Online-Shops im Test

Shoppst du noch oder klickst du schon?

Spannend war es bis zuletzt, spaßig nicht immer: Kristina und ich testeten 10 Online-Shops und erlebten dabei so manche Überraschung.

Daniel Eilers

Daniel Eilers

Bild: Walter Fey

3, 2, 1, los! Kristina und ich starten zur virtuellen Laufschuh-Jagd im Internet. Wir testen zehn verschiedene Online-Versandhäuser, bestellen hierzu jeweils zehn Paar Schuhe, der Vergleichbarkeit halber dasselbe Modell in derselben Größe, und lassen diese zehn Schuhe zurückgehen, um nochmals zehn weitere zu ordern - selbes Modell wie zu Anfang, aber andere Größe. Was zunächst simpel und nach viel Spaß klingt, wird am Ende zur Bewährungsprobe für Gemüt und persönliche Daten. Ein Erfahrungsbericht.

Von Sprintern und Spamern
Um eines gleich vorweg zu nehmen: aus zehn Versandhäusern wurden acht. Sport- Schuster und Sportscheck hatten das gewünschte Modell, den Brooks Ghost 4, in der gewünschten Größe nicht im Sortiment. Die Sprinter unter den Online-Versandhäusern waren Engelhorn, Lauf-Bar und Runmarkt, die zwei Tage nach Bestellung und Überweisung lieferten. Bis auf Engelhorn, deren Schuhe mit leichten Gebrauchsspuren an der Sohle eintrafen, waren alle anderen in einem einwandfreien Zustand und ebenso wichtig: auch in der korrekten Größe. Mit einem Tag Abstand folgten die übrigen Versandhäuser Runners Point, Sp24, Zalando und 21run, auch hier waren die Schuhe in einem tadellosen Zustand. „Das klappte ja hervorragend“, lobte ich den sprichwörtlichen Tag vorm Abend und bemerkte, dass ich einen Shop übersehen und der Shop mich wohl vergessen hatte. Nachdem eine Woche nach der Bestellung und Überweisung verging, rief ich deshalb bei Brooksrunning an und fragte nach dem Verbleib der Schuhe.

Die außerordentlich freundliche Dame am Telefon zeigte sich verwundert, ging der Sache nach und suchte dafür den zuständigen Kollegen auf, der aber nicht im Hause war, und das, wie sich herausstellte, schon seit mehreren Tagen nicht. Jedenfalls wurde mir dann versichert, der Schuh würde morgen in meine Richtung versandt. Zwei Tage später hielt ich ihn neben dem kostenfrei beigelegten Paar Laufsocken in meinen Händen, sowohl in der richtigen Größe als auch im einwandfreien Zustand. „Wort gehalten“, freute ich mich. Zumindest der zuverlässige und zuvorkommenden Kundenservice von Brooksrunning verdient das Prädikat: sehr gut.

Damit waren dann alle Schuhe angekommen, aber nicht nur die erreichten mich. Zu meinem Unmut füllte sich mein E-Mail-Postfach zunehmend mit Newslettern, Werbung anderer und zumeist sehr delikater Art, obwohl ich bei allen Versandhäusern penibel darauf Acht gegeben hatte, Newsletter und sonstige Benachrichtigungen zu vermeiden.

Neues Spiel, neue Größen
Weiter gingʻs. Jetzt mussten alle Schuhe zurück, neue Größen angefordert werden. Das Prozedere war keineswegs einheitlich, die Arbeit begann. In mühevollster Kleinarbeit wühlte ich mich durch AGBs und Hinweisen auf und neben den Rechnungen. Lag beispielsweise bei Runners Point und Engelhorn ein Rücksendeformular bei, musste bei 21run und Sp24 das Internet bemüht und ein DHL-Retourenschein erst noch ausgedruckt werden. Brooksrunning nahm einmal mehr eine Sonderrolle ein: kein Hinweis, kein Retourenschein, dafür freute ich mich schon auf den Kundenservice, die Hotline-Nummer war mir ja nunmehr bekannt. Peu à peu traf die zweite Charge Schuhe nach vertretbaren vier bis fünf Tagen ein, mit Ausnahme des Umtausches bei Runners Point, der vierzehn Tage beanspruchte. Noch ärgerlicher war nur, dass Sp24 gleich ganz darauf verzichtete mir einen zweiten Schuh zu schicken und meinen Vermerk auf dem Retourenschein offenbar ignorierte.

Schuhe weg, Geld auf einem anderen Konto
Nachdem dann auch die zweite Lieferung ihren Rückweg antrat, ging es jetzt darum, das Geld wiederzubekommen. Besonders zügig überwiesen 21run und Lauf-Bar, binnen einer Woche erreichte mich das Geld der beiden Versandhäuser. Runners Point folgte nur etwas später, Brooksrunning brauchte fast vier Wochen. Noch mehr Zeit ließ sich da nur Sp24, bei über vier Wochen wurde meine Toleranzgrenze weit überschritten. Runmarkt verzichtete gleich ganz auf die Rücküberweisung und behielt mein Geld ein. Nachdem ich mich telefonisch nach dem Geld erkundigte, entschuldigte man sich mit dem Buchhaltungs-Argument und versprach mir das Geld gleich bei der nächsten Abrechnung zu überweisen. Nicht einmal zehn Tage später war das Geld auf meinem Konto.

Ganz anders verhielt es sich bei Kristinas Runners Point- und Sp24-Bestellung. Dazu muss erwähnt werden, dass Kristina und ich arbeitsteilig vorgingen: sie kaufte, ich bezahlte. Der Vergleichbarkeit halber übernahm ich sowohl die Überweisung für Kristinas Bestellungen als auch für meine. Nachdem acht Wochen ins Land zogen, wartete ich immer noch vergebens auf das Geld von Kristinas Runners Point- und Sp24-Bestellungen. Ich telefonierte also und erfuhr, was ich zunächst für einen Scherz hielt: das Geld wurde überwiesen - nur nicht auf mein Konto. Unglaublich, aber wahr: Runners Point und Sp24, beide unter dem Dach der Online-Vermarktungs-GmbH Tredex, überwiesen das Geld nicht zur Ursprungsquelle der Überweisungen, nämlich mich, sondern an Kristina. Nur Kristina hatte ihrerseits zu keinem Zeitpunkt Kontodaten hinterlegt, warum sollte sie auch? Denn schließlich war abgesprochen, ich würde die Überweisungen übernehmen. „Ein Schelm, wer ein Datenschutzleck vermutet“, übten wir uns in Galgenhumor. Ob es ein Fehler im System war, das unzulässigerweise Kristinas Benutzerdaten mit ihren Kontodaten (woher die auch immer stammen mögen) verknüpfte, oder ob es das Werk eines arglosen Sachbearbeiters war, konnte nicht beantwortet werden. Eine Petitesse war es sicherlich nicht, für mich schon eher ein datenschutzrechtliches Unding.

Fazit: keine Alternative, aber eine Ergänzung
Persönlich nutze ich Online-Shops weniger, ich mag den Kontakt beim Laufladen vor Ort, das Gespräch über Bestzeiten und Sprengung, Dämpfung und Gewicht von Laufschuhen. Dafür bezahle ich gerne, gerne auch etwas mehr. All das habe ich beim Online-Shop-Test nicht finden können, stattdessen aber mitunter unschlagbare Sonderangebote und ein insgesamt sehr niedriges Preisniveau. Davon profitieren vor allem diejenigen, die ihre Schuhgröße beim entsprechenden Schuh kennen und im Umgang mit dem Schuh vertraut sind. Wer hinsichtlich mutmaßlicher Größe und Passform blind bestellt, der darf das mühsame Umtausch- und Rücksendeverfahren nicht scheuen. An dieser Stelle entlarvte sich für mich das bei Online-Käufen oft ins Feld geführte Argument der Praktikabilität als Scheinargument, denn als ich mich durch AGBs arbeiten, Retourenscheine selbst ausdrucken und meinem Geld hinterher telefonieren musste, da sehnte ich mich nach meinem unkomplizierten Fachhändler vor Ort, der mich im Nachhinein auch nicht mit Spam-Nachrichten überschwemmt. Für mich hat der Online-Shop-Test letztlich die Notwendigkeit vom Laufladen vor Ort bestätigt, aber auch sein Alleinstellungsmerkmal aufgehoben: ein Online-Versandhaus vermag zwar keine Alternative zu sein, aber eine Ergänzung, eine überwiegend zuverlässige, ist es allemal.

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