Langzeittest in Usbekistan

So schlägt sich der Laufschuh 361° Sensation 2 unter Extrembedingungen

Kai Markus läuft derzeit von Hamburg nach Shanghai, an seinen Füßen trägt er stets den Sensation 2 von 361°. Sein Fazit nach gut der halben Distanz.

Laufschuh 361° Sensation 2 nach knapp 1.000 Kilometern durch Usbekistan

941 Kilometer wurde dieser Laufschuh, der Sensation 2 von 361°, durch über die Pisten Usbekistans getragen.

Bild: privat

Über die Hälfte der Distanz von Hamburg nach Shanghai liegen bereits hinter Kai Markus. Die gesamten rund 12.000 Kilometer läuft er, um die Menschen in Deutschland und China einander näher zu bringen, mehr Verständnis für die jeweils andere Kultur zu bekommen. Das Projekt "Run my Silkroad" ist das wahrscheinlich extremste seines Lebens. Und für die Laufschuhe, die er dabei trägt, dürfte es ebenfalls der extremste Test sein, denen sie sich unterziehen müssen. Kai Markus läuft nahezu die gesamte Strecke in Schuhen des gleichen Modells, dem Sensation 2 des chinesischen Sportausrüsters 361°. Es handelt sich hierbei um das übliche Serienmodell ohne individuelle Anpassungen. In der Regel wechselt Kai Markus die Schuhe etwa alle 500 Kilometer. Den Schuh, der auf den Bildern in diesem Artikel zu sehen ist, trug er jedoch ganze 941 Kilometer. Seinen ausführlichen Testbericht dokumentieren wir hier.

Daten und Bedingungen

Laufschuh-Modell: 361° Sensation 2
Start bei Kilometer 4.792 an der Grenze zu Usbekistan
Ende bei Kilometer 5.733 in Buchara in Usbekistan
Gelaufene Distanz: 941 Kilometer
Untergrund: Straße (30%), Sandwüste (25%), Kies, Geröll, Felsen, Schlamm, salziger Untergrund, Gebüsche, Dornen und Kakteen
Temperatur: 15° C - 48° C (hauptsächlich > 35° C)
Wetter: Trocken und heiß, unter 5% Regen
Nutzungsdauer: 17 Tage / 10-18 Stunden pro Tag

Meine Tage in Laufschuhen

"Als kleine Vorbemerkung möchte ich sagen, dass ich in meine Laufschuhe nach dem ersten Schnüren stets nur rein- und rausschlüpfe. Ich öffne und schließe dazu die Schnürsenkel also nicht wieder. An einem normalen Lauftag auf meinem Weg nach Shanghai ziehe ich die Schuhe etwa 5 bis 12 Mal am Tag an und aus, um Steinchen zu entfernen oder die Schuhe in den Pausen zu trocknen. So vermeide ich Blasen. Da ich wegen des unkonventionellen Anziehens schon viele Schuhe verschlissen hatte, erwartete ich auch beim Sensation 2, dass die Fersenkappe schnell brechen würde, doch bislang hat sie gehalten und ich wurde von Blasen durch Reibung an der Bruchstelle verschont.

An der Sohle des geschundenen Sensation 2 lässt sich ablesen, wie schwierig der Untergrund oft gewesen sein muss.

Bild: privat

Dämpfung und Stabilität

Um Überlastungsbeschwerden vorzubeugen, würde ich Laufschuhe stets nach 450 bis 550 Kilometer wechseln. Diese Sensation 2 von 361° lief ich mehr als 940 km, weil ich die Grenzen des Schuhs überprüfen wollte. Wie auf den Bildern zu erkennen, ist die Sohle stark beansprucht, aber immer noch in einer guten Form. Um die Abnahme der Dämpfung des Mittelsohlenschaums QU!KFOAM zu messen, habe ich die alten Schuhe gelegentlich mit einem frischen Modell verglichen. Nach etwa 600 Kilometern war der Unterschied noch nicht groß, aber genug, um zu erkennen, dass ein neues Paar angeraten wäre. Nach 800 Kilometern spürte ich einen starken Unterschied in der Dämpfung. Zudem bekam ich Probleme an Schienbein, Ferse und Knie. Erstes Fazit: Der Sensation 2 hält bei mir etwa 600 Kilometer, dann sollte ein neuer Laufschuh her.

Abrieb und Verschleiß der Sohle

Beim Abrieb schlägt sich der Sensation 2 super. Da ich beim Laufen die Füße nicht sehr hoch hebe und dadurch ein wenig über den Boden rutsche, ist der Abrieb an meinen Schuhen gewöhnlich recht stark. Der Sensation 2 ist hier ein kleines Wunder, trotz der rauen Bedingungen in Usbekistan macht er seinen Job in diesem anspruchsvollen Gelände sehr gut. Ich bin in meinem Leben viele verschiedene Schuhe gelaufen, aber ich habe bislang nur einen Laufschuh einer Konkurrenzmarke gefunden, die mit dem Sensation 2 mithält.

Obermaterial und Innenseite

Ich kümmere mich jeden Abend um meine Laufschuhe: Die Innensohle nehme ich zum Trocknen raus, Schmutz und Steinchen entferne ich. Das beugt Geruchsbildung vor und ich erkenne kleine Schäden sofort. Im Inneren des Sensation 2 gibt es auch nach über 900 Kilometern noch keine Schäden, die Verarbeitungsqualität ist im Vergleich zu anderen Laufschuhen sehr gut. Negativ ist mir einzig aufgefallen, dass der Sensation 2 nicht der beste Schuh für das Laufen auf Sand ist. Den das Mesh-Material lässt die Füße zwar atmen, sodass sie trocken bleiben, lässt aber auch Sand und Staub in den Schuh. Dies erhöht das Risiko von Blasen drastisch, weil der Sand den Schuh viel fester macht. In dieser Situation könnte das Obermaterial etwas ein bisschen schützender sein. Steinchen im Schuh sind hingegen kein Problem, sie gelangen durch die gut am Fuß sitzende Öffnung des Schuhs nicht hinein.

Profil

Auch auf sehr anspruchsvollen Untergründen, auf denen mancher lieber in Trailschuhen läuft, trage ich die 361° Sensation 2. Diese machen als "Allround"-Schuhe einen erstaunlich guten Job auf der Straße und Offroad. Der Grip ist großartig. Ich bin einen der Sensation 2 schon 700 km auf Schnee und Eis gelaufen, diesen jetzt auf Sand in der Wüste – auf beiden Untergründen hält er zuverlässig, ein Allround-Talent.

Fazit

Der 361° Sensation 2 ist ein gelungener Laufschuh mit guter Dämpfung. Er eignet sich sowohl für längere Läufe als auch die alltägliche Laufrunde auf Straßen, Wegen und im Wald. Die Qualität des Schuhs liegt mindestens auf dem gleichen Niveau der großen Laufschuh-Marken. Auch wenn er für Fersenläufer entwickelt wurde, kann man ihn auch als Vorfuß- oder Mittelfußläufer tragen."

Kai Markus

Kai Markus läuft von Hamburg nach:

Russland und Kasachstan durchquert