Online-Shops im Test

Online-Shopping ist nicht der kürzeste Weg zum Laufschuh

"Schrei vor Glück" oder Entsetzen - bei meinem Online-Einkauf lag das nah beieinander.

Kristina_Online-Shopping

"Schrei vor Glück" oder Entsetzen – beim Online-Shopping liegt das nah beieinander.

Bild: Walter Fey

Es ist Montag, der 28.11.2011, 13:30 Uhr. Ich sitze in Hamburg in der RUNNER’S WORLD-Redaktion an meinem Rechner und klicke mich durch Online-Shops, die Laufschuhe anbieten, während mein Kollege Daniel selbiges in Marburg tut. Zehn Paar Schuhe, zehn Online-Shops. Um die Gerechtigkeit zu wahren, klickt mein Kollege Daniel sich in richtiger Reihenfolge durch die aufgelisteten Online-Shops, ich von hinten.

Da Bezahlung per Rechnung das Einfachste ist, haben wir beschlossen, eben jene Zahlungsweise zu nutzen. Schon beim ersten Shop zerstreut sich dieses Vorhaben. Wir steigen auf Vorkasse um. Nur drei Shops bieten Bezahlung per Rechnung an. Bei runmarkt wird Bezahlung per Rechnung angepriesen, als ich jedoch zur Kasse gehe, ist das keine Option mehr.

Bei Zalando erhalte ich nach Eingabe des gewünschten Schuhs, des Asics GT-2160, eine Auswahl mehrerer Schuhe angezeigt. Welcher davon der Damenschuh ist, erschließt sich mir erst bei genauerem Hinschauen. Normalerweise mag ich pink nicht, aber heute ist es mir eine große Hilfe, dass Damenlaufschuhe häufig diese Farbe haben.

Bei Sport-Schuster stoße ich auf das zweite Problem. Die Größen sind nur in US-Größe angegeben. Ich weiß nur meine deutsche Schuhgröße. Bei Sportscheck bin ich gänzlich überfordert, weil ich erst durch Weiterklicken erfahre, in welcher Einheit die Schuhgrößen angegeben sind. Meine Größe ist nicht dabei. Im Engelhorn-Shop werde ich beim Klick auf die Größentabelle zu Kleidergrößen für Herren weitergeleitet, allerdings eröffnet sich mir nach mehreren Klicks die ausführlichste Größentabelle aller getesteten Online-Shops.

Beim Bestellen der Schuhe fällt mir das durchweg niedrige Preisniveau der Laufschuhe auf. Die Preise für den Asics GT-2160 reichen von 74,90 € bis 129,95 €. Um die Höhe der Versandkosten für die Bestellung zu erfahren, muss ich erst auf die besagte Verlinkung klicken. Positive Ausnahmen stellen hier Engelhorn und Zalando dar. Hier sind die Versandkosten auf den ersten Blick erkennbar. Brooksrunning überrascht mich bei der Artikelbeschreibung mit Fragezeichen an allen Satzbausteinen.

Daniel bezahlt alle Schuhe gleich am Montagabend. Auf der Internetseite von Brooks spielen die Kontodaten, die ich für die Überweisung benötige, mit mir Verstecken. Am Ende finde ich die Bankverbindung in den AGB. Die E-Mail mit der Kontoverbindung von Brooks kommt erst am nächsten Tag, als Daniel das Geld längst überwiesen hat. Von allen anderen Shops kommt die übersichtliche Bestellbestätigung mit Kontodaten und teilweise sogar einem Foto des bestellten Schuhs sofort nach der Bestellung per Mail.

Auf der Suche nach Rückgaberechten, Retoure-Kosten, Kunden-Hotlines und Kosten für die Kunden-Hotline klicke ich mich durch endlos viele Seiten. Bei Brooksrunning werde ich erst nach langem Suchen fündig.

Schon einen Tag nach der Bestellung erreicht mich eine Mail des Geschäftsführers von Lauf-bar.de, nachdem man auch versucht hat, mich telefonisch zu erreichen. In der Mail wird mir freundlich mitgeteilt, dass es den Schuh in der bestellten Größe fälschlicherweise doch nicht mehr vorrätig gibt und ob auch eine halbe Größe kleiner in Ordnung wäre. Ich bestelle den Schuh folglich eine halbe Nummer kleiner.

Am 30.11. erreicht mich pünktlich um 15:00 das erste Paket. „Schrei vor Glück“ – Zalando lässt grüßen. Ich bin positiv überrascht von der schnellen Lieferung. Ein Blick in mein Email-Postfach dämpft jedoch meine Freude: Es ist voll von SPAM-Mails. Etwaige Anbieter werben mit Viagra und Online-Casinos. Ich frage mich, bei welchem der Shops da die undichte Stelle im System ist.

In den nächsten Tagen erreichen mich auch die anderen Pakete. Alle Schuhe haben die richtige Größe und sind unbenutzt. Teilweise sind Gutscheine oder Proben von Gels beigelegt. Nur die Schuhe von Sport-Schuster und Brooks wollen einfach nicht auftauchen.

Der Kundenservice
Eine Woche nach der ersten Bestellung rufe ich zuerst bei Brooksrunning an. Man sagt mir, der zuständige Mitarbeiter sei nicht verfügbar. Immerhin schaut mein Gesprächspartner am Telefon nach meiner Bestellung und sagt mir, ich hätte Vorkassenzahlung angegeben und solle den Artikel erst einmal bezahlen. Als ich sage, dass die Rechnung seit einer Woche bezahlt ist, kann er dies nicht bestätigen, verspricht aber, sich mit der Rechnungsabteilung in Verbindung zu setzen und mir bei deren Bestätigung meiner Aussage die Schuhe schnellstmöglich zukommen zu lassen. Zwei Tage später ist der Schuh wie versprochen da.

Bei Sport-Schuster war der Asics GT-2160 in Größe 9 laut Kundenservice fälschlicherweise als verfügbar angezeigt, im Lager aber nicht mehr auffindbar sei. Die Mail mit eben jener Info, die an mich geschickt worden sein soll, habe ich nie bekommen. Der Kundenservice sichert mir jedoch am Telefon zu, dass der Schuh in 10-14 Tagen bei mir eintreffen werde. Am 9.12. bekomme ich die Mail, dass der Schuh nicht mehr lieferbar sei. Man bietet mir das neuere Modell an und ich freue mich auf den Asics GT-2170. Der erreicht mich am 13.12. – 15 Tage nach meiner Bestellung. Auch bei diesem Shop begeistert mich die Freundlichkeit des Kundenservice.

Die überaus freundliche Frau vom Runmarkt-Kundenservice erzählt mir, dass der Schuh in Größe 8,5 nicht mehr auf Lager sei. Deswegen bestellt sie ihn schon mal für mich vor, um die Neubestellung zu beschleunigen. Beim zweiten Paket hat man einfach den Retourenaufkleber des vorigen Kunden mit meinem Adressaufkleber überklebt. Leider ist der Adressaufkleber nicht blickdicht, und ich denke darüber nach, besagter Person eine Karte aus der Redaktion zu schicken.

Bei Runnerspoint ist ständig besetzt, auch bei Sp24 und 21run erreiche ich am 05.12.2011 zwischen 13.00 Uhr und 17.00 Uhr niemanden. Glücklicherweise kann ich bei 21run zumindest auf dem Retourenschein angeben, dass ich den Schuh gerne in einer anderen Größe hätte.

Vor einigen Jahren habe ich schon einmal bei Sportscheck bestellt, mich aber aufgrund einer längeren Auslandsreise wieder abgemeldet. Die Auftragsbestätigung für die zweite Bestellung bekomme ich trotzdem an meine alte Mailadresse. Zur Verfolgung meiner Bestellung benötige ich meine Kundennummer. Leider ist die Kundennummer, die auf meinem Überweisungsschein angegeben ist, falsch. Dafür hat sportscheck eine idiotensichere Beschreibung für die kostenlose Rücksendung von Paketen auf dem Lieferschein integriert.

Nachdem ich mich bei Lauf-Bar schon bei der Erstbestellung mit US-Größe 7,5 begnügen musste und diese natürlich nicht passt, möchte ich den Schuh gerne in US-Größe 8,5 haben. Leider ist er in der richtigen Farbe nicht mehr größer als in 7,5 lieferbar. Daher entscheide ich mich für den gleichen Schuh in einer anderen Farbe. Die Frau beim Kundenservice notiert sich meine neue Bestellung. Bei diesem Schuh stelle ich später fest, dass die Sohle schon leichte Gebrauchsspuren hat.

Bei Sp24 finde ich keine Telefonnummer für den Kundenservice auf dem Retourenschein oder dem Bestellschein. Nachdem ich die Nummer aus dem Internet herausgesucht habe, versuche ich mein Glück trotzdem – und erreiche niemanden.

Als ich den Kundenservice bei Zalando anrufe, höre ich nach Brooksrunning die erste Männerstimme. Sie klingt genervt und die Person am Telefon hat offensichtlich keine Zeit. Als ich frage, wie das mit der Rücksendung und der Neubestellung funktioniert, werde ich für dumm verkauft. Außerdem kostet der Schuh mich dieses Mal 129,95 Euro statt 84,95 Euro. Allerdings kann ich einfach eine neue Bestellung aufgeben, ohne zuerst das andere Paar Schuhe zurückschicken zu müssen.

Bei 21run rufe ich angeblich außerhalb der Geschäftszeiten an. Leider sind diese nirgendwo auffindbar. Aus Umweltschutzgründen liegt der Lieferung kein vorbereiteter Retouren-Versandaufkleber bei. Eine gute Begründung, wie ich finde.

Der Umtausch
Bei der zweiten Lieferung läuft meinerseits alles glatt. Außer, dass die Schuhe von Engelhorn in einem viel zu großen Karton kommen, fällt mir nichts weiter besonders positiv oder negativ auf.

Die Kosten-Rückerstattung
Von der Kosten-Rückerstattung bekomme ich so gut wie nichts mit - weil Daniel alle Rechnungen bezahlt hat. Nur bei zwei Shops gibt es Probleme: SP24 und Runnerspoint, beide Tredex GmbH. Daniel ruft dort am 25.01.2012 an und fragt nach. Von ihm erfahre ich, dass das Geld beider Shops auf mein Konto überwiesen wurde. Tatsächlich. Wo ich doch meine Kontoverbindung bei SP24 niemals bekannt gegeben habe.

Mein Fazit:
Generell bestell ich gerne Kleidung oder Sportgeräte im Internet. Nach diesem Online-Shop-Test jedoch freue ich mich auf meinen nächsten Besuch in meinem Lauf-Shop. Im Laufe des Tests wünsche ich mir immer wieder, ich könnte einfach zu meinem Laufschuh-Fachhändler gehen und um Hilfe bitten. Der Laufschuh-Kauf ist eben doch mehr als einfach nur der gezielte Klick im Internet. Genauso, wie Laufen nicht nur ein Sport ist - sondern eine Leidenschaft.

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