervalltraining. In der Zwischenzeit habe ich neue Bälle gesammelt, außerdem Eier, die durch Herumspazieren ausgebrütet werden. Je nach Art braucht man dazu immerhin 2 oder 5 Kilometer. Um beim Intervalltraining nicht anhalten zu müssen, beschließe ich, die Kilometer zumindest zum Ausbrüten zu nutzen. 5-km-Ei in den Incubator, Smartphone in die Tasche und los. Nach dem Training ein gespannter Blick aufs Display – und die Enttäuschung. Das Ei ist noch lange nicht ausgebrütet, obwohl das Training 6,4 Kilometer lang war. Wenn’s ein Laufgadget wäre, wäre es bei der Messgenauigkeit glatt durchgefallen. Ich fühle mich schon etwas betrogen.

Dritter Lauf mit der App, eineinhalb Stunden am Samstagnachmittag. Mein Mann läuft mit seinem Kumpel, ich starte alleine vorneweg. Das Smartphone stecke ich gar nicht erst ein, denn hier in Hamburg gibt’s reichlich Pokestops (dort bekommt man beispielsweise Bälle) und Pokemons. Die Karte auf dem Smartphone habe ich beim Laufen ständig im Blick, zum Glück laufe ich nicht im Verkehr, sondern nur auf einem Spazierweg. Trotzdem muss man gut aufpassen dabei, was mir bis auf einen Tritt in eine Pfütze gelingt. An dieser Stelle zeigt sich ein bislang wenig beachteter Vorteil der Hokas, mit denen ich unterwegs bin. Dank der fetten Sohle bleibt der Fuß trocken.

Die Pokestops kann man im Gehen gut mitnehmen, drauftippen, drehen, Bälle sammeln, weiter. Um ein Pokemon zu fangen, muss man allerdings stehenbleiben, außerdem die Kamera auf das Tierchen richten. Peinlichkeitsfaktor mittel bis hoch. Ich bemühe mich, unauffällig am Wegesrand zu jagen, was leidlich gelingt. Trotz meines Vorsprungs und – wenn ich nicht gerade gehe oder stehe – flotten Tempos überholen mich die beiden Männer easy joggend, während ich gerade mal wieder ein Monster fange. Wenn das nicht mit dem ersten Wurf gelingt, dauert es einen Moment, bis der nächste Ball erscheint. Beim Laufen ein nerviger Zeitverlust, vor allem, wenn man mehrmals verfehlt. Bei flatternden Monstern passiert mir das leider häufiger. Trotzdem ein großer Spaß! Der Sammelleidenschaft kann ich mich nicht entziehen. Um trotz der vielen Pausen ein anständiges Training hinzubekommen, halte ich das Tempo zwischendurch hoch, werde aber trotzdem auf dem Rückweg wieder von den entspannt trabenden Männern überholt. Sogar eine Fußgängerin überholt mich zweimal. Egal – ich hab zu tun.

Die Trainingszusammenfassung

Zeit: 90 Minuten. Anstrengung: hoch. Distanz: voll egal. Was wirklich zählt: Gefangene Pokemons: 47! Insgesamt ein großer Spaß, wenn man kein Problem damit hat, sich ab und zu belustigt anschauen zu lassen. Ich werde die App trotzdem wieder löschen, um wieder mit realen Laufpartnern zu rennen. Denn beides gleichzeitig geht auf keinen Fall.

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