Läuferlektüre

Rimbach ist jetzt ein Romanheld

Drei Jahre lang berichtete Rimbach von seinen Läufen in RUNNER'S WORLD, jetzt wurde er zum Romanhelden.

Rolf Bläsing ist Rimbach. Geboren 1958, verheiratet, zwei Kinder, gewann er durchs Laufen wichtige Erkenntnisse: Regelmäßige Bewegung relativiert kleinere bis mittlere Fehler beim Ess- und Trinkverhalten – und: Selbst bei Regen kann man sich draußen bewegen, ohne daran zugrunde zu gehen. Er lebt, läuft und schreibt in Hessen.

Jetzt erschien von Rolf Bläsing der Roman "Der Halbmarathon-Mann", 267 Seiten, € 8,95, Aufbau Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-7466-2424-2.

Der Halbmarathon-Mann - Ein Roman von Rolf Bläsing

Bild: Aufbau Taschenbuch Verlag

Um Ihnen Lust auf "Der Halbmarathon-Mann" zu machen, erzählt er im Folgenden selbst, wie Rimbach laufen lernte.

Meine Frau läuft auch. Sie findet es schön, sich zu bewegen, und praktisch, dass man dabei schlank bleibt, sich unterhalten kann und etwas gemeinsam unternimmt. Das reicht ihr als Grund. So gesehen läuft sie insgesamt anders als ich, irgendwie sachlicher.

Deshalb lächelt sie auch darüber, dass ich alles Positive, was mir passiert, generell mit dem Laufen in Verbindung bringe oder auf das Laufen zurückführe, von der Verbesserung des Durchhaltevermögens (auch im „normalen“ Leben) oder der Steigerung der Gehirnleistung bis hin zum lebensverändernden Ereignis. Sie glaubt nicht so richtig an so etwas, aber ich kann es beweisen. Zum Beispiel mit der Geschichte, wie Rimbach laufen lernte.

Es muss Ende der Neunziger gewesen sein, ich lief bereits einige Jahre ohne Risiken und schädliche Nebenwirkungen vor mich hin, als meine heile Gedankenwelt plötzlich durch Grübeleien beeinträchtigt wurde. Das war ein Phänomen, dass ich bis dahin nicht kannte und dem ich den Namen „Störung der Laufruhe“ gab.

Mein Problem fiel unter die Rubrik „Versäumnisse“, und es plagt, wie ich heute weiß, viele Menschen, die irgendwann damit hadern, dass sie nicht Lokführer, Stadionsprecher oder Astronaut geworden sind. Bei mir bestand das Versäumnis darin, dass ich bisher kein Buch geschrieben hatte. Ich erkannte, dass ich mir deswegen später, vermutlich zu spät die bittersten Vorwürfe machen würde.

Es war lästig, ausgerechnet beim Laufen an so etwas zu denken, weil man beim Laufen ja positive Gedanken haben soll. Mir wurde außerdem klar, dass es wichtig war, die Kluft zwischen Erkenntnis und Ausführung zu überwinden, und das war der Durchbruch. Ich begann meinen ersten Roman zu schreiben – ohne Titel, ohne feste Vorstellung und ohne Konzept.

Nach drei Jahren hatte der Roman eine Länge von etwa einer Seite.
So drängte sich das Thema wieder in mein Lauf-Leben, als ungelöste Aufgabe. Und es kann kein Zufall sein, dass ein Lösungsansatz sich direkt nach einem Lauf präsentierte. Ich saß im Auto und hatte das Radio an, die Landstraße war frei und das Gehirn offen wie ein Scheunentor für Neues und Gutes, und ich fuhr mit etwa sechzig Stundenkilometern nach Hause (das ruhige Gefühl nach einem Lauf befreit mich vom Zwang des schnellen Fahrens, so dass ich dadurch oft unbewusst zum Verkehrshindernis werde).

Jedenfalls kann man bei dem Tempo gut zuhören. Im Radio erzählte jemand von der erfolgreichen Teilnahme an einem nebenberuflichen Literaturstudium (ich sitze hauptberuflich im Büro, wie man wissen muss), etwas, was ich bisher immer mit Argwohn betrachtet hatte. Drei Kilometer später wusste ich, dass ich mich anmelden würde.

Das zwang mich an den Schreibtisch, es gab keine Ausflüchte mehr, so dass nun regelmäßig kleinere Werke entstanden, darunter prämierte Kurzgeschichten und Veröffentlichungen in Anthologien.

Rolf Bläsing

Bild: Aufbau Taschenbuch Verlag

Buchautor Rolf Bläsing

Meine Läufe wurden wieder entspannter, weil ich mich nicht mehr ständig mit meinem Problem befassen musste, sondern es erst einmal gelöst hatte. Das wirkte sich auch auf meine sportlichen Erfolge aus. Die Laufstrecken wurden ausgedehnter, ich stieg mit den anderen vom Lauftreff in die Vorbereitung zum ersten ernsthaften Wettkampf ein, und schließlich war es so weit:

Am 06.05.2001 gewann ich, im Alter von 42 Jahren, den Halbmarathon von Hannover. Das heißt, ich wurde genau genommen nicht Erster, sondern eintausendzweihundertzehnter in einer Zeit von 1:55, aber für mich persönlich war es ein Sieg.

Als ein Jahr später mein „Literaturstudium“ beendet war, war klar, dass ich mit meinen Fähigkeiten an die Öffentlichkeit treten musste, und das Thema (das wichtigste beim Schreiben ist das Thema!) war auch klar. „Man muss schreiben, wovon man Ahnung hat!“, hatte ich gelernt. Ich hatte Ahnung vom Laufen, und weil ich öfter das „größte Laufmagazin der Welt“ gelesen hatte, wusste ich: „Da will ich rein!“ Irgendwas Witziges schreiben, was viele Läufer interessiert. Und dann lief der Stoff mir zu.

Es war die Geburtsstunde von Rimbach, eines Typen, der mir grandioser Mittelmäßigkeit die Stärken und Schwächen der Läufer dieser Welt repräsentierte. Rimbach kam an, er lief fast drei Jahre in Runner’s World, und die Ideen für seine Erlebnisse hatte ich nicht selten während meiner eigenen Läufe.

Damit war der Grundstein gelegt. Ein Roman ist eine Aneinanderreihung von Szenen und Geschichten, hatte ich gelernt, und nachdem ich genug Rimbach-Storys und einige andere „Kostproben“ an Agenturen und Verlage verschickt hatte und ein Verlag sich für den Stoff interessierte, stand fest, dass Rimbach ein Romanheld werden würde.

Meine etwas naive Vorstellung, einfach die vorhandenen sechsunddreißig Kolumnen mit überbrückenden Texten zu verbinden und so mit wenig Aufwand schnell ein Buch zu erstellen, musste ich allerdings korrigieren. Rimbach verselbständigte sich, er tat Dinge, die ich ihm kaum zugetraut hatte und musste neben dem Erlernen des Laufens die riesige Aufgabe bewältigen, eine Frau (natürlich Julia) zu erobern und dann auch noch mit ihr zusammenzuleben, so dass er schnell bis zum Hals in Schwierigkeiten steckte. Aber seinen Charakter konnte ich retten, er ist zu erkennen, wie auch einige Figuren aus den Kolumnen.

Jedenfalls halte ich das Buch jetzt in den Händen, es heißt „Der Halbmarathon-Mann“, und es ist von mir. Im Büro sitze ich jetzt übrigens nur noch halbtags. So weit also mein Beweis, dass das Laufen sehr wohl für einige wichtige Veränderungen im Leben (mit) verantwortlich sein kann, es ist nur eine Frage der Sichtweise. Und wem das noch nicht reicht: Die Lektorin des Aufbau-Verlags, die mich vor über einem Jahr „entdeckte“ und den Kolumnen-Stoff für entwicklungswürdig hielt, ist zufällig auch Läuferin und stand damals gerade vor ihrem ersten Halbmarathon. Noch Fragen?

Jetzt kommt natürlich wieder meine Frau und sagt: „Na und? Schreiben konntest du doch sowieso schon. Wenn es das Laufen nicht gegeben hätte, dann hättest du eben über was anderes geschrieben, das hätte genau so gut funktioniert.“

Ist klar. Wenn es das Laufen nicht gegeben hätte, dann wäre ich jetzt (im schlimmsten Falle) vielleicht Hobbygärtner oder Kakteenzüchter oder irgendwas in der Richtung. Und der Roman hätte den Titel „Der Briefmarken-Freak“ oder „Der Koi-Karpfen-Mann“. Hört sich verdammt aufregend an.

Damit Sie Rimbach noch besser kennen lernen können, bieten wir Ihnen zwei weitere Textauszüge.

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