Equipment-Special

Was bringt und bewirkt Kompressionsbekleidung?

Die Effekte von Kompressionsbekleidung auf die Leistungsfähigkeit beim Laufen hat der Sportmediziner Lutz Graumann genauer untersucht.

Herbstbekleidung 2009

Von Kompressionsbekleidung können auch Freizeitläufer profitieren.

Bild: Walter Fey

Kompression und Kompressionsbekleidung – was bedeutet das medizinisch?
Kompressionsbekleidung übt Druck von ­außen auf den Körper aus. Muskulatur und Bindegewebe sollen besser durchblutet werden – ganz analog zu Anti-Thrombose­strümp­fen. Beim Laufen oder in Bewegung wird zudem die körpereigene Muskel­vibration reduziert.

Wo muss man zwischen medizinischem und sportlichem Nutzen unterscheiden?
Im medizinischen Bereich gibt es vier verschiedene Kompressionsklassen, abhängig vom Grad der Schädigung des venösen Rück­stroms zum Herzen. Für den Einsatz im Sport gibt es noch keine einheitlichen Kompressionsklassen. Hier sollte sich ja in der Regel keine Schädigung des Gefäßsystems finden lassen. Zudem schwankt die tatsächlich auf dem Gewebe lastende Kompression von Hersteller zu Hersteller – und gleich­zeitig von Mensch zu Mensch, da nicht ­jeder, der Größe M kauft, die gleichen Umfänge an Wade oder Oberschenkel hat. Derzeit werden die Produkte meist nicht individuell vermessen, sondern über Größe und Gewicht verkauft. Wir wissen derzeit auch noch nicht, bei welchem Druck sich gegebenenfalls positive Effekte für den Athleten erzielen lassen.

Welchen Nutzen hat der Läufer? Wird er schneller?
Ob er tatsächlich schneller läuft, wage ich derzeit noch zu bezweifeln. Sofern sich aber die vielversprechenden Vorversuche bestätigen, sollte der Athlet in der Lage sein, auf einem bestimmten Leistungsniveau effizienter zu laufen, und dabei weniger Sauerstoff verbrauchen, was dann auch bessere Zeiten bedeuten könnte.

Wie lässt sich der ­Effekt messen?
Wir versuchen es mit der Spiroergometrie, ­also der Leistungsmessung anhand des Sauer­stoffverbrauchs und der Laktatmessung. Dort haben wir beobachtet, dass der Proband, wenn er eine Kompressionstight trug, im Vergleich zu der Messung ohne Kompressionsbekleidung bei gleicher Belastungsstufe weniger Sauerstoff verbraucht hat. Dies würde bedeuten, dass er ökonomischer gelaufen ist.

Lässt sich das in Zeiten ausdrücken?
In unseren Vorunter­suchungen konnten wir Leistungssteigerungen zwischen einem und vier Prozent beobachten. Doch es ist noch verfrüht, dies in Zeiten auszudrücken.

Kann jeder Läufer profitieren, oder ist das nur etwas für Profis?
Jeder kann profitieren, sofern er die Kompression nicht als unangenehm empfindet. Schon der höhere Tragekomfort kann sich positiv auf die Leistungsentwicklung auswirken.

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